Ärger über den Schiedsrichter und die eigene Schlafmützigkeit

Hütter: "Unerklärlich und scharf zu kritisieren"

Adi Hütter

Verärgert und enttäuscht nach der Last-Minute-Niederlage: Eintracht-Coach Adi Hütter. imago images

Der Auslöser für Hütters Ärger war die Szene in der 69. Minute, in der Lüttichs Verteidiger Kostas Laifis eine klare Torchance vereitelte, indem er Sebastian Rode zentral kurz vor dem Sechzehnmeterraum foulte. Das Regelwerk kennt für einen solchen Fall nur eine Sanktion: die Rote Karte. Es handelte sich nicht mal ansatzweise um eine Szene im Grauzonenbereich. Der bereits zuvor schwache Schiedsrichter Matej Jug (Slowenien) verlor in diesem Moment jedoch vollends die Übersicht und zeigte Gojko Cimirot die Gelbe Karte. Da Laifis bereits verwarnt war, übernahm Cimirot in einer Diskussion mit dem Referee augenscheinlich die Schuld. Dieser Vorgang allein ist schon eine grobe Unsportlichkeit.

Kurios und aus Eintracht-Sicht sehr ärgerlich ist, dass weder Schiedsrichter noch Assistent dieses Täuschungsmanöver durchschauten und den Übeltäter ungestraft davonkommen ließen. "Das ist eine ganz schwere Fehlentscheidung. Er hatte eine super Sicht. Im ersten Moment hat er gar nicht gewusst, was er machen soll. Dass dieser Spieler auf dem Platz bleiben darf, ist unerklärlich und scharf zu kritisieren", moniert Hütter. Er wundert sich, dass keiner der vier Schiedsrichter die Situation richtig erkannte und betont: "Deshalb bin ich immer noch ein Fan des Videobeweises."

Spielersteckbrief Kostic

Kostic Filip

Trainersteckbrief Hütter

Hütter Adolf

Bittere Nachspielzeit: Erst vergibt Kostic, dann schläft die Abwehr

Die Verantwortung für die Niederlage will Hütter dem Referee allerdings nicht zuschieben, auch wenn er glaubt, dass seine Mannschaft das Spiel in Überzahl gewonnen hätte. "Ich ärgere mich immer noch, weil wir selber schuld sind", sagt der Coach mit Blick auf die Geschehnisse in der Nachspielzeit. Erst vergab Filip Kostic die riesige Konterchance zum möglichen 2:1: Statt den mitgelaufenen Bas Dost zu bedienen, feuerte er den Ball aus aussichtsreicher halblinker Position deutlich am Tor vorbei.

Anschließend sahen Martin Hinteregger, Makoto Hasebe und David Abraham schlecht aus, als ein langer Ball und eine Kopfballverlängerung ausreichten, um die Abwehr zu auszuhebeln und das Siegtor zu erzielen. "Wir hätten das Zentrum schließen und besser verteidigen müssen. Das ärgert mich", meint Hütter. Nun gehe es darum, den späten "Nackenschlag" schnell "aus den Köpfen zu bekommen".

Ich hätte mir von Lüttich mehr erwartet.

Adi Hütter

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt der SGE nicht, am Sonntag steht mit der Partie in Freiburg das sechste Spiel binnen 18 Tagen auf dem Programm. Im Breisgau wartet eine weitaus schwierigere Herausforderung als in Lüttich, das trotz des Sieges schwächer als erwartet spielte. Freiburg ist dafür bekannt und gefürchtet, gerade zu Hause mit einem ungeheuren Aufwand und feurigem Herzen aufzutreten, individuell ist der SC ohnehin eine Klasse besser als Lüttich. Um nicht mit leeren Händen dazustehen, wird sich Hütters Team merklich steigern müssen, die Leistung am Donnerstagabend war unterm Strich nicht gut. Selbst Hütter konstatiert: "Ich hätte mir von Lüttich mehr erwartet."

Doch auch seine Elf blieb unter ihren Möglichkeiten. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um sich auszumalen, dass die Eintracht mit einem energischeren Angriffs- und Gegenpressing Lüttich schon in der ersten halben Stunde hätte den Zahn ziehen können. Denn die Gastgeber agierten gerade zu Beginn seltsam verhalten, das hätte Frankfurt besser ausnutzen müssen. Doch das Flügelspiel lahmte, und auch aus dem Zentrum kamen lange zu wenige Impulse nach vorne. Natürlich war am Ende ein Sieg drin, Kostic hätte bloß den Ball querlegen oder genauer zielen müssen. Über die insgesamt eher maue Leistung hätte aber auch das Siegtor nicht hinwegtäuschen können. In Freiburg bietet sich nun die Chance, dafür zu sorgen, dass - zumindest vorerst - nicht mehr über die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen diskutiert werden muss.

Julian Franzke

kicker.tv Hintergrund

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