Dortmunds Trainer ordnet harmlosen Auftritt bei Inter ein

Favre: "Wir dürfen nicht träumen"

Lucien Favre rümpft die Nase

Sah die eigene Harmlosigkeit in der Stärke des Gegners begründet: Dortmunds Trainer Lucien Favre. imago images

Nur fünfmal schoss der BVB in der gesamten Spielzeit in Richtung des von Samir Handanovic gehüteten Gehäuses. So wenig offensive Gefahr erzeugten die Dortmunder in der bisherigen Saison in keinem ihrer elf Auftritte. Im Schnitt brachten die Schwarz-Gelben nämlich knapp 15 Schüsse pro Partie auf des Gegners Kasten. Die Italiener nahmen immer wieder geschickt das Tempo aus dem Spiel und machten die Räume bei gegnerischen Angriffen so dicht, dass die ideenlosen Borussen keine Lücken fanden.

Neue Formation als Sündenbock?

Doch worin lag die Dortmunder Gefahrlosigkeit begründet? Im Fehlen von wichtigen Offensivkräften wie Marco Reus oder Paco Alcacer? An der eigenen Taktik? Oder am Gegner? Lucien Favre beantwortete die Frage bei "Sky" am ehesten mit der letzten Möglichkeit: "Wir dürfen nicht träumen. Wir können keine zehn Torchancen haben gegen so eine Mannschaft."

Die eigene Spielidee sei indes gut aufgegangen, wie der Schweizer betonte: "Es war geplant, sehr kompakt zu spielen. Das haben wir gut gemacht." Dafür stellte der 61-Jährige um. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit agierte der BVB mit einer defensiven Dreierkette mit Mats Hummels, Manuel Akanji und Julian Weigl. Für Hummels, der in Reus' Abwesenheit die Kapitänsbinde trug, eine gelungene Maßnahme: "Wir haben es geschafft, Inter seine Waffen zu nehmen. Wir haben so gut wie nichts zugelassen."

Es war ein typisches 0:0-Spiel bis zur 80. Minute, das eben nicht 0:0 stand.

Mats Hummels

Jedoch: Die einzige Inter-Chance des ersten Durchgangs nutzte Lautaro Martinez prompt zur Führung. "Ich glaube, wenn wir das Ding nicht kassieren, kriegen wir Inter irgendwann dahin, wo wir sie wollten. Nämlich, dass sie selbst aufmachen müssen", meinte Hummels. So entstand ein für den Innenverteidiger "typisches 0:0-Spiel bis zur 80. Minute, das eben nicht 0:0 stand." In der Schlussphase habe Inter die Räume, die durch das erhöhte Risiko im BVB-Spiel entstanden waren, eiskalt genutzt.

Genau wie Favre und Hummels stellte auch Lizenzspielleiter Sebastian Kehl die Taktik-Frage an sich in Frage: "Ich weiß nicht, ob es am System lag. Ich denke eigentlich, dass das ganz gut aufgegangen ist." Vielmehr richtete der 39-Jährige den Blick gleich wieder nach vorne, denn in zwei Wochen geht es im Rückspiel gegen Inter um den direkten Vergleich: "Wir wussten, dass es ein Zweikampf mit Inter Mailand werden wird. Zuhause werden wir mehr Möglichkeiten bekommen." Den gleichen Optimismus versprühte auch Hummels: "Wir werden zu Hause viel dominanter auftreten, werden mehr pressen und Gas geben nach vorne."

mxb