Bundesliga

Rönnow: "Das hätte ich mir nicht erträumen können"

Frankfurts Torhüter erlebt Emotionen für die Ewigkeit

Rönnow: "Das hätte ich mir nicht erträumen können"

Eintracht Frankfurts Keeper Frederik Rönnow wurde nach dem Sieg gege Bayer Leverkusen von den Fans gefeiert

Eintracht Frankfurts Keeper Frederik Rönnow wurde nach dem Sieg gege Bayer Leverkusen von den Fans gefeiert. picture alliance

Ein Unglück kommt selten allein, heißt es im Volksmund. Frederik Rönnow kann davon ein trauriges Lied singen. Im Sommer 2018 als Lukas-Hradecky-Nachfolger verpflichtet, laborierte er an Knieproblemen und musste zusehen, wie auf den letzten Drücker Kevin Trapp ausgeliehen wurde und ihm den Platz zwischen den Pfosten vor der Nase wegschnappte. Über seinen unglückseligen Auftritt im Supercup gegen den FC Bayern (0:5) hüllt man lieber den Mantel des Schweigens. Diesen Sommer kostete ihn erst eine Schulterverletzung mehrere Einsätze in der Europa-League-Qualifikation, und schließlich konnte sich die Eintracht mit Paris St. Germain auch noch auf einen Kauf von Trapp verständigen - Rönnow sah erneut alt aus.

Doch manchmal sorgt das Schicksal dafür, dass sich das Blatt von einem auf den anderen Moment wendet - im Fall des dänischen Torhüters (endlich) zum Guten. Trapps im Spiel bei Union Berlin erlittene schwere Schulterverletzung beförderte ihn in die Mannschaft, mindestens bis Weihnachten genießt er das Vertrauen. Das Sprichwort vom Unglück hat er nun etwas umgedichtet: Ein Glück kommt selten alleine, muss es seit Freitag heißen.

Rönnow: "Ich habe von Dienstag bis Donnerstagabend kaum geschlafen

Der vor 27 Jahren in der dänischen Hafenstadt Horsens geborene und aufgewachsene Rönnow erlebte in den vergangenen Tagen Emotionen und Glücksgefühle, von denen er in ferner Zukunft gewiss noch seinen Enkeln freudestrahlend erzählen wird. Am Donnerstagmorgen um sechs Uhr erblickte sein Sohn Theodor das Licht der Welt. "Ich habe von Dienstag bis Donnerstagabend kaum geschlafen", erzählt Rönnow. Das Abschlusstraining musste er sausen lassen. Trainer Adi Hütter zweifelte jedoch "nicht eine Sekunde" daran, dass sein Torhüter ein gutes Spiel machen würde: "Ich denke schon, dass ein Kind zusätzlich Power, Energie und Liebe gibt, um so ein gutes Spiel zu machen."

Rönnow hielt wie ein Teufelskerl, vereitelte insbesondere in der zweiten Hälfte eine Vielzahl an Leverkusener Chancen, strahlte große Ruhe und Souveränität aus. "Speziell bei einem Tormann ist es schwierig, das zu zeigen, was man kann, wenn man maximal ein, zwei Spiele spielt", weiß Hütter und frohlockt: "Diese zwei Tage werden ihm ewig in Erinnerung bleiben."

Paciencia: "Er ist ein großer Torhüter"

Als Rönnow nach den Feierlichkeiten mit den Fans in die Mixed Zone zu den Journalisten kam, merkte man ihm die Rührung noch deutlich an. "Das ist ein wirklich großer Abend für mich. Das letzte Jahr war hart für mich, aber ich wusste, dass ich die Fähigkeiten habe, so zu performen. Jetzt habe ich das gezeigt und bin sehr glücklich", sagte der Torhüter. Schmunzelnd erzählte er: "Die letzten Stunden und Tage waren wirklich emotional. Das hätte ich mir nicht erträumen können - auch, weil ich nicht viel geschlafen habe. Da war es schwierig zu träumen..." Ein Dank ging auch an die Fans, nachdem ihn kurz zuvor das ganze Stadion lautstark gefeiert hatte: "Nach einem schwierigen Jahr bin ich sehr glücklich und dankbar für diesen Support, das bedeutet mir viel." Aus Sicht der Mannschaftskameraden zog Doppeltorschütze Paciencia das treffendste Fazit. "Wir lieben Trapp, aber wir müssen auch sehr glücklich darüber sein, dass wir Rönnow haben. Er ist ein großer Torhüter", lobte der 25-Jährige, der selbst auf dem besten Weg ist, ein großer Stürmer zu werden.

Julian Franzke

Bilder zur Partie Eintracht Frankfurt - Bayer 04 Leverkusen