Europa League

Klitschnasser Marco Rose: "Wahrscheinlich eher kein Elfmeter"

"Große Emotionen" bei Stindl - Dzeko bedient

Klitschnasser Rose: "Wahrscheinlich eher kein Elfmeter"

Marco Rose

Engagiert im Dauerregen: Marco Rose in Rom. imago images

"Das nehmen wir gerne mit", befand Rose unmittelbar vor seinem Gang in die Gästekurve bei "DAZN". Auch er musste bei Ansicht der Videobilder konstatieren, dass seine Mannschaft in der Nachspielzeit von einer klaren Fehlentscheidung profitiert hatte - auch wenn er es nicht ganz so eindeutig ausdrückte. "In dem Fall ist es wahrscheinlich eher kein Elfmeter gewesen", so der Gladbach-Coach.

Die einschränkenden Worte hätte er sich auch sparen können, die Zeitlupe ließ keine andere Interpretation zu: Jonas Hofmann hatte beim Stand von 1:0 in der dritten Minute der Nachspielzeit Roma-Verteidiger Chris Smalling aus kürzester Distanz ins Gesicht geköpft. Schiedsrichter William Collum meinte fälschlicherweise, ein Handspiel Smallings erkannt zu haben und zeigte zum Entsetzen der Römer auf den Punkt. Der Videobeweis kommt in dieser Saison zwar erstmals in der Europa League zum Einsatz, allerdings erst nach der Gruppenphase. Collum standen nach dem Pfiff keine Hilfsmittel zur Verfügung, um seine Fehlentscheidung zu korrigieren, Lars Stindl verwandelte den Strafstoß zum 1:1-Endstand.

Fußball ist manchmal ein bisschen ungerecht

Marco Rose

"Du kannst so einen Fehler nicht in der letzten Minute machen. Du kannst so einen Elfmeter nicht geben", klagte der Ex-Wolfsburger Edin Dzeko, der die Italiener als Kapitän aufs Feld geführt hatte. "Der Schiedsrichter war sich sicher, aber ich weiß nicht, wo er da Hand gesehen hat. Das 1:0 war ein super Ergebnis für uns und der Schiedsrichter hat alles durcheinandergebracht." Rose sah es diplomatisch: "Fußball ist manchmal auch ein bisschen ungerecht". In diesem Fall aber irgendwo auch wieder ein bisschen gerecht, denn: "Über 90 Minuten haben wir uns den Ausgleich auch verdient." Vielleicht auch deshalb lachte Torhüter Yann Sommer, als er zur Entstehung des Elfmeters befragt wurde: "Das ist mir im Moment egal."

Egal das ganze Drama der 94 Minuten zuvor: Die starke Gladbacher Anfangsphase inklusive Lattentreffer von Ramy Bensebaini. Der Rückstand durch Nicolo Zaniolo mit der ersten Roma-Chance. Der teils sintflutartige Dauerregen, der geordnetes Kombinationsspiel in der Schlussphase kaum noch möglich machte. Und eben dieser schmeichelhafte Elfmeterpfiff Sekunden vor dem Ende.

Nachgereister Stindl: "Große Emotionen freigesetzt"

Bei all diesen Geschichten, die das Spiel in der italienischen Hauptstadt geschrieben hatte, kam eine Personalie beinahe zu kurz - die des Torschützen zum 1:1. Erst zum zweiten Mal nach seiner sechsmonatigen Zwangspause stand Stindl auf dem Platz, wurde in der 76. Minute für Breel Embolo eingewechselt. Dass Stindl überhaupt im Kader auftauchte, war noch am Morgen nicht einmal klar. Während der Rest der Mannschaft bereits am Mittwoch in die italienische Hauptstadt gereist war, flog der Offensivmann erst am Donnerstag hinterher. Seine Frau erwartet das zweite Kind des Paars, noch war es aber nicht soweit.

"Große Emotionen" habe aber in jedem Fall schon sein sicherer Treffer vom Punkt freigesetzt. "Ich habe schließlich eine lange Zeit in der Reha hinter mir." Abgesprochen, dass Stindl sich den Ball zum Elfmeter nehme, sei nichts gewesen, meinte Trainer Rose. "Als gepfiffen wurde, kam Lars raus und hat sich den Ball geholt." Am Ende schien das irgendwo stimmig, so Rose: "Unser Kapitän schießt den und zeigt, wie wichtig er für uns ist."

Dabei war Stindl technisch gesehen bei seinem Schuss vom Punkt ins Glück gar nicht Spielführer der Borussia. Yann Sommer hatte die Mannschaft aufs Feld geführt und die Binde auch nach Stindls Einwechslung behalten. Auf die Frage, wann die Kapitänsbinde wieder an Stindl übergehe, antwortete Sommer nur kurz: "Ab heute."

mib