Bundesliga

BVB-Trainer Favre nimmt Jadon Sancho in Schutz

BVB-Trainer nimmt "Straßenfußballer" Sancho in Schutz

Favre: "Die Erwartungen an Jadon sind enorm"

Jadon Sancho und BVB-Trainer Lucien Favre

Er kann den Unterschied ausmachen: Jadon Sancho (hier im Gespräch mit BVB-Trainer Lucien Favre. imago images

Man glaubt es ja manchmal nicht, wenn man sich den Einfluss ansieht, den Jadon Sancho auf das Spiel von Borussia Dortmund ausübt, aber es stimmt: Der Engländer ist gerade einmal 19 Jahre alt, erst im März 2020 feiert er seinen 20. Geburtstag. "Das", sagt Sportdirektor Michael Zorc, "wird oft vergessen. Jadon ist trotzdem schon extrem robust. Und er ist mit seinen Qualitäten einer, der den Unterschied ausmachen kann. Das zeichnet ihn aus."

Den Unterschied ausmachen - das ist Sancho in den vergangenen anderthalb Jahren oft gelungen. In der Vorsaison brillierte er mit zwölf Toren und 18 Assists, nicht zufällig feierte er am 12. Oktober 2018 sein Debüt in der englischen Nationalmannschaft. Und auch in dieser Saison ging es gut los für den gebürtigen Londoner, der auf den Straßen und Bolzplätzen der Millionen-Metropole das Kicken lernte: Allein in den ersten fünf Liga-Spielen des BVB sammelte er acht Scorerpunkte - dreimal traf er selbst, fünf weitere Treffer bereitete er seinen Mitspielern vor.

Favre: "Jadon war tot"

Auch beim jüngsten 2:2 in Freiburg trug er sich nach seiner Einwechslung in der 63. Minute in die Scorerliste ein, als er den Treffer von Achraf Hakimi vorbereitete. Nur gegen Bremen (2:2) stand in der Liga bei ihm persönlich die Null - genau wie in der ersten DFB-Pokal-Runde gegen Uerdingen (2:0) und in den Champions-League-Spielen gegen Barcelona (0:0) und Prag (2:0). Insgesamt aber ist die Bilanz sehr ordentlich - erst recht für einen 19-Jährigen.

"Jadon war tot", sagte sein Trainer Lucien Favre nach dem Spiel in Freiburg. Was er damals mit diesen drastischen Worten sagen wollte: Sancho, der in der Regel immer startet, war körperlich in einem Loch, müde, ausgelaugt, ein Fall für die Ersatzbank - wo er dann zunächst auch Platz nahm. Ganz auf ihn verzichten konnte und wollte Favre im Breisgau allerdings dennoch nicht. Dafür ist Sancho für den BVB längst zu wichtig geworden. Er alleine kann seiner Mannschaft zum Sieg verhelfen - nicht viel weniger erwartet die breite Masse inzwischen von ihm. Richtig fair ist das nicht, gemessen an seinem Alter und der Klasse seiner Mitspieler.

Favre spricht von enormem Potenzial

"Die Erwartungen an Jadon sind enorm. Aber das ist gefährlich", sagt Favre vor dem wegweisenden Borussen-Duell am Samstag gegen Mönchengladbach. "Jadon ist ein super Spieler, keine Diskussion. Aber er muss auch noch viel lernen. Er muss weiter Spaß daran haben, zu trainieren, dort Fortschritte zu machen. Denn sein Potenzial ist enorm."

Spaß am Spiel - das ist für Sancho in der Tat extrem wichtig. Denn er lebt von der Freude am Ball, von seinen Finessen und Finten in den direkten Duellen, dem (Aber-)Witz in vielen seiner Aktionen, die man sonst von keinem anderen Profi in der Bundesliga sieht. "Jadon", bestätigt Zorc, "ist ein Straßenfußballer, wie es heutzutage nicht mehr viele gibt." Umso größer ist das Vertrauen, dass der BVB in die Fähigkeiten Sanchos hat. Und das ist nachvollziehbar. Denn wirklich enttäuscht wurde der Klub von ihm bislang nicht - auch wenn die Momente, in denen er den Unterschied ausmachte, in den vergangenen Wochen etwas rarer gesät waren als zuvor.

Matthias Dersch

kicker.tv Hintergrund

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