Ein erfolgreicher Auftakt mit Optimierungsbedarf

Flicks Aufgabe: Mehr Kreativität, bessere Standards

Es bleibt viel Arbeit: Bayern Münchens Interimscoach Hans-Dieter Flick.

Es bleibt viel Arbeit: Bayern Münchens Interimscoach Hans-Dieter Flick. imago images

Schon unmittelbar nach dem Abpfiff gegen die Griechen begann die Mannschaft mit der Regeneration, berichtete Flick in der Pressekonferenz. Das Ziel: Einen Tag Zeit gewinnen. Am Donnerstag stand daher statt des üblichen Reservistentrainings eine taktische Einheit mit der kompletten Mannschaft auf dem Arbeitsplan. Um gegen Dortmund erfolgreich zu sein, bedarf es einer weiteren Steigerung. Im Fokus stehen dabei...

... die Viererabwehrkette: Benjamin Pavard rechts, David Alaba halblinks innen und Alphonso Davies links gehörten ihr schon in Niko Kovacs letztem Spiel beim 1:5 in Frankfurt an, Flick brachte nur Javi Martinez für den gegen Dortmund rotgesperrten Jerome Boateng. Ohne ihn sowie die verletzten Niklas Süle und Lucas Hernandez ist diese Besetzung quasi alternativlos, zumal Joshua Kimmich im Mittelfeld agieren soll. Gegen Piräus glückte nach acht vergeblichen Anläufen endlich wieder ein "zu Null", die Verteidiger machten ihre Sache ordentlich, werden gegen den BVB aber vermutlich wesentlich mehr gefordert werden. Davies und Alaba bringen das dafür nötige Tempo mit, Martinez die Routine. Fragezeichen bleiben dennoch.

... das Mittelfeld: Flick entschied sich bei seiner Premiere für einen Sechser (Kimmich) und zwei Achter (Leon Goretzka, Thomas Müller). Das roch in Abwesenheit der Bankdrücker Thiago und Philippe Coutinho mehr nach Arbeit als nach Kunst, war aber am Mittwochabend das richtige Mittel. Gegen den BVB braucht es mehr Tempo, mehr Passschärfe, mehr Kreativität, egal in welcher personellen Besetzung. Immerhin: Im Umschaltspiel nach hinten arbeiteten alle gut mit.

... der Angriff: Die mangelnde Effizienz sprach Flick nach dem Sieg ebenfalls an. 14 Chancen und nur zwei Tore sind zu wenig. Robert Lewandowski traf natürlich wieder, dazu Joker Ivan Perisic. Auf Dauer müssen aber mehr Spieler Torgefährlichkeit einbringen. Müller wartet in der Bundesliga seit 1143 Minuten auf einen Treffer und ist nur 14 Minuten von seinem Negativrekord aus der Saison 2011/12 entfernt. Serge Gnabry blieb auch gegen Piräus blass, Kingsley Coman zeigte zumindest als Vorbereiter aufsteigende Tendenz.

... Standards: Beim 5:0 im Frühjahr knackten die Münchner ihren Dauerrivalen auch über ruhende Bälle. Ein nach wie vor probates Mittel, mit Pavard, Martinez, Lewandowski und Goretzka gibt es genügend kopfallstarke Zielspieler. Gegen Piräus brachten 14, meist von Kimmich getretene Eckbälle wenig Gefahr, das muss besser werden. Thiago und Coutinho könnten dies an guten Tagen, doch dem Duo droht erneut die Ersatzbank.

Fazit: Macht es Klick bei den Spielern, sind sie jederzeit in der Lage, Dortmund zu Hause zu schlagen. Die Zweifel darüber hat der 2:0-Auftakt gegen Piräus jedoch nicht beseitigen können.

Frank Linkesch

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