SVWW-Coach mit Aberkennung der Gästeführung nicht einverstanden

Rehm in Rage: VAR-Intervention "bitter für den Fußball"

Rüdiger Rehm

Die Schreie von SVWW-Coach Rüdiger Rehm blieben ungehört: Die Führung seiner Elf wurde nach VAR-Check zurückgenommen. picture alliance

Die im Kellerkrimi bis dato tonangebenden Hausherren in Dresden wagten in Minute 26 einen Vorstoß in den SVWW-Strafraum, der zum Bumerang werden sollte: Alexander Jeremejeff wollte einen zu weit enteilten Ball gerade noch von der Torauslinie kratzen und den eigenen Angriff am Leben halten, spielte dabei aber vielmehr Wehen Wiesbaden in die Karten. Einen Konter und 18 Sekunden später - oder genauer gesagt sechs Pässe, einen gewonnen Zweikampf sowie einen trockenen Abschluss von Manuel Schäffler - bejubelten die Gäste auf der Gegenseite die Führung. Nach einem Hinweis aus Köln nahm Referee Martin Petersen (Stuttgart) den vorausgegangenen Dynamo-Angriff jedoch nochmal genauer unter die Lupe und befand, dass das Spielgerät die Torauslinie bei der Ballrettungsaktion Jeremejeffs schon vollständig überschritten hatte - der Treffer zählte nicht mehr.

Gelb in der Schlussphase, Rundumschlag in der Nachlese

Nach dem VAR-Check schnappte Petersen sich den Ball, der bereits zum nächsten Anstoß bereit gelegen hatte, und eilte zuerst zu SVWW-Trainer Rüdiger Rehm - der Coach sollte die schlechte Nachricht als erster erfahren und erklärt bekommen. Rehm warf sofort die Hände nach oben, fasste sich erst mit geschockter Miene an die Stirn und ließ kurz darauf ein ungläubiges Lächeln der Marke Galgenhumor folgen. Dass seine Elf nach der aberkannten Führung durch einen Treffer von Jeremejeff ins Hintertreffen geriet und in Hälfte zwei kein Comeback schaffte, hellte seine Laune nicht gerade auf: Kurz vor Schluss holte Rehm sich Gelb wegen Meckerns ab - und nach Spielschluss folgte bei "Sky" ein Rundumschlag, der Grundsätzliches infrage stellen sollte.

...sonst braucht man gar keine Schiedsrichter mehr zum Spiel mitzunehmen, und wir entscheiden alles nur noch aus Köln.

Rüdiger Rehm zur Intervention durch den Video Assistant Referee in Dresden.
Martin Petersen im Zwiegespräch

Einspruch zwecklos: Referee Martin Petersen annullierte die SVWW-Führung. picture alliance

"Ich glaube, dass es einfach auch bitter für den Fußball ist", hob Rehm die strittige Szene auf Nachfrage sofort auf die große Bühne: "Es ist nicht nachvollziehbar, wie man uns da noch zurückwirkend benachteiligen kann." Die Szene habe aus seiner Sicht "überhaupt nichts mehr mit dem Tor zu tun gehabt". Erst in Rage geredet, ging der Coach noch weiter: "Man muss dem Schiedsrichter auch mal ein bisschen das Gespür und die Entscheidungsgewalt lassen - sonst braucht man gar keine Schiedsrichter mehr zum Spiel mitzunehmen, und wir entscheiden alles nur noch aus Köln."

Böller-Wurf und Aufklärungswünsche

Rehm sah seine Elf durch die VAR-Intervention im Kellerduell entscheidend benachteiligt: "Damit ist das Spiel kaputt gegangen." Unabhängig von dieser Szene konnte der SVWW übrigens von Glück reden, dass das Trommelfell von Keeper Lukas Watkowiak kurz vor der Pause keinen Schaden erhalten hatte: Ein auf das Spielfeld geworfener Böller explodierte direkt neben dem Torwart, der sich sofort ans Ohr fasste und erst nach kurzer Behandlung weitermachen konnte - auf der Ersatzbank wäre aufgrund von personellen Engpässen nur noch Torwarttrainer Marjan Petkovic gewesen.

Das überlasse ich auch dem Schiedsrichter.

SVWW-Coach Rüdiger Rehm nach guten Wünschen zum Aufmuntern seiner Elf.

"Hut ab, dass er da weiter gemacht hat", lobte Rehm den Schlussmann - und kam dann sofort wieder auf sein Reizthema Referee zu sprechen: "Wir sind faire Sportsleute, auch wenn der vierte Offizielle uns entgegengeworfen hat, dass wir das nicht wären." Er wisse nicht, wie dieser darauf komme, doch: "Das sind alles Dinge, die vielleicht auch von der Seite (des Schiedsrichtergespanns, Anm. d. Red.) eher geklärt werden müssen." Zur Tor-Aberkennung erwünschte Rehm sich ebenfalls eine nochmalige Aufklärung: "Die Regeln kann ja keiner mehr im Kopf behalten." Und auf ermunternde Worte des Reporters zum bevorstehenden emotionalen Aufbau seiner Mannschaft hatte Rehm dann noch eine letzte Spitze im Köcher: "Das überlasse ich auch dem Schiedsrichter."

jum