Hertha: Der Neuzugang greift nach schwierigem Start an

Löwen: "Ich hoffe, dass es jetzt so richtig los geht"

Vedad Ibisevic und Eduard Löwen

Eduard Löwen (re.) zeigte eine couragierte Partie bei Union Berlin. Hier mit seinem Kapitän Vedad Ibisevic (li.) imago images

Das Lob des Vorgesetzten kam prompt. "Edu hat mir sehr gut gefallen", sagte Coach Covic. "Er hatte einen mutigen, unbekümmerten Auftritt. Er hat permanent versucht, die Fäden in die Hand zu nehmen." Es war eine Bewerbung für mehr Einsatzminuten vom Mittelfeldspieler, den Hertha im Sommer für eine Ablöse von 7 Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg geholt hatte. Bei seinem neuen Klub kam der Deutsch-Russe, dessen Eltern 1995 nach Deutschland auswanderten und der im Sommer mit der U-21-Auswahl des DFB Vize-Europameister wurde, vor dem Derby-Wochenende noch nicht recht in Schwung. Im kicker spricht Löwen jetzt über…

...die Niederlage gegen Union: "Wir müssen sie abschütteln, auch wenn sie nicht nur unseren Fans, sondern auch uns immer noch weh tut. Wir haben das Derby verloren, das ist richtig beschissen. Die Spannung, die dieses Spiel überlagert hat, hat vielleicht ein paar bei uns gehemmt. Wir haben alle vorher mitbekommen, wie hoch die Fans dieses Spiel hängen. Das hat dazu geführt, dass anscheinend der eine oder andere Angst hatte, Fehler zu machen. Die Folge waren viele lange Bälle - das war sicher keine gute Lösung."

...die Stimmung in dieser Woche: "Wir dürfen jetzt nicht alles negativ sehen und in ein Loch fallen. Das müssen wir verhindern. Wenn wir positiv bleiben und zusammenhalten, gelingt uns auch wieder ein Schritt nach vorn."

...die Lehren aus dem Derby: "Wir brauchen eine andere Einstellung und eine hohe Laufintensität. Wir müssen gegen Leipzig mutiger auftreten, selbstbewusst sein und die Zweikämpfe annehmen."

...den kommenden Gegner RB Leipzig: "Das ist eine starke Mannschaft, die aktuell sehr gut in Form ist. Es muss alles passen, um diesen Gegner zu schlagen."

...das Rezept gegen Leipzigs Umschaltspiel: "Wir müssen Fehler vermeiden, ihre Konter unterbinden und dürfen ihnen nicht ins offene Messer laufen. Das war letzte Saison mit Nürnberg (0:6 in Leipzig im Oktober 2018, d. Red.) unser Problem. Da haben wir ständig versucht, im Zentrum klein-klein zu spielen. Dann ging es immer ruckzuck, und das Ding war drin."

...seine Leistung gegen Union: "Ich habe fürs Team gespielt, aber man selber setzt sich auch Ziele. Man will etwas beweisen und zeigen, dass man in die Startelf möchte. Ich bin ein sehr selbstkritischer Typ, aber am Samstag war ich mit mir schon zufrieden. Ich habe ein gutes Spiel gemacht, aber schon auch gemerkt, dass mir Spielpraxis fehlt."

Robert Andrich und Eduard Löwen

Eduard Löwen (re.) im Zweikampf mit Ex-Herthaner Robert Andrich (li.). imago images

...seine bisherige Saison: "Es war ein schwieriger Anfang. Ich habe mir deutlich mehr erhofft. Aber es liegt dann nicht immer in der eigenen Hand. Ich habe, seit ich in Berlin bin, sehr hart gearbeitet, war zwischenzeitlich aber auch einige Wochen verletzt. Ich hoffe, dass der Trainer jetzt vielleicht noch mehr auf mich baut. Ich hoffe, dass es jetzt so richtig los geht für mich. Ich will und werde mich durchsetzen."

...die Geduld als Reservist: "Ich bin sehr ehrgeizig. Es ist für den Kopf sehr schwer, wenn man im Training alles gibt und dann vor allem auf der Bank sitzt. Aber ohne Geduld geht es nicht. Man muss immer dranbleiben. Gerade in solchen schwierigen Phasen hilft mir aber auch mein Glaube."

...den Konkurrenzkampf: "Der ist gerade auf meiner Position sehr groß. Vladi Darida (nach Gelb-Rot-Sperre, d. Red.) kommt am Samstag zurück, Per Skjelbred (nach Oberschenkelverletzung, d. Red.) soll am Donnerstag wieder mit der Mannschaft trainieren und wird voraussichtlich auch fit. Marko Grujic ist da, Ondrej Duda auch. Der Trainer hat eine große Auswahl."

...sich als Spielertyp: "Ich bin jemand, der gern den Ball hat - und ungern dem Ball hinterherläuft. Wenn es sein muss, gehe ich auch beherzt in die Zweikämpfe, aber am liebsten habe ich den Ball am Fuß."

...Herthas wahre Stärke: "Die Antwort darauf wird sich noch zeigen, die Saison ist immer noch relativ jung. Wir hatten früh in der Saison eine kleine Krisenphase, die haben wir überwunden und dann dreimal gewonnen. Jetzt - nach dem verpatzten Derby - müssen wir zeigen, wie stabil wir wirklich sind. In guten Zeiten ist es immer leicht, ein Team zu sein. Du musst es dann sein, wenn es mal nicht so läuft. Generell: Wir haben viel Qualität im Kader. Ich hoffe, dass wir mehr Konstanz reinbringen."

...Herthas taktische Ausrichtung: "Ich finde, es ist besser, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen. Unsere besten Spiele waren die, in denen wir den Ball hatten und versucht haben, das Spiel selbst zu gestalten. Da sollten wir weitermachen. Dazu gehört Mut."

...das Werben des russischen Verbandes: "Vor der WM 2018 hat mich der Verband kontaktiert und wollte mich für die Heim-WM gewinnen. Da habe ich abgesagt, seitdem ist Ruhe. Und ganz ehrlich: Ich kann mir momentan nicht vorstellen, in Zukunft irgendwann für Russland zu spielen. Meine Entscheidung für den DFB habe ich schon vor einiger Zeit getroffen - unabhängig davon, ob die deutsche A-Nationalmannschaft für mich irgendwann mal ein Thema wird oder nicht."

Steffen Rohr