Bayerns Trainer verweist in der Müller-Frage auf die Kaderdichte

Kovac: "Ich stelle die Mannschaft auf"

Niko Kovac

Führte den FC Bayern in der vergangenen Saison zum Double-Gewinn: Trainer Niko Kovac. imago images

Aus Athen berichtet Karlheinz Wild

Diesem allgemeinen, schon des Öfteren ausgesprochenen Kompliment ließ Kovac allerdings nicht eine Zusage für einen Einsatz gegen Olympiakos Piräus folgen (Dienstag, Anpfiff 21.00 Uhr MESZ). "Ob er denn morgen spielt oder in den nächsten Wochen", das werde "die Zukunft zeigen", sagte Kovac ausweichend und betonte noch einmal: "Aber ich weiß, welche Wertigkeit Thomas hat." Und dies werde Müller "heute, morgen oder übermorgen wieder beweisen". Für den Spieler mit der Nummer 25 stellt sich da nur diese eine fundamentale Frage: Wann beginnt für ihn dieses Heute, Morgen oder Übermorgen? Morgen in Athen, am kommenden Samstag gegen Union Berlin? Oder noch später? Am Dienstag, 29. Oktober, im DFB-Pokal in Bochum? Wertigkeit definiert sich für einen Fußballspieler immer auch über Einsätze, möglichst in der Startelf und da lange.

Müller auf der Außenbahn?

Wie wäre es mal wieder mit Müller auf der rechten Seite? Oder ist diese Planstelle für ihn definitiv gelöscht? Auch hier gibt Kovac eine Sowohl-als-auch-Antwort. Zunächst verweist er darauf, dass Müller in dieser Rolle Weltmeister geworden sei - zumindest im zweiten Teil der WM 2014 ab dem Viertelfinale, vorher war er Mittelstürmer gewesen. Doch sofort schiebt der FCB-Trainer nach, dass dieser Job auf dem rechten Flügel "nicht seine Schokoladenposition" sei.

Kovac verweist auf die extreme Qualitätsdichte

Müllers Wunschrolle hinter den Spitzen bleibt derweil weiter für Philippe Coutinho (27) reserviert. Der Brasilianer habe - so Kovac mit arg großzügigem Lob - "richtig gut eingeschlagen", selbst in Augsburg will er ihn "gut gesehen" haben, "in der zweiten Halbzeit". Tja. Also wohin mit Müller? Ersatz für Coutinho? Ersatz für Robert Lewandowski? Ersatz für einen Flügelstürmer? Oder als Achter? "Wir haben nun einmal diesen Kader", sagt Kovac, meint damit die extreme Qualitätsdichte in der Offensive und kann sich mit dem Verweis auf aktuell lediglich 16 gesunde Spieler nur in tröstende Prophezeiungen flüchten. "Die Anzahl der Spiele wird dafür sorgen, dass jeder, aber auch jeder genügend Spiele machen wird", sagt er, und dass "jeder froh sein kann, wenn er einmal eine Pause bekommt".

In der Abwehr sieht die Situation etwas anders aus. Dort ist schon die erste und eine gewaltige Lücke zu schließen, nachdem sich Niklas Süle einen Kreuzbandriss zuzog und Monate lang ausfallen wird. Ohnehin verteidigen die Münchner in dieser Saison immer wieder nachlässig und in der Konsequenz mangelhaft. Kovac verlangt eine bessere Ausbalancierung der Aktivitäten nach vorne wie nach hinten. Uli Hoeneß sieht eine baldige Lösung, für den Präsidenten ist Javi Martinez der Heilsbringer, "wenn er auf der Sechs spielt".

Bayerns Trainer sieht keine Einflussnahme

Als Forderung seines Chefs, mit dem er in häufigem Austausch stehe, oder gar Einflussnahme in Aufstellungsfragen wollte Kovac diese Aussage nicht werten. Gegen Augsburg hatte er den Spanier im zentralen defensiven Mittelfeld aufgeboten, es gab trotzdem zwei Gegentreffer. Diese Martinez-Nominierung am vorigen Samstag "war einzig und allein die Entscheidung meines Trainerteams und meiner Person", stellte der Chefcoach klar: "Ich stelle die Mannschaft auf." Er und seine Assistenten "sind diejenigen, die tagtäglich mit den Jungs arbeiten, wir haben sie tagtäglich vor Augen".

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