Kommentar von kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

Die Trennung von Kovac ist logisch

Niko Kovac

Niko Kovac konnte seine Vorstellung vom Fußball in München nie verdeutlichen. imago images

Es ging nicht mehr. Niko Kovac (48), der am Sonntag noch das Training an der Säbener Straße geleitet hatte, ist nicht mehr Trainer des FC Bayern. Sein eigentlich bis 2021 gültiger Vertrag wurde - wie es offiziell heißt - im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. Für Kovac, der zuletzt spürbar litt, sich dennoch selbst in Frankfurt noch nach dem Spiel als Kämpfer gab, muss diese Vertragsauflösung auch eine Befreiung sein.

Er war nie ein starker Trainer in München gewesen, er hatte nie die komplette Anerkennung und gab sich insgesamt zu brav. Immer wieder wurde er korrigiert, in der Herbstkrise 2018 musste er die Rotation einstellen, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schwächte ihn ausgerechnet nach dem 5:0-Kantersieg gegen Dortmund im Frühjahr mit öffentlichen Aussagen - auch der Trainer müsse beim FC Bayern liefern -, und vor Wochen musste sich Kovac bei Manchester City wegen seiner vergleichsweise harmlosen Äußerungen zu einem Wechsel Leroy Sanés entschuldigen.

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Trainersteckbrief Kovac

Kovac Niko

Bayern München - Vereinsdaten

Gründungsdatum

27.02.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Wo sich Kovac in der vergangenen Saison noch als Sympathieträger und guter Botschafter des Vereins dargestellt hatte, unterliefen ihm jüngst einige unbedachte Äußerungen, zu Thomas Müller (Stichwort Notnagel) oder den Frankfurter Fans, die er als die besten lobte.

Kovacs Vorstellung vom Fußball wurde nie deutlich

Vor allem aber wurde seine Vorstellung von seinem Fußball nie deutlich, die Spieler vermissten detaillierte taktische Anweisungen. Ihre Klagen wurden in den vergangenen Wochen und Tagen immer lauter und konkreter. Eigentlich hatte Kovac die Mannschaft schon in der vergangenen Saison verloren, einzig das Double schönte die wahren Verhältnisse innerhalb des Kaders. Nun waren diese Zustände nicht mehr zu korrigieren.

Die Bayern-Trainer der letzten zehn Jahre

Flick muss vor allem die Atmosphäre verbessern

Nach dem vorzeitigen Ende des Versuchs mit einem jüngeren Trainer soll nun Hansi Flick "bis auf Weiteres" die Mannschaft übernehmen. Flick, Assistent Joachim Löws beim WM-Triumph 2014, denkt den Fußball offensiver, taktisch konkreter. Zunächst muss er jedoch die Ergebniskrise und die eklatantesten taktisch-spielerischen Defizite beheben, ehe er einen Gesamtentwurf angeht. Vor den Spielen gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch und Borussia Dortmund am Samstag gilt es für ihn vor allem, die fatale Atmosphäre im Kader zu verbessern sowie das Selbstvertrauen eines jeden einzelnen Spielers.

Nun sind aber vor allem auch die FCB-Stars gefordert. Trainer Kovac allein hat die derzeit missliche Lage nicht verschuldet.

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