Guardiolas neue Sorgen vor dem Liverpool-Gipfel

Fans feiern Walker: Traumstatistiken für ManCitys Hobbytorwart

Gleich mal zu null gespielt: Pep Guardiola gratuliert Kyle Walker.

Gleich mal zu null gespielt: Pep Guardiola gratuliert Kyle Walker. Getty Images

Angelino, Eric Garcia, John Stones, Thomas Doyle oder Kyle Walker - einer dieser Fünf musste ins Tor. Das Problem: Angelino, Doyle und Walker messen nicht einmal 1,80 Meter, Garcia ist wie Doyle 18 Jahre jung, und Torwart ist von allen keiner. Wen sollte Pep Guardiola aufs Feld schicken?

Es lief die 81. Minute bei Manchester Citys Champions-League-Gastspiel bei Atalanta Bergamo, als Keeper Claudio Bravo für eine Notbremse Rot sah. Und weil der Chilene zur zweiten Hälfte für den angeschlagenen Stammkeeper Ederson ins Spiel gekommen war, musste ihn jetzt ein Feldspieler ersetzen.

"Unser Torwarttrainer hat ihn empfohlen, weil er schnell und mutig ist"

Nach langer Beratung wechselte Pep Guardiola in der 88. Minute schließlich den gelernten Rechtsverteidiger Walker ein, 1,78 Meter groß und 29 Jahre alt. "Xavi Mancisidor, unser Torwarttrainer, hat ihn empfohlen, weil er schnell und mutig ist", verriet ManCitys Trainer hinterher.

Der Tipp war nicht schlecht: Es stand 1:1, als sich Walker die Torwarthandschuhe überstreifte, und 1:1, als er sie wieder auszog. Dazwischen hatte er unvergessliche rund zehn Minuten erlebt.

Walker pariert mehr Bälle als Bravo - und rettet Englands Ruf

Im Nachfassen parierte er gleich mit seiner ersten Aktion einen abgefälschten Freistoß und scherzte später: "Manchmal ziehe ich unsere Keeper im Training auf, wenn sie einen Ball nicht festhalten, aber wie ich heute erfahren habe, braucht man manchmal zwei Versuche."

Für Traumstatistiken genügte schon diese Parade, die seine letzte bleiben sollte: Walker hielt in diesem Spiel tatsächlich mehr Bälle als Bravo. Und: Es war die erste Parade eines englischen Torwarts in der Champions League seit 2016! Damals hatte Ben Hamer im Tor von Leicester City gegen Porto zugegriffen. Die City-Fans feierten Walker am Mittwochabend als "Englands Nummer 1". Er kann eine 100-prozentige Zu-null-Quote vorweisen.

Guardiola würde Bravo auch in Liverpool vertrauen - doch Edersons Ausfall wäre ein großer Nachteil

Doch lustig ist die Lage für ManCity nicht: Dass der Meister die vorzeitige Qualifikation fürs Achtelfinale verpasste, ist bei noch einem nötigen Punkt aus den zwei abschließenden Gruppenspielen, verschmerzbar; doch was bedeutet das Torwartchaos für das Topspiel in Liverpool am Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de), in das City mit einem Sechs-Punkte-Rückstand geht?

Ederson hat laut Guardiola ein "muskuläres Problem" im Oberschenkelbereich, "nichts Großes". Trotzdem ist der Einsatz des Brasilianers fraglich. "Er ist stark, und wir werden es versuchen, aber kein Risiko eingehen", so Guardiola. Er vertraue Ersatzmann Bravo, der als erster eingewechselter Torwart in der Champions-League-Geschichte Rot sah, ebenfalls - wie jedem Spieler in seinem Kader.

Doch ein Nachteil für die ohnehin verletzungsgeplagten Citizens wäre Edersons Ausfall in Anfield allemal. Bravo, 36 Jahre alt und für Guardiola ein "unglaublicher, erfahrener Profi", stand letztmals vor eineinhalb Jahren in Southampton (1:0) bei einem Ligaspiel in der Startelf, als ManCity bereits als Meister feststand. Wie ihm die Spielpraxis fehlt, zeigte schon sein Zuspätkommen gegen Bergamo-Stürmer Josip Ilicic.

jpe

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