Werder-Trainer Kohfeldt angefressen

Nächstes Bremer Remis, "weil wir nicht lernen"

Florian Kohfeldt

Sinnbildlich: Ein geknickter Werder-Trainer Florian Kohfeldt. imago images

Elf Punkte nach zehn Spielen. Nur zwei Siege. Dafür aber zuletzt fünf Remis in Serie. Werder Bremen hinkt den eigenen Erwartungen deutlich hinterher. Und hat schon sechs Zähler Rückstand auf die europäischen Plätze. Doch woran liegt es, dass die Kohfeldt-Elf derzeit nur auf dem zwölften Platz steht?

Eines vorweg: Fehlende Qualität ist es nicht. Die Bremer haben sich zu Beginn der Saison gut verstärkt und auch vor dem Ende der Transferphase auf Ausfälle kurzfristig reagiert (Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt).

Selbst die dünne Personaldecke kann nicht mehr als Ursache dienen. Gegen den Sport-Club kehrte auch Offensivallrounder Yuya Osako nach anderthalbmonatiger Zwangspause zurück - und zeigte über 70 Minuten eine ordentliche Leistung inklusive des Assists zum frühen 1:0 durch Milot Rashica. Jener Kosovare traf seit seiner Rückkehr in fünf von sechs Pflichtspielen und ist auch deshalb aktuells Werders bester Feldspieler.

Bittencourt: "Das hat die Mannschaft nicht verdient"

"Jetzt stehen wir hier wieder mal nach einem Spiel, das wir gewinnen müssen, und reden über ein Unentschieden", sagte ein geknickter Bittencourt nach Spielende am "Werder.TV"-Mikrofon: "Mir fehlen da etwas die Worte. Es tut weh, weil die Mannschaft das nicht verdient hat."

Ob verdient oder nicht, die Hanseaten leisten sich in den vergangenen Wochen schlichtweg zu viele Fehler in der Defensive, die auch von der starken Offensive (bereits 17 Tore; nur die ersten sechs der Tabelle haben mehr) nicht mehr ausgebügelt werden können. Besonders eklatant ist dabei die Schwäche bei Standardsituationen.

Neun der 21 Gegentreffer (nur Mainz und Schlusslicht Paderborn kassierten insgesamt mehr Tore) fielen nach sogenannten "ruhenden Bällen" und kosteten damit Werder schon den einen oder anderen Zähler. Das jüngste Beispiel: Nils Petersens Last-Minute-Kopfballtor zum 2:2.

Nils Petersen trifft zum 2:2

Das neunte Standardgegentor: Werders Achillesferse sind die "ruhenden Bälle". imago images

"Am Ende ist es mein Mann, der einköpft", gibt Toprak bei "Sky" zu. Man habe sich, so der Innenverteidiger, unnötig "in Unruhe reinbringen lassen". Unruhe, die von den in der Schlussphase in Unterzahl agierenden Freiburgern bewusst geschürt wurde. "Wir haben immer daran geglaubt, haben immer wieder Freistöße bewusst gezogen", verriet Petersen über das Freiburger Konzept, das bewusst auf die Bremer Schwachstelle zielte.

Abwehrfehler: Jetzt ist auch Pavlenka infiziert

"Wir sind aktuell in einer Phase, in der die gegnerischen Standards sehr gut ankommen", kommentierte Theo Gebre Selassie, dessen Freude über sein 19. Bundesliga-Tor letztlich getrübt war.

Gegen Freiburg kam neben der gewohnten Standardschwäche aber auch noch ein individueller Patzer von Keeper Jiri Pavlenka hinzu. Der Tscheche wurde bei einem Befreiungsschlag im eigenen Strafraum vom anlaufenden Petersen geblockt, sodass der Ex-Bremer seinen ersten von zwei Treffern erzielte.

Jiri Pavlenka

Jetzt auch noch Jiri Pavlenka: Der sonst so sichere Tscheche verursachte durch einen individuellen Fehler das zwischenzeitliche 1:1. imago images

"Er (Pavlenka) rechnet vielleicht nicht mit dem Druck. Das passiert ihm wahrscheinlich nie wieder", so Petersen, der mit seinem Gegenspieler fühlte: "In dem Moment hat er natürlich Pech gehabt." Mit Schuldzuweisungen muss Bremens Nummer 1 nicht rechnen. "Es ist sein zweiter Fehler. Er hat uns schon so oft gerettet", sprang ihm Landsmann Gebre Selassie gleich zur Seite.

Und so mussten Mannschaft und Fans "enttäuscht nach Hause gehen", fasste Sportdirektor Frank Baumann zusammen. "Wir brauchen das nicht schönreden. Wir müssen die Spiele zu Ende bringen", mahnte darüber hinaus Trainer Kohfeldt. Schon im letzten Heimspiel gegen Berlin hatten die Bremer eine Führung noch verspielt. "Ich bin mega unzufrieden, weil wir nicht lernen", so der Fußballlehrer weiter: "Wir müssen lernen." Riecht nach einem intensiven Stundenplan in der kommenden Übungswoche.

ssc