Kommentar von kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

Ein klares Votum für Flick gegen Dortmunder Angsthasen

Joshua Kimmich gegen Julian Brandt

Standen symbolisch für die Einstellung ihrer Teams: Joshua Kimmich (r.) und Julian Brandt. imago images

Allein dieses eine Duell sprach für den gesamten Vergleich zwischen Bayern München und Borussia Dortmund: Hier der aggressive, mit praller Körpersprache attackierende Joshua Kimmich im zentralen defensiven FCB-Mittelfeld, dort der zaghafte, stets zurückziehende Julian Brandt. Beide standen für die Einstellung ihrer Teams an diesem 11. Spieltag 2019/20 und repräsentierten so das deutliche und für die Bayern hoch verdiente 4:0. Mit diesem Angsthasen-Fußball war für die Dortmunder, die sich nach den jüngsten Siegen doch gestärkt glaubten, gegen diese Münchner nichts zu gewinnen.

Die Bayern gingen in dieses so prestigeträchtige und für den Spitzenkampf so bedeutsame Duell allesamt mit der totalen Entschlossenheit, während sich bei den Dortmundern einzig Mats Hummels wehrte. "Männerfußball" hatte Sportdirektor Michael Zorc von den Seinen gefordert, nach 2:20 Gegentoren in den vergangenen vier Auftritten in der Allianz Arena, inklusive die 0:5-Klatsche im Frühjahr 2019. Sie lieferten ihm und der bedauernswerten Anhängerschar Memmenfußball und verschlechterten ihre fatale Bilanz in München auf 2:24 Treffer.

Nach vorne produzierte der BVB nur eine klägliche Chance

Die Dortmunder bekamen nie Zugriff auf die extrem agilen Münchner, ihre Raumaufteilung passte überhaupt nicht, nach vorne produzierte diese eigentlich veranlagte Elf eine einzige klägliche Chance (Paco Alcacer/69.). Ihr Offensivspiel fand schlichtweg nicht statt, das Modell mit der falschen Neun, Mario Götze, ging komplett schief, weil die Borussen viel zu tief standen und keinen konstruktiven Aufbau zustande brachten.

Dieses Totalversagen der Borussen lag einerseits an ihrer Behäbigkeit, andererseits aber genauso an den extrem konzentrierten, weit vorne und vereint angreifenden Bayern, die jedes der direkten Duelle - die sie in den vergangenen Wochen so lasch geführt hatten wie jetzt die Dortmunder gegen sie - mit dem absoluten Biss und Willen suchte. Zudem blieb das Gefüge kompakt.

Flick hat im Schnelldurchgang die richtigen Korrekturen gesetzt

Hansi Flick, der neue Hauptverantwortliche auf der Trainerbank, hat im knapp einwöchigen Schnelldurchgang die richtigen taktischen Korrekturen gesetzt und für die Verbesserung der zuvor verdorbenen Atmosphäre die richtigen Worte gewählt. Robert Lewandowski mit erneut zwei Treffern sowie der umtriebige Thomas Müller mit zwei Assists rissen die bereitwilligen Kollegen mit ihrem Tun und ihrer Ausstrahlung mit. Die in Frankfurt noch in ihre Einzelteile zerfallene Mannschaft stellte sich 90 Minuten als total engagierte und willige Einheit dar.

Den Bayern bringt dieser klare Erfolg das - jedenfalls vorläufige - Ende turbulenter Tage, die die Trennung vom vormaligen Chefcoach Niko Kovac sowie Widersprüchliches zur Nachfolgerfrage beinhalteten. Die Mannschaft war schon sehr in der Pflicht nach den Vorkommnissen und der vorherigen internen Stimmung, sie hat beeindruckend geliefert und damit ein unmissverständliches Votum für Flick abgegeben: Der einstmalige Assistenz- und vorübergehende Interimstrainer wird nun bis auf Weiteres, so teilte es der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bald nach dem Abpfiff mit, zum Cheftrainer befördert. Flick hat in diesen beiden Spielen gegen Olympiakos Piräus (2:0) und nun Dortmund gezeigt, dass er imstande ist, diese Aufgabe zu meistern.

Bilder zur Partie Bayern München - Borussia Dortmund