Neben alternativen Antrieben hat auch der Diesel eine Zukunft

Kia: Nicht nur auf dem Elektro-Trip

Kia Niro

Elektrifiziert: Kia Niro Plug-in Hybrid, e-Niro und Niro Hybrid (von links). Hersteller

Die Gegner der Autos mit Verbrennungsmotor haben es bei den koreanischen Herstellern nicht so leicht. Denn ein so umfangreiches Angebot alternativ angetriebener Modelle wie im Kia- oder Hyundai-Programm sucht man anderswo eher vergeblich. Manager, die bei ihrer Einschätzung der aktuellen Situation auch den konventionellen Verbrennungsmotor für die Zukunft empfehlen, sollten also über taktische Absichten erhaben sein.

Ähnlich wie die Konzernschwester Hyundai hat Kia schon früh auf alternative Antriebe gesetzt. Allein zwei rein elektrisch angetriebene Crossover, den e-Niro und den e-Soul, führt man im Programm. Dazu addiert sich Vielfalt in den Antrieben: Besagten Niro offeriert Kia zunächst als Hybrid (HEV), der mit 105- PS-Benziner und 43,5-PS-E-Motor bis zu einem Kilometer rein elektrisch fahren kann. Die Plug-in-Version (PHEV) wiederum schafft mit einer Akkuladung bis zu 58 Kilometer. Ausschließlich als Stromer ist der Niro BEV (Battery Electric Vehicle) mit 100 kW/136 PS unterwegs, der unter günstigen Umständen bis zu 455 Kilometer weit kommen soll.

"Den Diesel nicht verteufeln"

Angesichts der umfänglichen Elektrifizierung überrascht ein Statement von Kia-Deutschland-Chef Steffen Cost umso mehr, das er zum Diesel abgibt: "Es gibt keinen Grund, moderne Diesel weiter zu verteufeln". Nicht nur beim CO2-Ausstoß, sondern auch bei den Stickoxiden (NOx) sei der Selbstzünder besser als der Benziner, sagt Cost. Das soll aber nicht heißen, dass der Manager nun den Diesel favorisiert, um die Umwelt zu retten. Vielmehr müsse die Autoindustrie offen für verschiedene Lösungen und flexibel sein. Hersteller, die nur auf einen Lösungsweg, insbesondere auf das Elektroauto, fixiert seien, gingen auf dem Markt ein hohes Risiko ein. Nur mit einem Mix der Antriebsarten im Modellprogramm könne man die angepeilten Absatzziele erreichen.

Gleichzeitig werden Kaufentscheidungen für den Kunden immer schwieriger. Das Auto mit dem - wie bisher - für alle Anforderungen passenden Antrieb wird es wohl in naher Zukunft nicht geben. Das zeigt sich am besten am Beispiel E-Auto: Die potenziellen Käufer oder Nutzer haben offensichtlich unterschiedliche Erwartungen. Die wichtigste ist, dass sich das E-Auto preislich attraktiv darstellt, gefolgt von einer "sorgenfreie" Reichweite, wobei im Schnitt 415 km genannt werden. Danach stehen gute Lademöglichkeiten und die schnelle Ladung im Fokus.

Noch tut sich das E-Auto schwer

Schon die drei am häufigsten genannten Anforderungen kann das Elektroauto derzeit nur schwer erfüllen. Sicher ist allerdings, dass es weiterhin stetige Verbesserungen beim E-Antrieb geben wird, insbesondere dürften Einbauraum und Gewicht sinken und die Leistung steigen. Speziell bei der Batterie lauten die Ziele: kompakter, leichter und mit sehr hohe Energiedichte versehen.

Kia Sportage

Kia Sportage: Dieselt auch weiterhin, aber mit elektrischer Unterstützung in Gestalt eines Mildhybrid-Systems. Hersteller

Dank der Fortschritte dürften auch die Absatzzahlen bei den alternativen Antrieben steigen. Derzeit halten alle entsprechenden Fahrzeuge einschließlich der Hybride und der gasbetriebenen einen Anteil von rund sieben Prozent. Hersteller wie Hyundai und Kia gehen davon aus, dass im kommenden Jahr etwa 13 Prozent ihrer Palette auf Modelle entfallen, die in irgendeiner Form elektrifiziert sind. Keine Utopie, denn die Koreaner haben frühzeitig vorgesorgt: Der jüngst überarbeitete Niro kostet als gut ausgestatteter Hybrid 26.990 Euro, die Hybrid-Version mit Plug-in startet bei 33.990 Euro; Plug-in wird bei Dienstwagen steuerlich gefördert. Gut: Die Siebenjahres-Garantie gilt auch für die Batterie. Der Preis für den e-Niro: ab 35.290 Euro, jedoch gibt es derzeit noch lange Lieferzeiten, die etwa ein Jahr betragen.

Diesel als Mildhybrid

Zur Zukunft der Dieselmotoren: Im SUV Kia Sportage sind künftig alle Diesel als Mildhybrid mit 48-Volt-System erhältlich; nach dem 2.0 CRDi betrifft dies auch den 1.6 CRDi (ab 25.740 Euro). Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch ein Plug-in-Hybrid das Angebot ergänzt.

Ingo Reuss