Juventus gewinnt mit tollem Tor bei Lokomotive Moskau

CR7: Ausgewechselt, mürrisch und "aktuell nicht in guter Verfassung"

Cristiano Ronaldo ist Spieler und Maurizio Sarri Trainer von Juventus.

Meinungsverschiedenheit? Juve-Coach Maurizio Sarri hat Cristiano Ronaldo in der Schlussphase ausgewechselt. imago images

Viele Juventini mögen sich sicherlich gewundert haben, als Cristiano Ronaldo am Dienstagabend in der 81. Minute in Richtung Seitenauslinie lief und tatsächlich das Feld für Joker Paulo Dybala verließ. Offenkundig überraschte die Auswechslung auch den fünfmaligen Champions-League-Sieger und Rekordtorjäger der Königsklasse (127 Treffer) auch selbst. Der Superstar ging leicht mürrisch vom Feld, schritt an Sarri ohne großen Augenkontakt vorbei, redete kurz mit diesem beim Vorbeilaufen und nahm schließlich sichtlich verdutzt auf der Bank neben Turins Torwartlegende Gianluigi Buffon Platz.

Die Bilder passten zu einem eher überschaubaren Auftritt des Europameisters von 2016 und Nations-League-Siegers, der übrigens damit gestartet war, dass ein direkt aufs Tor gezogener CR7-Freistoß glücklich an Lokomotive-Schlussmann Guilherme langsam über die Linie rutschte und dort noch von Mitspieler Aaron Ramsey endgültig eingeschossen wurde. Ein klassischer Tor-Klau des Walisers - und damit nicht CL-Treffer Nummer 128 oder Karriere-Tor Nummer 703 für den Portugiesen mit der Rückennummer 7.

Erste direkt nach seiner Herunternahme sprießende Spekulationen, CR7 hätte sich verletzt und selbst die Auswechslung eingeleitet, bewahrheiteten sich außerdem nicht. Mit einer Blessur hatte das Ganze aber trotzdem zu tun, wie sich kurz nach Spielschluss herausstellen sollte.

Gegenüber "Sky Sport Italia", wo Sarri natürlich von Sekunde eins an besonders Fragen bezüglich Cristiano Ronaldo zu beantworten hatte, klärte der Trainer im Anschluss des Spiels auf und sagte: "Ronaldo ist aktuell nicht wirklich in guter Verfassung, er schlägt sich seit einigen Tagen mit einem lädierten Knie herum. Um das zu kompensieren, belastet er deswegen den Adduktor stärker. Und dieser war schon zur Halbzeit gereizt, bereitete ihm Probleme. Bei einem Sprint machte er dann im zweiten Abschnitt eine Bewegung, die mir nicht gefiel. Ich hatte Angst, dass er sich wirklich verletzen könnte - und entschied, dass es am besten ist, ihn auszuwechseln."

Douglas Costa freut sich ausgiebig

Ob Cristiano Ronaldo nun eine Pause benötigt oder eventuell für einen bestimmten Zeitraum komplett aussetzen könnte, darüber ist Stand jetzt nichts bekannt. Klar ist aber, dass Sarri und CR7 letztlich von der Seitenlinie aus sahen, wie in der Nachspielzeit ein erfolgreicher Angriff im Moskauer Dauerregen doch noch den Sieg und damit das Achtelfinal-Ticket der Königsklasse einbrachte - für eine Alte Dame, die an diesem Abend auf Sparflamme kochte (Sarri: "Das war sicher nicht die beste Performance").

Über Miralem Pjanic und Alex Sandro landete die Kugel links außen beim ebenfalls eingewechselten Joker Douglas Costa, der direkt mehrere Gegenspieler vernaschte, einen eleganten Doppelpass mit Gonzalo Higuain spielte, nach letztlich sieben umkurvten Moskauer Kontrahenten frei vor Lokomotive-Keeper Guilherme auftauchte und diesen auch noch frech tunnelte.

Der Brasilianer rannte direkt nach seinem erzielten Siegtreffer einfach weiter, zog sich das Trikot aus, feierte ausgiebig mit Dybala und weiteren Kollegen - und freute sich wenig später vor den Mikrofonen ausgiebig: "Das ist eines meiner wichtigsten Tore im Juventus-Trikot. Ich bin glücklich, noch aufs Feld gekommen zu sein und dem Team direkt geholfen zu haben." Und das in ungewöhnlicher Position für den eigentlichen Flügelangreifer: "Ich habe als Spielmacher einige Male vor fünf oder sechs Jahren gespielt, nun musste ich das wiederholen und erneut in diese Rolle schlüpfen." Das ist dem früheren Münchner, der immer wieder mit Blessuren zu kämpfen hat, gut gelungen.

mag

Bilder zur Partie Lokomotive Moskau - Juventus Turin