Cleveland verliert in Denver und die NFL droht zwei Star-Receivern

Wutanfall und Schuhproblem statt Siegesserie: Browns in der Krise

Quarterback Baker Mayfield, Jarvis Landry und Odell Beckham Junior spielen bei den Cleveland Browns.

Enttäuschende Protagonisten der Cleveland Browns: Quarterback Baker Mayfield, Jarvis Landry und Odell Beckham. imago images

Nach einem enttäuschenden Saisonstart (2:6) traten die Denver Broncos mit Quarterback Brandon Allen (viertes NFL-Jahr) gegen die Cleveland Browns an, weil sich Joe Flacco eine Nackenverletzung zugezogen hatte. Am Ende stand ein 24:19 zu Buche, ein verdienter Sieg dazu. Denn der Gegner erwies sich einmal mehr in dieser Saison nicht fähig, ein sauberes Football-Spiel über die vollen 60 Minuten hinzulegen. Massig Fehler inklusive: Browns-Quarterback Baker Mayfield, der ohnehin nur sieben Touchdowns bei stolzen zwölf Interceptions in dieser Saison vorzuweisen hat, erreichte nur 273 Yards und einen TD im vierten Quarter. 15 von 42 Pässe fanden außerdem keinen Abnehmer.

Überhaupt stieß das Team von Head Coach Freddie Kitchens mehrmals an Grenzen: Bei Third Downs gab es bei 15 Versuchen nur sechs erfolgreiche Plays, bei zwei Fourth Downs gar keines. Das Laufspiel war mit 90 Rushing Yards (3,1 Yards pro Lauf) wenig existent. Und in der Red Zone scheiterte Cleveland bei fünf Vorstößen ganze viermal.

"Wir haben mal wieder nicht die Plays gemacht"

Passend dazu machte im Anschluss auf Social Media ein Zusammenschnitt zweier Bilder von Quarterback Mayfield die Runde. Darin zeigte sich der Spielmacher vor dem Match in Denver strahlend gut gelaunt, ehe er nach der verlorenen Partie mit Mantel auf dem Podium bei der Pressekonferenz müde, ausgelaugt und gar nicht mehr glücklich blickte. Wohlwissend, dass die Broncos mit diesem Sieg den Play-off-Hoffnungen der Browns wohl einen Dolchstoß verpassten - schließlich hat in der Super-Bowl-Ära (seit 1970) nur ein Team die Endrunde nach einem 2:6-Start erreicht (Bengals im Jahre 1970, nach 1:6 noch 8:6 am Ende).

Mayfields Aussage dazu trifft: "Wir haben mal wieder nicht die Plays gemacht, die vorhanden gewesen wären. Wir hatten eigentlich einen guten Plan für das Spiel, doch diesen muss man dann auch durchziehen. Das haben wir nicht geschafft. Jetzt müssen wir einfach weitermachen, uns fokussieren - und dann wird man sehen, wie wir die Saison beenden."

Whitehead-Rausschmiss und Schuh-Fauxpas

Odell Beckham Junior (links) und Jarvis Landry spielen bei den Cleveland Browns.

Exzentrisch neben dem Platz - und in dieser Saison eher wenig auffällig auf dem Feld: Odell Beckham Junior (links) und Jarvis Landry von den Cleveland Browns. imago images

Die Stimmung ist am Boden. Ein Beweis dafür ist sicherlich auch Jermaine Whitehead. Der Safety flippte nach dem Spiel komplett aus und hantierte gegenüber Experten und Fans mit vulgärer Sprache, seine Twitter-Eskapaden mit Worten wie "Scheiß Football" sind inzwischen gelöscht - und die Browns selbst distanzierten sich: "Die Social-Media-Posts von Jermaine Whitehead nach dem heutigen Spiel sind völlig inakzeptabel und unangemessen. Diese Angelegenheit wird intern behandelt." Die Konsequenz ist inzwischen bekannt: Whitehead ist nicht mehr Teil des Teams, er wurde entlassen.

Und dann gibt es da noch die beiden bestens befreundeten Star-Receiver Odell Beckham Junior und Jarvis Landry, die eigentlich eine Art Top-Duo der NFL werden sollten. Die Realität ist aber trist und grau: Landry steht lediglich bei 36 Receptions, 555 Yards und einem Touchdown, während es bei Beckham mit 39 Receptions, 575 Yards und einem Touchdown ebenfalls düster aussieht. Vieles passt hier einfach nicht zusammen - bezeichnend: Beckham ist auch in Denver einige Male trotz Freiraum nicht angeworfen worden.

Ein Schuh-Fauxpas passt dabei wie die Faust aufs Auge: Denn sowohl Landry als auch Beckham haben sich am Sonntag mit nicht erlaubten Schuhwerk ausgestattet - und sind in der Halbzeit von der Liga selbst darauf hingewiesen worden, die Stollenschuhe zu wechseln. Sonst dürften sie nicht spielen. Dinge, die man wissen könnte, wenn nicht wissen müsste... Denn die NFL selbst erlaubt lediglich die Farben Schwarz, Weiß sowie die teameigenen Ausprägungen. Während Landry allerdings in Gold-Orange, was eher zu Denvers Trikot gepasst hätte, aufgelaufen war, hatte sich Beckham mit einer Graffiti-Kombination in Richtung des aktuellen Kinofilms "Joker" auf das Feld getraut.

Beckhams Reihe an Verfehlungen und Beschwerden

Zuletzt musste Beckham bereits 14.037 US-Dollar Strafe zahlen, da seine Hose im Spiel gegen die Seattle Seahawks (28:32) die Knie nicht bedeckt hatte. Zuvor hatte sich der 26-Jährige außerdem unbeliebt gemacht, weil er bei seinem Debüt für die Browns mit einer immens teuren Uhr am Handgelenk aufgelaufen war (keine Strafe). Und allgemein soll sich der exzentrische Wide Receiver über das Offensivspiel der Browns bereits mehrfach beschwert haben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Saison der Cleveland Browns scheint schon jetzt an die Wand gefahren worden zu sein, der "Hype-Train" ausgebremst - und die Play-offs abermals verpasst. Dort hat sich das Team letztmals 2002 gezeigt.

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