Niedersachsen machen gegen Gent einen empfindlichen Schritt zurück

Wolfsburg: Der Verlust der Souveränität

Der VfL Wolfsburg strauchelt: Die Köpfe der Spieler gehen beim ersten Rückschlag nach unten.

Der VfL Wolfsburg strauchelt: Die Köpfe der Spieler gehen beim ersten Rückschlag nach unten. imago images

Stürmer Wout Weghorst stapfte wütend durch die Katakomben des Stadions. Statt des erhofften großen Schritts in Richtung Zwischenrunde der Europa League machten die Niedersachsen einen in der Entwicklung empfindlichen Schritt zurück. Nach dem überzeugenden Saisonstart ist die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner in den vergangenen Spielen von ihrem Weg abgekommen. Eine ganz normale schwierige Phase, die fast jedes Team während einer Saison mal durchläuft? Oder steckt mehr hinter dem Verlust der Souveränität? Und nun schon sechs Pflichtspielen in Serie ohne Sieg?

Die Mängel werden sichtbarer

Die Warnsignale, dass der VfL im Gegensatz zum zeitweiligen Tabellenplatz im Champions-League-Bereich längst noch keine Spitzenmannschaft ist, hatte es jedenfalls schon gegeben. Der VfL punktete zu Saisonbeginn zwar äußerst konstant, wusste spielerisch aber bei weitem nicht immer zu überzeugen. Im Gegenteil: Die Mannschaft machte bereits Fehler, die nur von den ersten, schwächeren Gegnern noch nicht so schonungslos aufgedeckt wurden. Nun geht es nach und nach - und das fast durchgehend bis zur Winterpause - gegen sämtliche Topteams der Liga, und die Mängel werden sichtbarer. Die Offensivbemühungen bleiben in den meisten Fällen zu harmlos und durchschaubar - mit in der Liga bislang 45 herausgespielten Chancen liegt der VfL auf dem Niveau von Augsburg, Düsseldorf, Paderborn, Mainz, Union Berlin und Köln -, die Defensive hat in den vergangenen drei Spielen dramatisch an Stabilität verloren.

Bundesliga - 11. Spieltag
Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bor. Mönchengladbach
25
2
RB Leipzig
21
3
Bayern München
21
Trainersteckbrief Glasner

Glasner Oliver

VfL Wolfsburg - Vereinsdaten

Gründungsdatum

12.09.1945

Vereinsfarben

Grün-Weiß

Die Köpfe der VfL-Spieler gehen beim ersten Rückschlag nach unten

Nun klar, gegen Leipzig kann man verlieren, wenn auch nicht gleich mit 1:6. Auch in Dortmund kommt es vor, dass ein Team mit 0:3 untergeht, wenngleich die Abwehrleistung zu Beginn sogar äußerst ansprechend war. Gegen Gent war der Anfang nun ebenfalls ordentlich, die Führung durch Joao Victor verdient, anschließend aber ging fast gar nichts mehr. Das 1:3 gegen den wackeren, in seinen Mitteln aber dennoch limitierten Gegner aus Belgien ist ein schwerer Schlag ins Kontor. Die Köpfe der VfL-Spieler gehen beim ersten Rückschlag nach unten, "wir verlieren das Vertrauen in uns", konstatiert Glasner. Die Verunsicherung wird regelrecht greifbar und durch das längst deutlich vernehmbare Murren der Wolfsburger Zuschauer nicht kleiner. "Wir schaffen es nicht", merkt Glasner an, "den Glauben an uns wiederzufinden."

Neue Offensivwucht durch die Rückkehrer?

Die Mannschaft gerät sichtbar ins Grübeln. Wie gut ist Wolfsburg wirklich? Und was passiert da gerade beim Vorjahressechsten? Grundsätzlich, das hat das Team bereits nachgewiesen, ist ausreichend Qualität vorhanden, um sich aus dieser Situation zu befreien. Es darf zudem nicht vergessen werden: Aktuell fehlen mit Torwart Koen Casteels, Xaver Schlager, Admir Mehmedi und Daniel Ginczek vier potenzielle Stammspieler, die schon bald zurück sein dürften. Gerade an Offensivwucht dürfte das Team mit ihnen zunehmen.

Klar ist dennoch: Der VfL sollte schleunigst die Kurve kriegen, um aufkommende Fragen gar nicht erst zum großen Thema werden zu lassen. War es notwendig, das System einer im Vorjahr im 4-4-2 und 4-3-3 erfolgreichen Mannschaft in der drastischen Form zu verändern, wie Glasner es getan hat? Und warum gelingt es nicht, Jerome Roussillon, einen der besten Spieler der vergangenen Bundesligasaison, in die Spur zu bringen? Der Franzose ist in der neuen 3-4-3-Grundformation, die der Trainer gegen Gent erstmals etwas modifizierte und in ein 3-5-2 veränderte, nur noch ein Schatten seiner selbst. Am Donnerstagabend saß der Linksverteidiger 90 Minuten auf der Bank.

Laut klingende Alarmglocken

Positiv fällt auf, wie die Spieler zumindest öffentlich mit der Situation umgehen, gar nicht erst versuchen, irgendetwas schönzureden. Zugleich sind es laut klingende Alarmglocken, wenn etwa Maximilian Arnold rätselt: "Ich weiß nicht, was momentan in unseren Köpfen vorgeht. Aber wir müssen schnellstmöglich den Schalter umlegen." Renato Steffen meint: "Wenn wir solche Spiele abliefern, wird das sicher nichts." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Thomas Hiete

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