Giallorossi erleben nächste Fehlentscheidung auf internationaler Bühne

"Jeder hat das gesehen" - außer der Schiedsrichter: Roma erneut gefrustet

Chris Smalling sieht für sein vermeintliches Handspiel Gelb.

Im falschen Film: Chris Smalling sieht in dieser Szene für sein vermeintliches Handspiel Gelb von William Collum. imago images

Als der schottische UEFA-Schiedsrichter William Collum am späten Donnerstagabend zu seiner Pfeife griff, Luft durchpustete und voller Überzeugung auf den Elfmeterpunkt zeigte, trieb es sämtlichen Roma-Akteuren, Vereinsoffiziellen wie Trainer Paulo Fonseca und auch den Fans im regendurchfluteten Stadio Olimpico die pure Fassungslosigkeit ins Gesicht. AS-Profis wie Alessandro Florenzi, Kapitän Edin Dzeko oder der angeblich Hand spielende Chris Smalling schluckten schwer, schritten auf den Referee, wollten ihn mit harschen Worten umstimmen (vergebens). Und vor allem: Sie alle hatten Recht.

Denn ein Handspiel, das Abwehrmann Chris Smalling angeblich im Strafraum gespielt haben sollte, gab es nicht. Vielmehr war der ausgeliehene ManUnited-Innenverteidiger mitten im Gesicht von Gegenspieler Jonas Hofmann angeköpft worden. Seine beiden Arme waren dabei nicht einmal in der Nähe. Weil es aber in der EL-Gruppenphase noch keinen Videobeweis gibt und Schiedsrichter Collum wenig verwunderlich auf seiner (falschen) Entscheidung beharrte, gab es Elfmeter - und Gladbach rettete sich dank Torschütze Lars Stindl einen Punkt in der fünften Minute der Nachspielzeit.

"Wir haben etwas Besseres verdient"

Wenig später war Schluss - mit dem Spiel, nicht mit dem Referee. Allen voran Dzeko und der fälschlicherweise beschuldigte Smalling schritten direkt wieder in Richtung Collum. Da brauchte es auf dem glitschigen Untergrund schon einen schnellen Roma-Coach Fonseca, der sich schützend vor seine Spieler stellte, diese wegstieß und lieber selbst mit dem Offiziellen redete. Offensichtlich ebenfalls mit deutlichen Worten, gesprochen von einer wütenden Seele. Denn der Portugiese mit dem Spitznamen "Zorro" gestikulierte im Anschluss wild vor dem Schotten und deutete mehrmals mit seinen Fingern auf die eigenen Augen. Frei übersetzt sollte das wohl bedeuten: "Das musste du sehen, dass das kein Elfmeter war."

Edin Dzeko und Trainer Paulo Fonseca diskutieren mit Referee William Collum.

Augen auf! Roma-Kapitän Edin Dzeko und Trainer Paulo Fonseca diskutieren mit UEFA-Referee William Collum. imago images

Worte, die Fonseca gerne später vor versammelter Medienlandschaft genauso wie auf der offiziellen Pressekonferenz wiederholte. So sagte er zum Beispiel wenige Sekunden nach dem Ende der Wasserschlacht von Rom gegenüber "Sky Sport Italia": "So eine Entscheidung ist schwer zu akzeptieren. Das geht eigentlich nicht. All meine Spieler, wir alle sind am Boden zerstört. Wir haben schließlich gegen den Bundesliga-Tabellenführer gespielt, das Spiel nach der schwierigen Anfangsphase auf schwierigem Untergrund kontrolliert. Wir haben etwas Besseres verdient."

Fazio und Dzeko legen richtig los

Die beiden Führungsspieler Federico Fazio und der ehemalige Wolfsburger Dzeko wählten indes gesalzenere Worte. Ersterer sagte gegenüber "Roma TV": "Wir alle haben die Szene gesehen. Ich bin schockiert. Das Sichtfeld des Schiedsrichters war in dieser Szene nicht beeinträchtigt. Er selbst hatte außerdem im Anschluss auch Zweifel." Ob denn der VAR geholfen hätte? "Das spielt eigentlich keine Rolle, weil wir schon gegen Cagliari zuletzt ein Tor aberkannt bekommen haben (0:0 nach vermeintlichem Foul von Nikola Kalinic; Anm.d.Red.). Dieses Mal steht der Referee zwei Meter weg, sieht aber nicht, dass der Ball ganz eindeutig mitten ins Gesicht von Smalling fliegt."

Stürmer Dzeko, der nur Augenblicke vor der Szene einen feinen Pass auf Florenzi gespielt und einen kläglichen Abschluss beim möglichen 2:0 mit angesehen hatte, gab zu Protokoll: "Das ist eine inakzeptable Schiedsrichterleistung. Das darf auf diesem Niveau nicht passieren. Denn das ändert das Resultat, das ganze Spiel, die Gruppe (Roma aktuell mit fünf Punkten Erster der Staffel J vor Wolfsberg, Basaksehir, Gladbach; Anm.d.Red.). Ich verstehe einfach nicht, was der Referee hier gesehen hat. Ich habe ihm gesagt, dass es ganz eindeutig Smallings Gesicht war - zumal man den Abdruck in seinem Gesicht sehen konnte. Inzwischen habe ich außerdem die Wiederholung im TV gesehen, das macht es nur noch unglaublicher."

Alessandro Florenzi schließt die Augen und zeigt sich enttäuscht.

Im Regen von Rom: Akteur Alessandro Florenzi steht sinnbildlich für eine enttäuschte Roma beim Duell mit BMG. imago images

Was Dzeko aber auch richtigerweise anmerkte: "Wir können das jetzt nicht mehr ändern. Wir müssen nach vorne sehen." Und zwar in Richtung eines Erfolgserlebnisses: Denn aktuell tritt die Roma, die mit einigen Verletzungen klarkommen muss und außerdem unter Fonseca noch nicht komplett eingespielt wirkt, auf der Stelle. Am Sonntag (18 Uhr) beim Duell mit Milan möchten die Giallorossi (aktuell Sechster der Serie A) nämlich wieder einen Dreier einfahren, nachdem es zuletzt fünf Remis in Folge gegeben hat.

Liverpool, Porto, Gladbach - oder auch: Fehler, Fehler, Fehler

Aus Sicht der Römer ist es da vielleicht das beste Mittel, die aktuelle Wut in Leistung umzuwandeln. Sicher leichter gesagt als getan - zumal krasse Fehlentscheidungen in den letzten drei internationalen Spielen quasi zur Tagesordnung gehört haben. Im Champions-League-Halbfinale 2017/18 gewannen die Giallorossi nach einem 2:5 im Hinspiel beim FC Liverpool daheim mit 4:2, wobei die Reds einer klaren Rote Karte sowie einem Handelfmeter entgingen. Eine CL-Spielzeit später schied der Klub aus der "Ewigen Stadt" im Achtelfinale gegen den FC Porto aus, weil nach dem 2:1 im Hinspiel in Portugal ein 3:1 nach Verlängerung zu Buche stand - weil es einen strittigen Elfmeter für den FCP gab und auf der anderen Seite ein Vergehen trotz VAR nicht geahndet wurde. Ein Fehler, der damals Präsident James Pallotta gehörig auf die Palme brachte ("Genug von diesem Scheiß"). Nun folgte Klappe drei gegen Gladbach.

mag

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