Hertha BSC: In Sondertrikots gegen RB Leipzig - Skjelbred zurück im Training

Mit dem Bären auf der Brust gegen den Blues

Ante Covic ist Trainer von Hertha BSC.

Will am 30. Jahrestag des Mauerfalls eine stark verbesserte Mannschaft sehen: Hertha-Trainer Ante Covic. imago images

Die DFL hatte Herthas Wunsch entsprochen, am 9. November ein Heimspiel austragen zu dürfen. Berlins Mannschaft wird in werbefreien Sondertrikots auflaufen, die einen Bären zeigen und angelehnt sind an jene Trikots, die vor 30 Jahren im ersten Spiel nach dem Mauerfall getragen wurden. Seinerzeit empfing Hertha BSC am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Mauerfall, zum Spitzenspiel der 2. Liga Wattenscheid 09 und spielte 1:1. Die Tore erzielten Sven Kretschmer und Jörg Bach. Für DDR-Bürger stellte der Klub damals kurzerhand 10.000 Freikarten zur Verfügung, unzählige Trabant- und Wartburg-Kolonnen rollten über den Kaiserdamm und die Heerstraße ins noch 48 Stunden zuvor unerreichbare Olympiastadion im Westteil der Stadt. 44.174 Zuschauer wurden offiziell vermeldet, tatsächlich sollen es 60.000 auf den Rängen des Olympiastadions gewesen sein.

Etliche Akteure beider Mannschaften werden Herthas Einladung für den Samstag folgen, sie sollen vor dem Spiel auf dem Rasen die Mauer nochmals symbolisch einreißen. Vor dem Stadion, auf der Ostwiese, kann in einem Rondell die Mauer-Historie nachvollzogen werden. Dort werden drei mit Hertha-Fahne verzierte Original-Stücke der Berliner Mauer stehen, die der Klub erworben hat und die von der aktiven Fan-Szene gestaltet wurden. In der Ostkurve und im Innenraum soll es vor Spielbeginn Choreographien geben, die an das geschichtsträchtige Datum erinnern.

Ich finde es bemerkenswert, dass diese Mauer gefallen ist, ohne einen Tropfen Blut vergießen zu müssen.

Hertha-Trainer Ante Covic

Auch bei Ante Covic (44) und Michael Preetz (52) weckt der Tag des Mauerfalls viele Erinnerungen. "Ich habe zu der Zeit in Kroatien gelebt. Meine Eltern, die schon in Berlin gearbeitet haben, waren zu Besuch", erzählte Hertha-Coach Covic am Donnerstag im Rahmen der Spieltagspressekonferenz. "Als sie die Nachricht erfuhren, sind sie in Freudentränen ausgebrochen. Ich finde es bemerkenswert, dass diese Mauer gefallen ist, ohne einen Tropfen Blut vergießen zu müssen. Es ist schön, dass wir eine Stadt sind - ohne mit der U-Bahn an manchen Stationen langsam vorbeifahren zu müssen und Maschinengewehre sehen zu müssen."

Preetz, seit 1996 in Berlin, war zu Zeiten des Mauerfalls Profi bei Fortuna Düsseldorf. "Wir haben uns am 9. November auf unser Pokalspiel in Pforzheim vorbereitet und das Geschehen auf einem sehr kleinen Fernseher verfolgt, den man noch händisch umschalten musste", berichtete der Rheinländer, der nach dem Ende der Profi-Karriere 2003 ins Hertha-Management gewechselt und 2009 auf Dieter Hoeneß als Verantwortlicher gefolgt war. "Ich habe diesen historischen Moment aus einiger Entfernung miterlebt. Da wurde etwas geschaffen, was es so vorher in der Geschichte noch nicht gab. Dass es auf friedlichem Weg gelungen ist, diese Stadt wieder zu vereinen, war ein großartiges Ereignis - für Europa, für Deutschland und ganz besonders für die Bürger dieser Stadt."

Für Preetz ist die Favoritenrolle "geklärt"

Der Rahmen am Samstag wird also stimmungsvoll sein. Jetzt muss Hertha den Tag nur noch mit der entsprechenden Leistung auf dem Platz abrunden. Nach dem verpatzten Derby sind die Erwartungen klar. "Wir treffen auf eine sehr, sehr gute Mannschaft. Aber wir sind allesamt gewillt, den mutlosen Auftritt in Köpenick vergessen zu machen und ein anderes Gesicht zu zeigen", sagte Covic. "Leipzig kommt mit sehr hoher Geschwindigkeit. Das ist mit das Beste, was die Liga im Moment zu bieten hat. Da brauchen wir hohe Laufbereitschaft, hohe Konzentration und vor allem Mut, um den Gegner vor Aufgaben zu stellen, die er nicht so einfach löst."

Spieler von Hertha BSC zeigen sich nach dem jüngsten 0:1 bei Union Berlin enttäuscht.

Nach dem 0:1 bei Stadtrivale Union Berlin gefordert: Spieler von Hertha BSC. imago images

Die bisherige Heimspiel-Bilanz gegen RB (1:4, 2:6, 0:3) ist desaströs, beim bisher letzten Aufeinandertreffen - dem 0:5 in Leipzig Ende März - zerfiel das damals noch von Pal Dardai trainierte Team in seine Einzelteile. Trotz dieser Vorzeichen soll die Partie am Samstag zum Schritt nach vorn werden für die sportlich zum zweiten Mal in dieser Saison ins Trudeln gekommenen Blau-Weißen. "Die Favoritenrolle ist geklärt", sagte Preetz. "Aber im Kern geht es darum, dass wir zeigen, dass der letzte Samstag ein Ausrutscher war und dass wir nicht nochmal so auftreten. Es gibt an jedem Wochenende Überraschungen. Wir sind aufgefordert, alles zu investieren, dass wir diese Überraschung schaffen können."

Personell kann Covic bis auf Arne Maier (Innenbandriss im Knie) und Sidney Friede (Mittelfußprellung) auf den kompletten Kader zurückgreifen - und hat vor allem im defensiven Mittelfeld die Qual der Wahl. Per Skjelbred, gegen Union wegen Oberschenkelproblemen zur Pause ausgetauscht, konnte am Donnerstag erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren. Der Norweger, seit Jahren Herthas bester Balleroberer, steht zur Verfügung, falls es am Freitag im Abschlusstraining keinen Rückschlag gibt.

Löwen gesteht: "Es war ein schwieriger Anfang für mich"

Mit Vladimir Darida, der im Derby wegen seiner Gelb-Roten Karte aus dem Hoffenheim-Spiel fehlte, kehrt der bislang formstärkste Mittelfeldspieler ins Team zurück. Und Eduard Löwen, der gegen Union zur zweiten Halbzeit Skjelbred ersetzte, hinterließ Eindruck. Covic sagte am Donnerstag über den aus Nürnberg gekommenen Sommerneuzugang: "Die Minuten, die er bekommen hat, hat er zu 100 Prozent genutzt. Edu hat eine Visitenkarte abgegeben, er ist für mehr bereit. Es wird an uns liegen, die Balance im Zentrum zu finden."

Löwen selbst hofft auf seine Beförderung in die Startelf, am Mittwoch hatte der frühere FCN-Profi in einem kicker-Interview gesagt: "Es war ein schwieriger Anfang für mich bei Hertha, ich habe mir deutlich mehr erhofft. Ich hoffe, dass es jetzt so richtig los geht für mich." Darida in der Form des ersten Saisondrittels gesetzt, Skjelbred mutmaßlich wieder fit, Löwen gegen Union bester Hertha-Feldspieler - es könnte allmählich eng werden für den bisher unantastbaren Marko Grujic...

Steffen Rohr

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