Gentner: "Irgendwo konnte man es erwarten"

Pyro-Vorfälle in Berlin: Polter hat eine differenzierte Sichtweise

Auf Deeskalation aus: Sebastian Polter (5.v.l.) und andere Unioner beruhigen aufgebrachte Anhänger.

Auf Deeskalation aus: Sebastian Polter (5.v.l.) und andere Unioner beruhigen aufgebrachte Anhänger. imago images

Nachdem in der ersten Hälfte auf den Tribünen bereits gezündelt worden war, steigerten sich die Chaoten nach Wiederanpfiff. In der 48. Minute flogen Feuerwerksraketen aus dem Hertha-Block aufs Spielfeld und auch in Richtung Union-Bank - Schiedsrichter Deniz Aytekin unterbrach die Partie kurzzeitig.

Nach Abpfiff wurde die nächste Runde eingeläutet: Wieder flogen Raketen aus dem Hertha-Block in Richtung Spielfeld, während auf der Gegenseite vermummte Union-Anhänger den Zaun überquerten und wohl auf dem besten Wege waren, sich in eine physische Auseinandersetzung mit den Gäste-Fans und folglich auch dem Sicherheitspersonal zu begeben. Weil aber Union-Spieler beherzt eingriffen, kam es nicht dazu - und das Derby blieb halbwegs friedlich.

Gentner war nicht wirklich überrascht

"Irgendwo konnte man es erwarten, weil viel über das Derby berichtet wurde", gab sich Christian Gentner nach Abpfiff bei "Sky" wenig überrascht über die Geschehnisse und wollte diesen nicht allzu viel Aufmerksamkeit geben, denn: "Jeder Satz, den wir darüber verlieren, ist zu viel Aufmerksamkeit dafür." Selbstverständlich war für den 34-Jährigen das Eingreifen der eigenen Mitspieler, die es schafften, durch ihr beherztes Handeln eine weitere Eskalation zu verhindern.

"Dann sind wir als Spieler vielleicht die einzigen, die eingreifen können und auf die die Jungs da hören."

Christian Gentner

"Wir haben gesehen, dass sich eine Gruppe bildet, weil eben auch Feuerwerkskörper in unseren Block geflogen sind. Die wollten sich das nicht gefallen lassen", sagte Gentner und ergänzte: "Dann sind wir als Spieler vielleicht die einzigen, die eingreifen können und auf die die Jungs da hören. Wir wollten vermitteln, dass wir diesen besonderen Sieg feiern wollen und nicht, dass es hier noch große Ausschreitungen gibt. Dann haben wir nur Verlierer." Matchwinner Sebastian Polter ergänzte: "Wir sind als Spieler in der Pflicht, die Fans davon abzuhalten, irgendwelche Dummheiten zu machen."

Covic hat wenig Verständnis - Aytekin äußert sich

Auf wenig Verständnis traf das Verhalten der Fans bei Herthas Trainer Ante Covic. Der Kroate weiß zwar um die "Emotionen in diesem Derby", aber "manchmal geht das über die Grenzen hinaus - und das darf nicht sein." Ähnlich sah es Schiedsrichter Deniz Aytekin, der betonte, dass es das Wichtigste war, dass keiner verletzt wurde.

Rauchschwaden in Berlin: Christopher Trimmel und Christian Gentner (r.) während der Spielunterbrechung.

Rauchschwaden in Berlin: Christopher Trimmel und Christian Gentner (r.) während der Spielunterbrechung. imago images

"Das hat mit Fußball nichts zu tun und es ist einfach traurig, wenn so etwas passiert", sagte der erfahrene Unparteiische und verriet, dass "wir in Kontakt mit der Polizei waren und alles in Absprache" entschieden wurde - also auch, dass die Partie nicht abgebrochen wurde.

"Die oberste Priorität war, das Spiel nach Hause zu bringen", so Aytekin, der auch weiß, dass ein Spielabbruch die Gefahr von Ausschreitungen nicht gerade minimiert hätte. Unter dem Strich ging es ihm aber "vor allem um die Sicherheit der Spieler und der Verantwortlichen". Aus diesem Grund wurde die Partie auch zwischenzeitlich unterbrochen.

Polters differenzierte Sichtweise

Eine etwas differenzierter Sichtweise zu der gesamten Thematik hat Polter, der zwar zugab, dass Pyro gezündet wurde ("Das kann man diskutieren"), letztlich aber die Verantwortung den Gäste-Fans übertrug. "Unsere Fans haben sich das ganze Spiel sehr fair verhalten. Die Leuchtraketen von Hertha-Seite waren nicht schön", betonte der Angreifer: "Sie können gerne zünden, es aber im Block behalten."

Im Gegensatz zu manch anderem ist der 28-Jährige aber nicht prinzipiell gegen Pyrotechnik im Stadion. Für ihn gehört "Pyro zu einem Stadtderby dazu. Aber es muss gewährleistet sein, dass niemand verletzt wird." Eine bemerkenswerte Aussage, zumal Polter selbst an diesem Nachmittag erlebte, welche Auswirkungen Pyro haben kann.

"Ich habe gerade erfahren, dass eine Leuchtrakete nur einen Meter neben meine Kinder gegangen ist", verriet der Stürmer: "Das ist schrecklich, wenn man weiß, dass die eigenen Kinder getroffen werden könnten. Das wünsche ich niemandem - egal ob blau-weiß oder rot-weiß."

drm

Bilder zur Partie 1. FC Union Berlin - Hertha BSC