Freiburg ist anfällig auf den Außenbahnen

Schmid, Günter und die Gegentore

Christian Günter (l.) und Jonathan Schmid müssen sich defensiv steigern

Sie waren in der jüngeren Vergangenheit defensiv zu anfällig: Freiburgs Außenverteidiger Christian Günter (l.) und Jonathan Schmid. imago images

Ohne Zweifel, Schmids Rückkehr nach Freiburg im Sommer ist als gelungener Transfer einzuordnen. Der Franzose startete in jedem der zwölf Pflichtspiele auf der rechten defensiven Außenbahn und bringt vor allem im 3-4-3 seine offensiven Stärken gewinnbringend ein (zwei Tore und ein Assist in der Liga). Wucht im Vorwärtsgang bringt auch Günter mit, sein Pendant auf der anderen Seite. Das Freiburger Eigengewächs erlebt derzeit wohl seine beste Phase. Der Linksfüßer kommt auf ein Tor und vier Vorlagen in zehn Ligaeinsätzen und ist mit einem kicker-Notenschnitt von 3,15 der derzeit beste Feldspieler unter den SC-Stammkräften.

Eine erfreuliche Zwischenbilanz - wenn nur die jüngste defensive Anfälligkeit des Duos nicht wäre. In den letzten drei Pflichtspielen - 2:1 gegen Leipzig, 1:3 gegen Union im Pokal, 2:2 in Bremen - kassierte der SC sechs Gegentore, an fünf davon war mindestens einer der beiden beteiligt.

Der späte Leipziger Anschlusstreffer durch Lukas Klostermann gefährdete zwar den fünften Freiburger Saisonsieg nicht mehr, zuvor hatte aber Günter das entscheidende Kopfballduell gegen Matheus Cunha nach einem Eckball verloren. Gleiches passierte dem 26-Jährigen nun beim zweiten Bremer Tor, als er im Luftzweikampf mit Torschütze Theodor Gebre Selassie deutlich den Kürzeren zog. Diesen Lapsus machte der Co-Kapitän mit der Vorlage zum späten Ausgleichstreffer wett. Doch schon beim 2:2 gegen Dortmund hatte Günter seine erneut starke Offensivleistung geschmälert, weil er sich vor dem zweiten BVB-Tor anfängerhaft von Torschütze Achraf Hakimi verladen ließ.

Noch ärgerlicher fällt Schmids jüngste Bilanz aus

Noch ärgerlicher fällt Schmids jüngste Bilanz aus, die vor allem von seiner Leistung beim Pokal-Aus eingetrübt ist. Vor dem 0:1 hatte er die beste Position, um noch am ehesten den sträflich frei einlaufenden Joshua Mees am Kopfball hindern zu können, blieb aber zu passiv. Das vorentscheidende 1:2 kurz vor Schluss leitete der 29-Jährige mit einem fatalen Ballverlust ein. In Bremen hatte der offensiv teilweise belebende Schmid seinen Anteil an beiden Gegentreffern. Vor dem ersten verlor er nach ungeschickter Zweikampfführung im Zentrum das entscheidende Duell mit Yuya Osako, der anschließend Torschütze Milot Rashica steil schickte, wobei auch Schmid-Kollege Philipp Lienhart schlecht aussah. Und vor dem zweiten Tor ließ Schmid Rashica ungehindert auf Gebre Selassie flanken, hob nicht einmal das Bein, um die Hereingabe blocken zu wollen.

Schmid ist unterm Strich offensiv nicht so effektiv wie Günter, wirkte zuletzt ein wenig überspielt. Christian Streich nahm ihn auf Nachfrage jedoch in Schutz, zeigte sich zufrieden mit dem Engagement des 1,79-Meter-Manns. Wohl auch, weil der Trainer weiß, dass ihm zurzeit keine adäquate Alternative zur Verfügung steht. Lukas Kübler, der durch seine defensiven Stärken wohl spätestens jetzt zum Zuge gekommen wäre, verletzte sich tragischerweise kurz nach seinem ansprechenden Saisondebüt gegen Dortmund, nachdem er zuvor lange wegen eines Knöchelbruchs gefehlt hatte. Aktuell absolviert der gelernte Rechtsverteidiger Rehamaßnahmen nach seiner Knie-OP. Links hinten steht zwar nominell das 20 Jahre alte Talent Luca Itter als Back-up bereit, Streich verzichtet verständlicherweise aber nur im Notfall auf den vor allem offensiv konstant wertvollen Günter.

Somit dürfte das Duo Schmid/Günter auch am Sonntag gegen Frankfurt (18 Uhr, LIVE! bei kicker.de) wieder auflaufen - und sollte sich idealerweise im Defensivverhalten steigern.

Carsten Schröter-Lorenz