Fohlen-Legende Herbert "Hacki" Wimmer wird 75

"Der Pokalsieg 1973 war mein schönster Erfolg"

Jubilar: Herbert

Jubilar: Herbert "Hacki" Wimmer, einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer, wird 75. imago images

Es gibt in Deutschland nicht viele Fußballer, die auf eine Titelsammlung wie Herbert "Hacki" Wimmer zurückblicken können: Weltmeister 1974 und Europameister 1972 mit der deutschen Nationalmannschaft, fünfmal Deutscher Meister, UEFA-Cup- und DFB-Pokal-Sieger mit Borussia Mönchengladbach in den 1970er Jahren, der goldenen Ära der Fohlen. Im kicker-Interview erzählt der frühere Mittelfeldspieler (366 Bundesligaspiele, 51 Tore), warum für ihn ein Titelgewinn besonders hervorsticht.

kicker: Herr Wimmer, wartet zum 75. Geburtstag eine große Party auf Sie?

Wimmer: Alles halb so wild. Der Samstag wird vorwiegend der Familie gehören. Vielleicht schauen sonntags noch ein paar Freunde und Bekannte rein. Es könnte also eng werden mit einem Stadionbesuch fürs Spiel gegen Werder Bremen.

kicker: Sie besuchen regelmäßig Borussias Heimspiele. Seit wann ist die Beziehung zum Verein wieder enger?

Wimmer: Seit der Klub 2004 in den Borussia-Park umgezogen ist. Davor war ich bestimmt zehn Jahre lang nicht im Stadion. Herbert Laumen und Elmar Kreuels machen von Vereinsseite aus viel in Sachen Traditionspflege und kümmern sich um die "Alt-Borussen". So trifft man an den Spieltagen immer ein paar frühere Weggefährten und Spieler aus den Generationen nach uns. Das macht unheimlich Spaß.

"Durch Spieler wie Netzer, Heynckes oder Vogts bin ich groß geworden"

kicker: Günter Netzers "Wasserträger", der "Edelhelfer" des Genies - hat Sie dieses Image nie gestört?

Wimmer: Ach, Günter war mein Freund, ich bin gerne für ihn gelaufen. Außerdem hatte sich das mit dem Wasserträger gelegt, als der Günter 1973 zu Real Madrid gewechselt ist und wir auch danach weiter Titel eingefahren haben. Und ich muss klar sagen: Durch Spieler wie Netzer, Jupp Heynckes oder Berti Vogts bin ich groß geworden. Sie waren entscheidend für meine Entwicklung und Karriere.

kicker: Woher kam Ihre enorme Laufstärke?

Wimmer: Dieses Talent wurde mir in die Wiege gelegt. Dafür sah es beim Thema Gymnastik richtig schlecht aus, das war überhaupt nicht mein Fall.

kicker: Es gibt verschiedene Erzählungen, wie Sie zum Spitznamen "Hacki" kamen. Welche ist richtig?

Wimmer: Unser Ersatztorhüter Manfred Orzessek hat immer "Hacki" reingerufen, wenn ich mal wieder meine Haken geschlagen habe. Ich war ja zunächst Rechtsaußen und bin immer an unser Bank vorbeigeflitzt. Erst später wurde ich als Mittelfeldspieler eingesetzt. Dieser Wechsel war ein Glücksfall für mich, er hat mir diese Karriere ermöglicht.

kicker: An welchen Ihrer vielen Titel denken Sie besonders gerne zurück?

Wimmer: Der DFB-Pokal-Sieg 1973 war mein schönster Erfolg.

kicker: Das überrascht, wenn in der Vita auch Welt- und Europameister oder fünfmal Deutscher Meister steht.

Wimmer: Ich zitterte, ob ich es bis zum Finale überhaupt schaffe, fit zu werden. Ich war vorher zwei Wochen lang verletzt, eine Zerrung. Und dann sagte mir Berti Vogts noch, dass ich die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen darf. Das war eine große Ehre. Tja, als sich Günter dann eingewechselt und das Siegtor erzielt hat, waren das schon unglaubliche Emotionen.

Finaltorschütze im DFB-Pokal und im EM-Finale

kicker: Nicht zu vergessen: Sie schossen im Finale auch das Führungstor.

Wimmer: Ja, ein unerwarteter Moment. Ich war schließlich nicht gerade für meine vielen Tore bekannt. An diesem Tag passte alles zusammen.

"Hacki" Wimmer - Netzers Wasserträger wird 75

kicker: Sie waren vielleicht kein Torjäger, trafen aber auch im EM-Endspiel 1972 beim 3:0 gegen die Sowjetunion.

Wimmer: Der Ball schien haltbar... (lacht)

kicker: Sie galten immer als extrem bodenständig und bescheiden. Passt dazu, dass Sie Ihre Heimat Aachen-Brand nie verlassen haben?

Wimmer: Ich sah nie einen Grund, meiner Heimat den Rücken zu kehren. Man muss sich doch wohlfühlen. Mein Vater besaß einen Tabakwaren-Großhandel, in dem ich ein bisschen mithalf, und ich konnte Gladbach mit dem Auto gut erreichen. Zwölf Jahre lang bin ich gependelt, immer über die Landstraße, und erst als ich aufgehört habe und zurück zu meinem Heimatklub Borussia Brand bin, war die Autobahn endlich fertig. Auch nach den Spielen bin ich zügig nach Hause. Mit ein bisschen Glück schaffte ich es bis zur Sportschau und konnte mir unser Spiel noch mal anschauen.

kicker: Während sich einige Mitspieler auf einen Abend in Netzers Disko "Lovers' Lane" vorbereitet haben dürften.

Wimmer: Im "Lovers' Lane" war ich kein einziges Mal.

Interview: Jan Lustig