Kaya Lichtleitner über die Zutaten für einen Titelgewinn

So wird man Pokémon-Weltmeister

Pokémon-Weltmeisterin Kaya Lichtleitner klärt auf über die Zutaten, die es braucht, um die Beste von allen zu werden

Pokémon-Weltmeisterin Kaya Lichtleitner klärt auf über die Zutaten, die es braucht, um die Beste von allen zu werden. Nintendo/kicker eSport

Den Weltmeistertitel hat sich Kaya Lichtleitner Ende August in der Senior Division gesichert. In Deutschland gilt sie schon länger als stärkste Spielerin, aber in Washington warteten die internationalen Kaliber. Große Probleme hatte Lichtleiter mit denen allerdings auch nicht.

"Ich glaube, bei der Weltmeisterschaft kam vieles zusammen", sagt sie über ihren Erfolg im Interview mit uns. "Zum Beispiel, dass ich mich - wie sich im Nachhinein herausgestellt hat - für das richtige Deck entschieden habe."

Der erste Schlüssel zum Erfolg ist also die Deckwahl. Lichtleitner spielt bevorzugt mit Pikarom, einer Zusammenstellung, die um ein Pikachu-Zekrom-Tag-Team aufgebaut wird. Das kam bei der WM aber nicht zum Einsatz. "Ein Trainer wechselt dann vor dem Turnier noch sein Deck, wenn er merkt, dass das Meta, also die Zusammenschau aller Decks, die gespielt werden, für ihn unvorteilhaft ist." Lichtleitner tauschte zu Glurak-Reshiram und entfesselte einen Feuersturm über ihren Gegnern.

Nach der richtigen Deckwahl kommt die Disziplin. Die hat ihr der Bruder beigebracht. "Er war oft wirklich sehr streng. Deshalb versuche ich bei jedem Turnier, mein Bestes zu geben."

Training und Konzentration

Kartenspiele setzen auf gänzliche andere Talente, als die meisten eSport-Titel: Nicht Reaktionsschnelle und Auge-Hand-Koordination stehen im Vordergrund, sondern analytisches Denken, Merkfähigkeit und schnelle Problemlösung. In Partien müssen ständig die eigenen Optionen bedacht oder sogar ausgerechnet und der Gegner sowie seine Aktionen im Blick behalten werden. Der dritte Schlüssel zum Erfolg ist entsprechend Training. "Ich spiele mit meinen Brüdern und auch online", sagt Lichtleitner.

Für Kartenspieler bietet Nintendo auf der Pokémon-Webseite eine digitale Version der Offlinevariante an, bei der sich Trainer mit Gegnern in der ganzen Welt duellieren können. Im Training und bei Wettkämpfen muss laut Lichtleitner besonders eine Sache gewährleistet werden: "Die meisten Sammelkartenspieler achten darauf, dass sie sich konzentrieren können. Man darf sich nicht ablenken lassen, wenn man spielt."

Strenge Brüder legen den Grundstein

Lichtleitner kam schon 2008 mit dem Sammelkartenspiel in Kontakt, da war sie gerade mal ein Jahr alt. "Ich hatte das Glück, dass ich zwei Brüder habe, die vor über zehn Jahren mit dem Kartenspielen angefangen haben, genauer gesagt bei der Deutschen Meisterschaft in Köln." Die Weltmeisterin ist also mit Pokémon-Sammelkarten aufgewachsen, seit sie zurückdenken kann. Ihre Brüder verließen 2014 die kompetitive Szene und Kaya trat auf den Plan. "Als sie aufhörten, wurde mein Interesse geweckt und sie haben es mir beigebracht und unterstützen mich bis heute", sagt sie und freut sich, dass sie nun auch wieder bei ihren Turnieren dabei sind. Für Neulinge hat sie auch einen Tipp. "Ich rate allen, wie ich auf kleinen Turnieren anzufangen und viel zu trainieren."

Denn nur so lernen Spieler unterschiedliche Kombinationen sowie Möglichkeiten kennen und können neue Strategien ersinnen. Das hat sich für Lichtleitner ausgezahlt, sie sagte uns, dass in Washington keiner das Feuer-Deck so gespielt hätte wie sie.

Deutschland könnte noch viele Weltmeister hervorbringen

Deckauswahl, Disziplin, Training und Konzentration sind also die Hauptfaktoren für eine Weltmeisterin. Entschlossenes Handeln kommt ebenso dazu, denn Trainer müssen in den entscheidenden Momenten eine Taktik durchziehen. Um dann wirklich Weltmeister zu werden, gehört bei den Karten aber eine letzte Sache dazu: "Auch habe ich in den entscheidenden Momenten das notwendige Glück gehabt, das gehört dazu."

Kaya Lichtleitner hat außer dem Titel und Pokal ein Stipendium in Höhe von 25.000 US-Dollar gewonnen, dass sie nach der Schule für ein Studium benutzen will. Ihr Stern geht gerade erst auf, allerdings ist sie auch überzeugt: "Ich glaube, dass aus Deutschland schon sehr gute Spieler kommen." Das wäre wohl die letzte Zutat: Ein kompetitives Umfeld. Damit sind hierzulande alle Voraussetzungen gegeben für weitere Weltmeister. Lichtleitner will wieder antreten und in ein paar Jahren dann auch in der Erwachsenen-Division ganz oben mitmischen.

Holm Kräusche

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