Mainz' Routinier im kicker-Interview

Brosinski: "Elfmeter? Habe ich zuletzt in der Jugend geübt!"

Nervenstark vom Punkt: Der Mainzer Routinier Daniel Brosinski.

Nervenstark vom Punkt: Der Mainzer Routinier Daniel Brosinski. picture alliance

kicker: Herr Brosinski, wann haben Sie zuletzt das Elfmeterschießen trainiert?

Brosinski: In der Jugend. Damals ist man noch zwei Stunden vor dem Training auf den Platz gegangen, hat die Pille genommen und Elfmeterschießen geübt. Das gibt es heute gar nicht mehr, auch nicht nach dem Training, da werden mehr Flanken und Freistöße als Elfmeter trainiert.

kicker: Haben Sie wirklich bereits in der Jugend die Grundlagen für Ihre aktuelle Treffsicherheit gelegt?

Brosinski: Anscheinend, ich fühle mich auch einfach gut in solchen Situationen, sie liegen mir. Ich mache mir keine allzu großen Gedanken, schnappe mir einfach den Ball und versuche, ihn zu versenken.

kicker: Wann wählen Sie die Ecke aus, in die Sie schießen?

Brosinski: (lacht) Muss ich das beantworten? Ich mache immer einen relativ langsamen Anlauf und schaue, was der Torhüter anbietet. Ich entscheide mich kurzfristig.

kicker: Waren Sie schon immer so nervenstark?

Brosinski: In der Jugend wollte ich beim Elfmeterschießen immer der letzte Schütze sein, mittlerweile will ich der erste sein - insofern hat es sich gedreht. Im Sommer 2017 wurde ich von Sandro Schwarz zum ersten Elfmeterschützen benannt. Unter Martin Schmidt habe ich nur einen Elfer geschossen, damals war Yunus Malli unser erster Schütze.

kicker: Warum haben Sie sich zunächst mit Pablo De Blasis abgewechselt?

Brosinski: Eigentlich stand ich an Nummer 1, als Pablo dann in einem Spiel sehr gut drauf war, habe ich ihm den Vortritt gelassen. Nachdem er diesen Elfmeter verwandelt hatte, habe ich ihm beim nächsten Mal gesagt, er soll wieder schießen.

Wir haben die drei Punkte und dazu noch den Rekord

kicker: Was bedeutet Ihnen der Rekord, dass Mainz in 56 Jahren Bundesliga nun als einzige Mannschaft 25 Elfmeter nacheinander verwandelt hat?

Brosinski: Das ist eine schöne Randnotiz, aber hätten wir in Paderborn verloren, wäre sie in den Hintergrund gerückt. So haben wir die drei Punkte und dazu noch den Rekord, das ist für Mainz 05 eine schöne Sache und auch für mich, dass ich den Rekordelfer verwandeln durfte. Es sollen ruhig noch einige dazukommen...

Eigentlich ist mein Spiel über links sogar ein Stück flexibler

kicker: Zuletzt haben sie als Linksverteidiger eine gute Rolle gespielt, welche Seite in der Außenverteidigerposition liegt ihnen mehr?

Brosinski: Ich spiele auf beiden Seiten gerne. Vom Verteidigen her sehe ich keine großen Unterschiede. In der Offensive habe ich links zusätzlich die Option, in die Mitte zu ziehen, um den Ball auf meinen starken rechten Fuß zu legen, sofern ich nicht mit links flanke oder den Außenrist nehme. Eigentlich ist mein Spiel über links sogar ein Stück flexibler.

kicker: Trainer Sandro Schwarz forderte zuletzt mehr Gradlinigkeit und Einfachheit im Spiel, tut das der Mannschaft gut?

Brosinski: Zielstrebigkeit, Geradlinigkeit und schnelles Spiel nach vorne haben wir in Paderborn direkt in der Anfangsphase bewiesen. Nach dem Ballgewinn haben wir tief gespielt und die Führung erzielt. Vorher haben wir eher über Kunde noch einmal nach hinten gepasst und von dort aus den Ball nach vorne transportiert. Das hat immer etwas gedauert, wodurch der Gegner nachschieben konnte. Uns ging die Geschwindigkeit nach vorne etwas verloren.

kicker: Hilft einfaches Spiel dabei, sich aus dem sportlichen Tief zu befreien?

Brosinski: Auf jeden Fall, Einfachheit macht vieles leichter.

kicker: Paderborn, Düsseldorf, Köln - im Oktober trifft Mainz ausschließlich auf direkte Konkurrenten. Ist es die Gelegenheit, um sich aus dem Schlamassel zu befreien?

Brosinski: Wir müssen von Anfang an zeigen, dass wir da sind, um drei Punkte mitzunehmen. Gerade gegen Mannschaften aus unserer Tabellenregion können wir wichtigen Boden in der Tabelle gutmachen. Wir wollen an die Zielstrebigkeit, die wir in Paderborn gezeigt haben, anknüpfen.

kicker: Wissen Sie eigentlich, wer den letzten Elfmeter für Mainz in der Bundesliga verschossen hatte?

Brosinski: Adam Szalai, das habe ich im Zusammenhang mit dem Rekord gelesen.

kicker: Szalai wartet noch auf sein erstes Saisontor, wäre es eine gute Idee, ihm den nächsten Elfmeter zu überlassen?

Brosinski: Schau'n mer mal, was der Spielstand hergibt. Wenn wir 0:1 hinten liegen oder es 1:1 steht und der Elfmeter die letzte Situation des Spiels ist, wäre der Trainer wohl nicht so glücklich, wenn wir den Schützen wechseln. Wenn es aber 3:0 oder 4:0 steht, dann ist es auf jeden Fall eine Überlegung wert...

Interview: Michael Ebert

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