3. Liga

Finanzchef Klatt verlässt den FCK zum Jahresende

Personelle Neuaufstellung der gesamten Führungsebene steht bevor

Finanzchef Klatt verlässt den FCK zum Jahresende

Kaiserslauterns kaufmännischer Geschäftsführer Michael Klatt wird Ende des Jahres auf eigenen Wunsch aussscheiden

Kaiserslauterns kaufmännischer Geschäftsführer Michael Klatt wird Ende des Jahres auf eigenen Wunsch aussscheiden. imago images

"Für mich ist nach vier sehr bewegenden Jahren ein guter Zeitpunkt gekommen, neue berufliche Schwerpunkte zu setzen. Ich werde auf diese Zeit gern zurückblicken, sie war immer herausfordernd, aber genau das hat den Reiz meiner Aufgabe beim FCK ausgemacht", begründete Klatt seine Entscheidung. Der 51-Jährige war seit April 2016 für die finanziellen Belange der Pfälzer zuständig. Bis September 2018 in der Funktion des Finanzvorstands. Nach der Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft fungierte Klatt dann als kaufmännischer Geschäftsführer. Nun scheidet der Betriebswirt zum 31. Dezember auf eigenen Wunsch aus.

Schon Ende September wurde bekannt, dass der zum Jahresende auslaufende Vertrag mit Sport-Geschäftsführer Martin Bader nicht verlängert wird. Weil Anfang Oktober auch der angezählte fünfköpfige Aufsichts- und Beirat unter dem immer größer werdenden Druck zurücktrat, muss sich der Fritz-Walter-Klub auf der gesamten Führungsebene neu aufstellen.

Ich werde auf diese Zeit gern zurückblicken, sie war immer herausfordernd, aber genau das hat den Reiz meiner Aufgabe beim FCK ausgemacht.

Michael Klatt

Wie der umstrittene Sportchef Bader war auch Klatt angesichts der sportlichen Talfahrt und der finanziellen Probleme der zunehmenden Kritik ausgesetzt. Beide gestalteten im Sommer 2018 federführend die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft. 50 bis 60 Millionen Euro wollte der viermalige deutsche Meister binnen fünf Jahren einsammeln. Doch bisher floss vom groß angekündigten Ankerinvestor noch kein Cent Eigenkapital. Den großen Hoffnungen der vielen Anhänger auf eine finanziell gesunde Zukunft folgte eine herbe Enttäuschung nach der anderen. Die Lizenz für die laufende Spielzeit konnte nicht wie geplant durch Investorengelder gesichert werden. Stattdessen musste der hoch verschuldete Klub erneut Fremdkapital in Höhe von rund zehn Millionen aufnehmen. Obwohl seit fast einem Jahr mit dem potenziellen Investor Flavio Becca verhandelt wird, sind noch immer keine Verträge unterschrieben. Ausgang ungewiss.

Der FCK steht somit völlig führungslos da. Denn die Geschäftsführung wird satzungsgemäß vom Beirat bestellt. Doch das mit dem Aufsichtsrat deckungsgleiche Gremium um den Vorsitzenden Patrick Banf ist nach dem Rücktritt nur noch kommissarisch im Amt. Erst am 1. Dezember wird auf der Mitgliederversammlung das neue Kontrollgremium gewählt. Bisher hat ausschließlich ein fünfköpfiges Team um den ehemaligen Weltschiedsrichter Markus Merk und den früheren FCK-Profi und Nationalspieler Martin Wagner eine Kandidatur angekündigt.

Die Zeit drängt, die Probleme werden nicht kleiner

Die zukunftsweisende Entscheidung, wer den FCK aus der existenzbedrohenden Krise führen soll, kann somit frühestens vier Wochen vor Jahresende geklärt werden. Und die Probleme werden nicht kleiner: Im kommenden Sommer muss erneut eine Finanzlücke in Millionenhöhe geschlossen werden. Wie groß das Loch ausfällt, hängt von einigen noch ungewissen Faktoren ab. Im besten Fall fehlen etwas weniger als zehn Millionen Euro, im schlimmsten Fall mehr als 15. Der FCK befindet sich auf dem besten Weg in die Insolvenz - und beim Blick auf die Tabelle auch in Richtung Regionalliga. Die Zeit drängt, sonst gehen die Lichter im ehrwürdigen Fritz-Walter-Stadion bald ein letztes Mal aus.

Moritz Kreilinger