Vor einem Jahr fand die denkwürdige Pressekonferenz statt

Als die Bayern-Bosse loslegten

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß fc bayern münchen pressekonfrenz

Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß würden die Pressekonferenz vor einem Jahr heute so nicht mehr geben. imago images

Tabellensechster? Der FC Bayern? Ja, genau der. Und das nicht am ersten, nicht am zweiten, sondern am siebten Spieltag. Da gerät die bayerische Fußballwelt schon mal schnell ins Wanken. Dass die Erde im Münchner Süden, Giesing, Säbener Straße 53, aber derart beben wird, ist nicht abzusehen. Zumindest nicht am 18. Oktober, einen Tag davor, als die Medienabteilung des Rekordmeisters zwei Einladungen zu zwei Pressekonferenzen via E-Mail verschickt hatte. Einmal lädt der FCB zum üblichen Pressetalk vor einem Spieltag mit Trainer Niko Kovac; und einmal zum Gespräch mit der großen Riege: Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Warum, das fragen sich nicht nur die Medienvertreter. Es wird wild spekuliert. Eine sinnvolle Erklärung findet aber niemand so recht. Die gibt es erst, als Coach Kovac - dessen PK den Auftakt in einen unvergesslichen Nachmittag macht - sich grinsend mit einem "viel Spaß" verabschiedet. Da wissen die anwesenden Journalisten schnell Bescheid: Jetzt knallt‘s!

Von Grundgesetz bis Schlaumeier

Unrecht hat Kovac im Nachhinein betrachtet nicht. Abgesehen von der Ernsthaftigkeit des hitzigen Verbalgefechts und der Tragweite des Auftritts haben diese 32 denkwürdigen Minuten schon einen Hauch von Realsatire. Allerdings ist das, was passiert, nicht wirklich zum Lachen. Nicht, als Hoeneß zur Tür reinkommend den ersten Reporter als "Schlaumeier" bezeichnet; und noch weniger, als Rummenigge gleich zu Beginn Artikel 1 des Grundgesetzes zitiert: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Gegen diesen Regelvers, so poltert das Chef-Trio, hätten die Berichterstatter in den vergangenen Wochen zu oft verstoßen. Der FCB werde dies "nicht mehr akzeptieren". Also legen sie los.

Schutz für die schwächelnden Weltmeister

Zur Erinnerung: Die Münchner hatten am vorigen Spieltag, der zu diesem Zeitpunkt schon 13 Tage zurückliegt, ein 0:3 gegen Mönchengladbach kassiert; es war die bereits vierte sieglose Partie in Folge gewesen, mit der das Kovac-Team auf Rang 6 abgerutscht war. Zudem hatte sich die Nationalmannschaft gerade mit 0:3 in den Niederlanden blamiert - zu ihrem Gerüst zählten immerhin fünf Bayern-Profis. Kritik an diesem Quintett, vor allem an Weltmeistern wie Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller, sei - aus Bayern-Sicht - in diesem übertriebenen Maße nicht angebracht gewesen. Fortan stünden Spieler wie Trainer unter besonderem Schutz. So die Botschaft der Alphatiere.

Wer am Freitag, 19. Oktober, ab 12.32 Uhr, allerdings nicht von oder vor der Öffentlichkeit geschützt wird, sind die Bosse selbst. Es hagelte Kritik. Das ermöglicht nun mal Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Meinungsfreiheit reglementiert. Und so folgt unweigerlich ein mehrtägiges Donnerwetter, das den Himmel über München - trotz des 3:1-Sieges am Samstag in Wolfsburg - noch einige Tage verdunkeln soll.

Bernat? Hoeneß: "Es hat mir sehr leidgetan"

Rückblickend sagt Hoeneß: "Die Kritik an gewissen Medien gilt nicht für Journalisten per se, sondern für die, die gemeint waren - und die wissen Bescheid." Seine Aussage über Juan Bernat ("Der hat einen Scheißdreck gespielt") dagegen, versichert er, "hat mir sehr leidgetan". Rummenigge meint: "Wie die PK gelaufen ist, ist nicht wiederholungswürdig. Aber manchmal muss man Dinge tun, die kritisiert werden. Auch daraus kann Energie entstehen." Was in jedem Fall kurzfristig gelingt: Die Bosse lenken - bewusst oder unbewusst - von den wirklichen Problemen ab. Denn die Herbstkrise sollte da ja erst richtig beginnen.

Georg Holzner

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