Hat der VfB Stuttgart ein Sturmproblem?

Badstubers obszöne Beleidigung: Walter antwortet klar und unklar

Im doppelten Sinne die Szene des Spiels: Der Platzverweis für Holger Badstuber (l.).

Im doppelten Sinne die Szene des Spiels: Der Platzverweis für Holger Badstuber (l.). imago images

Ob die Schlüsselszene des enttäuschenden 0:1 gegen Kiel für Badstuber noch ein persönliches Nachspiel haben wird? Die deutlich hörbare verbale Ausfälligkeit - Badstuber wandte sich mit dem Begriff "Muschis" wohl an das Schiedsrichtergespann - waren jedenfalls ebenso vermeidbar wie die zweite Gelbe Karte des Verteidigers, die zu jenem Ausbruch geführt hatte.

Stuttgart mit einem Gegentor gut bedient

Das Nachspiel für seine Mannschaft im sportlichen Sinne folgte auf dem Fuß - nur zwei Minuten nach Badstubers Herausstellung geriet der bis dato drückend dominante VfB in Rückstand. Fortan war es um die Dominanz geschehen, vorne lief kaum mehr etwas zusammen, hinten offenbarten dezimierte Stuttgarter große Probleme. Statt einem Gegentor hätte es nach 96 Minuten auch dreimal hinter Schlussmann Kobel einschlagen können.

Zur Szene, die den Spielverlauf auf den Kopf gestellt hatte, wollte Tim Walter am "Sky"-Mikrofon übrigens keine Stellung beziehen. Badstubers zweite Gelbe, ein Fußkontakt inklusive langem Trikotziehen, hatte Stuttgarts Trainer "nicht gesehen" und "konnte sie daher nicht beurteilen". Badstubers obszöne Beleidigung beim erbosten Verlassen des Rasens wollte Walter zunächst "einfach so stehen lassen". Exakte Worte seines Verteidigers hatte Walter nämlich "nicht gehört. Davon will ich mich erst selbst überzeugen."

Wesentlich klarer wurde Walter, den Finger in die Wunde legend, als es um einen anderen offensichtlichen Grund für die unerwartete Niederlage seiner favorisierten Schützlinge ging: "Wir haben mit Sicherheit verdient verloren, weil wir keine Tore schießen", so der ehemalige Kieler Coach, "wenn wir keine Tore schießen, können wir keine Spiele gewinnen". Tatsache.

Kein eingespielter Angriff, eine neue Formation

Die nur achtbeste Offensive der Liga kommt nach zehn Spieltagen auf lediglich 15 Tore, für ein Zweitliga-Spitzenteam mit derartigen personellen Möglichkeiten ist das ungewöhnlich wenig. Ob dieser Umstand etwas damit zu tun haben könnte, dass in den letzten vier Pflichtspielen stets andere Offensivkräfte zusammenspielten, gegen Kiel sogar in einer neuen Formation (4-3-3)? Nicht immer wirkten Laufwege und Spielzüge ideal eingespielt.

Aufeinanderfolgende Heim-Niederlagen gegen den SV Wehen Wiesbaden und Holstein Kiel - die Schwaben erfuhren auf die unsanfte Art, dass im Unterhaus durchaus jeder jeden schlagen kann. Doch die Torflaute und Badstubers sperrbedingte Abwesenheit in der Liga könnten den VfB in einer kommenden Woche der Wahrheit noch teurer zu stehen kommen. Nächsten Samstag und am darauffolgenden Dienstag geht es in Liga und Pokal jeweils gegen Tabellenführer HSV. Enden beide Gastspiele binnen weniger Tage ohne Sieg, könnte der bis vor kurzem souveräne VfB in eine Negativspirale geraten.

nba