Stuttgart: Die Präsidentschaftskandidaten Vogt und Riethmüller stellen sich vor

"Der Sport muss im Vordergrund stehen, nicht das Geld"

Vereinsbeirats-Chef Wolf-Dietrich Erhard (Mi.) mit den beiden Kandidaten Claus Vogt (li.) und Christian Riethmüller.

Vereinsbeirats-Chef Wolf-Dietrich Erhard (Mi.) mit den beiden Kandidaten Claus Vogt (li.) und Christian Riethmüller. vfb

Der Wahlkampf um das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart ist 38 Tage vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung eröffnet. Die Anhänger des Zweitligisten haben am 15. Dezember die Wahl zwischen Riethmüller (44/Chef des Buchhändlers Osiander) und Vogt (50/Unternehmer und Mitbegründer des FC Playfair).

Seit Klubboss Gerhard Mayer-Vorfelder, der 1975 das Ruder übernahm und bis 2000 den Traditionsklub führte, war kein VfB-Präsident jünger als die beiden Kandidaten für die Nachfolge des im Juli zurückgetretenen Wolfgang Dietrich.

Ich hatte das Gefühl, dass eine sehr große Distanz zwischen den Gremien und uns Mitgliedern geherrscht hat.

Christian Riethmüller

"Der Auslöser für meine Bewerbung waren die vielen Reaktionen, die ich auf meine energische Rede auf der Mitgliederversammlung im Juli bekommen habe", erklärt Riethmüller mit Blick auf das turbulente Mitgliedertreffen, das schlussendlich wegen WLAN-Problemen abgebrochen werden musste. Damals hatte der Buchhändler aus Tübingen scharf die Vereinsführung attackiert: "Ich hatte das Gefühl, dass eine sehr große Distanz zwischen den Gremien und uns Mitgliedern geherrscht hat." Das soll sich im Fall seiner Wahl im Dezember ändern: "Der VfB muss für viel mehr Fans und Mitglieder wieder eine echte Heimat sein. Wir brauchen ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl." Mit ihm an der Spitze würde man definitiv keinen "Grüß-Gott-Onkel" bekommen.

Ich versuche kein Besserwisser zu sein, sondern ein Bessermacher.

Claus Vogt

Auch der Böblinger Unternehmer und Fan-Aktivsten Vogt will den Verein wieder nach vorne bringen: "Ich versuche kein Besserwisser zu sein, sondern ein Bessermacher", so der 50-Jährige. "Das möchte ich in meinem privaten Umfeld so machen, in meinem Unternehmen - und mit genauso viel Leidenschaft und Herzblut auch für den VfB."

Einen Interessenkonflikt zwischen seinem Engagement beim kommerzkritischen "FC Playfair" und dem Präsidentenamt, das verbunden ist mit dem Aufsichtsrats-Vorsitz in der VfB AG, sieht Vogt nicht: "Profifußball braucht ein Fundament - und das ist die Finanzierung. Ich bin nicht gegen Kommerzialisierung. Was man allerdings kritisch sehen muss, ist die Überkommerzialisierung. Der Sport muss im Vordergrund stehen, nicht das Geld."

Das Casting begann am 15. September

Insgesamt waren beim schwäbischen Traditionsklub bis zum 15. September zwölf Bewerbungen für den vakanten Chefposten eingegangen. Unter anderem hatten sich Guido Buchwald (VfB-Ehrenspielführer), Matthias Klopfer (Oberbürgermeister von Schorndorf), Susanne Schosser (ehemalige Programmdirektorin von Super RTL) und Martin Bizer (ehemaliger Vizepräsident des Schwäbischen Turnerbundes) beworben.

Ende Oktober war eine Shortlist mit vier Namen (Riethmüller, Vogt, Bizer und Schosser) veröffentlicht worden. Jetzt, rund einen Monat vor der Mitgliederversammlung, wurden Vogt und Riethmüller offiziell nominiert. "Wir halten sie für die geeignetsten Kandidaten", sagte Wolf-Dietrich Erhard, der Vorsitzende des Klubbeirats. Eine Einflussnahme des Aufsichtsrates, wie Guido Buchwald nach seiner Ausbootung vor ein paar Wochen noch kritisiert hatte, habe es nicht gegeben. Erhard: "Wir haben die Entscheidung autark getroffen."

Danny Galm

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