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EM 2020: Auf wen Deutschland treffen könnte und auf wen nicht

Kai Havertz, Serge Gnabry und Joshua Kimmich jubeln in der EM-Qualifikation

Huckepack: Kai Havertz, Serge Gnabry und Joshua Kimmich jubeln in der EM-Qualifikation. imago images

Wann die EM-Auslosung stattfindet? Dass vor dem Turnier 2020 schon diese simple Frage problematisch ist, fasst das ganze Chaos gut zusammen, das die UEFA mit ihrem Mischmasch aus Nations League, Play-offs und einem EM-Turnier in zwölf verschiedenen Ländern angerichtet hat: Die Auslosung gibt es diesmal nämlich womöglich gar nicht. Fangen wir also mit einer leichteren Frage an.

Wer qualifiziert sich für die EM 2020?

Wie schon 2016 nehmen 24 Mannschaften an der EM-Endrunde teil, sie werden auf sechs Vierer-Gruppen aufgeteilt. Über die reguläre EM-Qualifikation qualifizieren sich 20 Teams, jeweils die Gruppenersten und -zweiten. Die restlichen vier Plätze werden über Play-offs vergeben.

Wer ist bereits für die EM qualifiziert?

Belgien, Italien, Polen, Russland, Spanien, Ukraine. Ein Gastgeberland ist diesmal nicht automatisch qualifiziert, bei der EURO 2020 gibt es ja gleich zwölf.

Wie ergattert man einen Play-off-Platz?

Diesmal bekommt kein Gruppendritter eine letzte Chance, vielmehr werden die vier Plätze über die Nations League vergeben. Pro Nations-League-Liga (A, B, C, D) spielen die jeweiligen vier Gruppensieger einen weiteren EM-Teilnehmer aus. Wenn ein Nations-League-Gruppensieger bereits über die reguläre EM-Qualifikation ein EM-Ticket ergattert hat, rücken weitere Teams nach. Das führt zu der sportlich fragwürdigen Situation, dass selbst Nations-League-Gruppenletzte noch eine Chance erhalten könnten.

Wie sehen die Töpfe bei der EM-Auslosung aus?

Es wird vier Töpfe geben, die streng nach der "Rangliste der European Qualifiers" aus den 20 Gruppenersten und -zweiten der Qualifikation gebildet werden. Das erste Kriterium ist die Endplatzierung in der Gruppe, damit können Gruppenzweite also schon mal nicht im ersten Setztopf auftauchen. Die weiteren Kriterien sind in dieser Reihenfolge: Punkte, erzielte Tore, erzielte Auswärtstore, Anzahl der Siege, Fairplay-Bilanz und die Nations-League-Platzierung. Ergebnisse gegen etwaige Gruppensechste werden jeweils nicht berücksichtigt.

UEFA EURO 2020

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Gibt es weitere Vorgaben bei der Auslosung?

Selbstverständlich. Schon im Vorfeld wurde jede der sechs EM-Gruppen mit je zwei Austragungsorten verknüpft. Bei erfolgreicher Qualifikation starten deshalb die zwölf Gastgeberländer automatisch in "ihrer" Gruppe - ganz egal, in welchem der vier Töpfe sie nach Abschluss der Qualifikation landen.

Welche Gruppe gehört zu welchem Austragungsort?

Gruppe A: Italien (Stadio Olimpico, Rom), Aserbaidschan (Olympiastadion, Baku)
Gruppe B: Russland (St.-Petersburg-Stadion), Dänemark (Parken-Stadion, Kopenhagen)
Gruppe C: Niederlande (Johan Cruijff ArenA, Amsterdam), Rumänien (National Arena, Bukarest)
Gruppe D: England (Wembley, London), Schottland (Hampden Park, Glasgow)
Gruppe E: Spanien (San Mamés, Bilbao), Irland (Dublin Arena)
Gruppe F: Deutschland (Allianz-Arena, München), Ungarn (Ferenc-Puskas-Stadion, Budapest)

Was bedeutet das alles für Deutschland?

Sollte sich die Nationalelf wie geplant als Gruppenerster oder -zweiter qualifizieren, wird sie automatisch Gruppe F zugeordnet, selbst wenn sie - so wie es momentan aussieht - als Gruppenzweiter im zweiten Setztopf landen sollte. In München werden drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen (in dem allerdings weder der Erste noch der Zweite der Gruppe F spielen wird).

Auf wen kann Deutschland in der EM-Vorrunde nicht treffen?

Klar ist schon jetzt: Mit Ausnahme von Ungarn ist ein Duell mit einem anderen Gastgeberland während der Gruppenphase ausgeschlossen - Italien, Aserbaidschan, Russland, Dänemark, Niederlande, Rumänien, England, Schottland, Spanien und Irland sind keine möglichen Gruppengegner.

Und welche Gegner wären wahrscheinlich?

Sollte sich Deutschland gemeinsam mit Ungarn qualifizieren, stünde bereits vor der Auslosung fest, dass beide Mannschaften in der Gruppe F aufeinandertreffen (ob in München oder Budapest, wird ausgelost). Ungarn ist derzeit hinter Kroatien und vor der Slowakei (ein Spiel weniger) Gruppenzweiter in der Qualifikationsgruppe E, gastiert zum Abschluss noch in Wales.

Außerdem läuft vieles auf ein deutsches Duell mit der Ukraine hinaus. Der EM-Gastgeber von 2012 hat sein EM-Ticket bereits sicher und ist drauf und dran, als einer der besten sechs Gruppenersten im ersten Lostopf zu landen. Italien, die Niederlande, England und Spanien, die nach jetzigem Stand ebenfalls dem ersten Topf angehören würden, dürften in "ihre" Heim-Gruppe, für die Ukraine blieben nur noch Gruppe B und F. Doch weil die Ukraine laut UEFA-Beschluss aus politischen Gründen nicht auf Russland treffen darf, wäre die St.-Petersburg-Gruppe B für sie "gesperrt".

Und wann ist jetzt die Auslosung?

Nun, am 30. November (18 Uhr, LIVE! bei kicker.de) werden 20 der 24 Mannschaften auf die sechs Gruppen verteilt. Doch es droht eine Farce: Mehrere Konstellationen - siehe Deutschland, Ungarn, Ukraine - stehen wohl schon nach Abschluss des letzten Qualifikationsspieltags fest (17. bis 19. November). Gleichzeitig müssen die vier Gewinner der Play-offs im Nachhinein noch integriert werden. Und weil dann Sonderfälle drohen, etwa dass sich ein Gastgeberland noch nachträglich qualifiziert oder plötzlich ein politisch heikles Duell droht, könnte nach Abschluss der Play-offs (29. bis 31. März) eine zweite EM-Auslosung nötig werden. Die UEFA hat sie passenderweise auf den 1. April datiert.

jpe

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