Abschluss des World Cups in Inzai

Shootingstar Seo klettert allen davon, doch Tokio ist in weiter Ferne

Das südkoreanische Ausnahmetalent Chaehyun Seo.

Im Lead uneinholbar, aber Tokio ist mehr als fraglich: Das südkoreanische Ausnahmetalent Chaehyun Seo. imago images

Adam Ondra bei den Herren und Chaehyun Seo bei den Damen sind nach ihren herausragenden Auftritten in diesem Jahr von den Spitzenplätzen in der Lead-Wertung nicht mehr zu verdrängen.

Der Tscheche demonstrierte in diesem Jahr in der Disziplin des Schwierigkeitskletterns seine Extraklasse - wann immer er startete, gewann er - nämlich die Weltcups in Chamonix, Kranj und Xiamen sowie bei der WM in Hachioji und EM in Edinburgh. Ein letztlich erwartbares Resultat für den 26-Jährigen, zumal sich mit Alexander Megos der wohl größte Herausforderer im August 2019 verletzt und seitdem pausiert hatte.

Seos Premierenjahr: Vier Siege, einmal Platz zwei

Eine komplette Überraschung war das diesjährige "Erscheinen" von Seo. Die erst 15-jährige Südkoreanerin bestritt ihre erste Wettkampf-Saison im Damenbereich und musste beim Lead-Klettern nur im Schweizerischen Villars der Slowenin Janja Garnbret den Vortritt lassen. In Chamonix, Briancon, Kranj und Xiamen fuhr sie Siege ein - auch wenn der jüngste in China etwas glücklich zustande kam, weil Garnbret mit einer gehörigen Portion Risikobereitschaft das Finale beendete und auf Platz vier abrutschte. Nur bei der WM in Hachioji zahlte das "Küken" aus Korea als Abschluss-Vierte Lehrgeld.

Seo und das Olympia-Problem

Während Ondra die Konkurrenz in Inzai alleine lässt und sich auf das olympische Qualifikationsevent Ende November in Toulouse vorbereitet, startet Seo in Inzai. Das Problem des Shootingstars: Weil Seo nur im Lead herausragende Ergebnisse einsammelte, im Speed aber nur "unter ferner liefen" verbucht wird und bei Boulder-Wettkämpfen nicht antrat (Ausnahme WM in Hachioji, Platz 13), wird sie nicht unter den Top 20 des diesjährigen Gesamtweltcups landen, sodass sie damit die Teilnahme am olympischen Quali-Event in Toulouse verpasst. Somit hat das Ausnahme-Talent nur noch eine Chance, das Ticket für Tokio zu lösen - nämlich bei den Kontinentalmeisterschaften im kommenden Frühjahr, die im Modus "Olympic Combined" ausgetragen werden. Die zierliche Südkoreanerin muss dann bei den Asiatischen Meisterschaften vom 27. April bis zum 3. Mai 2020 Platz eins ergattern, um sich sportlich für Olympia zu qualifizieren.

Duell ums Podium zwischen Harada und Nachwuchsmann Ginés Lopez

Beim letzten Lead-Weltcup der Saison in Inzai streiten sich der Japaner Harada und der gerade 17 Jahre alt gewordene Spanier Alberto Gines Lopez im Lead-World-Cup um den Platz hinter Ondra. Der kanadische Routinier Sean McColl (32), der das Finale in Xiamen wegen einer Verletzung sausen lassen musste, könnte auch noch in den Kampf ums Podium eingreifen - wenn er denn startet.

Inzai: Deutsches Quintett am Start

Yannick Flohé

Gute Chancen auf Toulouse: Yannick Flohé. DAV

Vom DAV sind in Inzai Yannick Flohé, Christoph Hanke und Sebastian Halenke sowie Afra Hönig und Alma Bestvater am Start. Von dem deutschen Quintett dürfte allerdings nur Flohé in Toulouse als derzeit 18. des Gesamtweltcups dabei sein. Bestvater und Hönig rangieren derzeit in diesem Ranking bei den Frauen auf den Plätzen 37 und 42. Jan Hojer, der nicht in Inzai startet, ist als Gesamt-Neunter definitiv für Toulouse qualifiziert, Alex Megos hatte bereits im August bei der WM das Olympia-Ticket gelöst.

Bei den Damen dürfte Garnbret, die in diesem Jahr eine unglaubliche Boulder-Saison hinlegte und überall gewann, wo sie an den Start ging (WM-Titel in Hachioji, World-Cup-Erfolg in Meiringen, Moskau, Chongqing, Wujiang, München und Vail), ihren zweiten Platz in der Lead-Wertung verteidigen. Die 20-Jährige hat aktuell einen klaren Vorsprung (298:226) vor ihrer slowenischen Landsfrau Lucka Rakovec. Außenseiterchancen aufs Podium genießt auch noch die 16-jährige japanische Lokalmatadorin Ai Mori.

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bst

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