Trainer und Baumgartlinger verzichten auf Kampfansagen

Bosz schwärmt von Simeone: "Er ist ein Phänomen"

Peter Bosz

Im Auswärtsspiel in Madrid schon unter Druck: Leverkusens Trainer Peter Bosz. imago images

Aus Madrid berichtet Stephan von Nocks

Nein, die großen Kampfansagen blieben aus. Weder Peter Bosz noch Julian Baumgartlinger ließen sich vor dem Endspiel, das Bayer 04 am Dienstag im Wanda Metropolitano gegen Atletico Madrid bestreitet, zu einer offensiven Aussage Richtung Platz 2 hinreißen. So wollte Mittelfeldspieler Bamgartlinger nach zwei Niederlagen aus zwei Gruppenspielen zu der "Endspiel-Frage" nicht mehr sagen als: "Wie man das betiteln will, sei dahingestellt. Aber es geht schon darum, dass wir beweisen wollen, dass wir in der Gruppe auch Punkte holen können." Punkte holen - nicht noch Platz 2.

Und während auch Bosz bis auf die Aussage, "wir müssen so viel Risiko eingehen, dass wir das Spiel am Ende gewinnen", zumindest öffentlich nicht die Attacke auf die K.-o.-Runde ausrief, so positionierte er sich bezüglich seines Kollegen bei Atletico Madrid eindeutig. "Die Arbeit, die Diego Simeone hier gemacht hat, ist unglaublich. Wo die Mannschaft war, als er hier angefangen hat sie zu trainieren, und wo sie jetzt ist - das ist unglaublich. Jedes Jahr spielt er oben mit in der Liga und auch in der Champions League", schwärmte der 55-Jährige vom Argentinier und schloss seine Lobeshymne mit den Worten ab: "Für mich ist er ein Phänomen."

"Deswegen wird es nicht leichter für uns"

Ein Phänomen, für den es in der Liga mit Platz 5 aktuell nicht optimal läuft. Am von den Spaniern erhofften Madrider Aufschwung kann Offensiv-Juwel Joao Felix wegen einer Sprunggelenkverletzung nicht mitwirken. Ein Fakt, der Bosz und Baumgartlinger nur bedingt zuversichtlicher stimmt. "Er ist natürlich eine herausragende Figur, eines der größten Talente im Weltfußball. Wir wissen um seine Stärke, wir wissen aber auch, welche Spieler ihn ersetzen können. Deswegen wird es nicht leichter für uns", ist sich der österreichische Nationalspieler sicher.

Joao Felix ist ein großer Spieler, aber Atletico ist eine große Mannschaft

Peter Bosz

Und auch Bosz betont, dass ihn der Ausfall des Portugiesen nicht aufatmen lässt: "Er ist ein großer Spieler, aber Atletico ist eine große Mannschaft. Und große Mannschaften haben mehr als elf gute Spieler", so der Niederländer, der jedoch anfügte, "wir haben auch einige Spieler, die nicht dabei sind." Die Linksverteidiger Wendell und Daley Sinkgraven, Mittelfeldstratege Charles Aranguiz und Linksaußen Leon Bailey. Allesamt verletzt.

"Die Wucht ist uns bekannt"

Von einem Jetzt-erst-Recht war nach der 0:3-Pleite von Frankfurt und am Abend vor dem Endspiel in Madrid alles in allem wenig zu spüren. Vor einer Partie, die einen ähnlichen Charakter haben könnte wie die niederschmetternde Niederlage in der Liga am vergangenen Freitag. Denn Atletico wandelt auf ähnlichen Wegen wie die Eintracht - nur auf noch höherem Niveau. "Unmittelbar nach Frankfurt-Spiel habe ich schon gesagt, dass ein nickliger Gegner mit einer ähnlichen Spielweise auf uns zukommen könnte. Die Wucht ist uns bekannt und auch die Qualität von Atletico Madrid", weiß Baumgartlinger um die Schwere der Aufgabe, "sie können aus einer kompakten Defensive unheimlich schnell umschalten. Darüber hinaus haben sie auch die Qualität, das Spiel selber zu machen."

Attribute, die im Grunde genommen auch auf die Werkself zutreffen, die aber zuletzt nicht konstant durch Taten unterstrichen wurden. Um diese Qualitäten erfolgreich einzubringen, wird Bayer aber am Dienstag die nötige Schärfe mitbringen müssen. Baumgartlinger ist bewusst, dass dies die Voraussetzung ist: "Es wird nicht einfach morgen, aber ich denke trotzdem, dass wir die nötigen Prozentpunkte, die am Freitag gefehlt haben, aufs Feld bringen können." Damit der Traum vom Achtelfinale wieder erwacht - und man bei Bayer auch wieder zu echten Kampfansagen bereit ist.