3. Liga

Kaiserslautern: Ein immer fragwürdigerer Zustand

Beccas Einfluss steigt

Kaiserslautern: Ein immer fragwürdigerer Zustand

Flavio Becca

Sein Einfluss beim 1. FC Kaiserslautern steigt: Flavio Becca. imago images

Während die sportliche Talfahrt der Lauterer kein Ende findet, reißen auch die Nachrichten abseits des Rasens nicht ab. Nach kicker-Informationen wurde der Aufsichtsrat der ausgegliederten Kapitalgesellschaft (KGaA) jüngst neu besetzt. Dieses Gremium ist nicht mit dem von den Vereinsmitgliedern gewählten Aufsichtsrat des e.V. oder dem Beirat der Kapitalgesellschaft zu verwechseln, auch wenn bis vor kurzem jeweils dieselben fünf Personen in den drei Gremien vertreten waren. Der Aufsichtsrat der KGaA wird stattdessen von den Aktionären, also den Gesellschaftern gewählt. Hauptgesellschafter mit über 90 Prozent ist, da bisher kaum Aktien veräußert wurden, der Verein. Nun zur pikanten Neubesetzung: Neben Aktionär Peter Theiss (Gründer des ehemaligen Hauptsponsors Allgäuer Latschenkiefer) sind nun Wilfried de Buhr und Patrick Gregorius Teil des Gremiums.

Gregorius ist der juristische Berater und die rechte Hand Flavio Beccas. Was das frühere Vorstandsmitglied der BNP-Paribas-Bank dazu berechtigt, Teil des Rates zu sein, ist völlig unklar. Denn Becca verhandelt zwar seit rund einem Jahr mit dem Verein, trat aber bisher nur als Bürgschaftsgeber in Erscheinung. Hält den Klub hin. Er ist also kein Investor, kein Aktionär. Nun hat er aber via Gregorius einen direkten Einfluss auf Entscheidungen der Kapitalgesellschaft. Beispielsweise bei Kapitalerhöhungen. Er sitzt quasi an beiden Enden des Tisches und könnte satzungsgemäß sogar Einfluss darauf nehmen, wie viel Prozent der Vereinsanteile er im Gegenzug für eine im Raum stehende Eigenkapitaleinlage erhält. Durch diese Konstellation wäre die Möglichkeit gegeben, die Kapitalgesellschaft längerfristig einfacher gegen die Interessen des Vereins zu steuern.

De Buhr verhinderte die Konstellation nicht

Wie ist es zu diesem äußerst fragwürdigen Zustand gekommen? Hier kommt de Buhr ins Spiel. Er nahm als Vereinsvorstand an der Hauptversammlung der Gesellschafter teil und hätte diese Konstellation verhindern können - tat er aber nicht. Dabei ist er in der Position, die Interessen des Vereins in der KGaA zu wahren. Dieser Schritt gehört kaum dazu. Eine solch weitreichende und gleichzeitig fragwürdige Entscheidung ohne die Legitimation der Mitgliederversammlung zu treffen, reiht sich nahtlos ins chaotische Bild des Traditionsvereins ein. Zudem nur fünf Wochen vor der Jahreshauptversammlung, in der sich der Verein personell komplett neu aufstellen will.

Mit der Thematik konfrontiert, widersprach der 66-Jährige keinem Punkt, wollte aber nicht auf Details eingehen. "Das sind interne Vorgänge, deren Inhalte ich aktuell nicht kommunizieren möchte. Das Ganze ist noch nicht fertig. Es wird noch eine Sitzung geben, dann wird es der Öffentlichkeit präsentiert", so de Buhr. In spätestens vier Wochen solle das sein. Weil de Buhr intern am Hinauszögern der nun für den 1. Dezember terminierten Mitgliederversammlung beteiligt war - er favorisierte gar erst den 20. Dezember - ist ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen.

De Buhr heiß auf Posten des kaufmännischen Geschäftsführers?

Brisanz birgt die Personalie de Buhr zudem aus einem weiteren Grund: Nach kicker-Informationen versucht dieser mit der Unterstützung des kommissarischen Beiratsvorsitzenden Patrick Banf den am Jahresende frei werdenden Posten des kaufmännischen Geschäftsführers von Michael Klatt zu ergattern. "Ich bin der Vorstand des e.V. und habe damit sehr viel zu tun. Mehr möchte ich dazu aktuell nicht sagen", erklärte de Buhr auf kicker-Nachfrage. Ein Dementi klingt anders. Mit Kritik an Klatt hielt sich der selbstständige Unternehmensberater, der schon 1996 Geschäftsführer auf dem Betzenberg war, im Vereinsumfeld jedenfalls nicht zurück.

Das Schachern um Posten, in Kaiserslautern schon fast eine Tradition, setzt sich somit fort. Auch kurz vor dem Ausscheiden versuchen Banf und Co. ihren Einfluss weiter Geltend zu machen. Der geplante Neuanfang wird erschwert, denn die dringend benötigte Geschlossenheit und Ruhe ist in weiter Ferne. Es steht nicht gut um den viermaligen deutschen Meister. Aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? Keineswegs.

Moritz Kreilinger