Höchstwert nach 7. Spieltag

Historisch! Mehr Auswärts- als Heimsiege in der Bundesliga

Auswärtscoup: Hoffenheim entführte die Punkte aus München

Auswärtscoup: Hoffenheim entführte die Punkte aus München. imago images

25 Auswärtssiege nach sieben Spieltagen: Das ist ein historischer Höchstwert, zuvor waren 24 Rekord, aufgestellt in der Saison 2011/12 und 2015/16. Das bedeutet: 39,7 Prozent der Spiele wurden in dieser Saison von den Auswärtsteams gewonnen. Der bislang höchste Anteil am Saisonende waren 33,3 Prozent (2010/11), der niedrigste 16,3 Prozent (1975/76). Nur 23 Heimsiege nach sieben Spieltagen: Das gab es zuvor nur einmal (2004/05). Insgesamt wurden damit 36,5 Prozent der Spiele in dieser Saison von den Heimteams gewonnen (nur 15 von 63 Spielen endeten mit einem Unentschieden). Der bislang niedrigste Anteil am Saisonende waren 40,2 Prozent (1990/91 und 1995/96), der höchste 62,4 Prozent (1977/78).

Doch woran könnte das liegen? Eine einfache allgemeingültige Erklärung lässt sich dabei nicht finden. Dass Freiburg alle drei Auswärtsspiele gewonnen hat, hängt auch mit "glücklichen Spielentwicklungen" zusammen, meint Sportvorstand Jochen Saier. Womöglich, vermutet der 41-Jährige, liege es auch an der mittlerweile bevorzugten Spielweise vieler Teams, der "Veränderung des Fußballs". Es gebe "nicht mehr viele Mannschaften, die aus dem Ballbesitz heraus das Spiel komplett kontrollieren und dominieren können". Der Knackpunkt hierbei: "Oft müssen Mannschaften im Heimspiel gezwungenermaßen das Spiel machen", sagt Peter Neururer, der 224-mal in der Bundesliga und 352-mal in der 2. Liga als Trainer an der Seitenlinie stand. "Das Spiel nach vorne beherrschen nur wenige Teams, verteidigen können heutzutage alle." So kommt es, dass die Profis vor heimischer Kulisse in ungewohnte Rollen schlüpfen müssen, während sich die Gäste auf ihr Kerngebiet konzentrieren können.

Huub Stevens bringt den mentalen Aspekt ins Spiel. "Womöglich spüren die Spieler von den Fans den Druck, unbedingt gewinnen zu müssen", sagt Schalkes Jahrhundert-Trainer. "Dann kann es passieren, dass man zu viel will." Das daraus resultierende, häufig unbewusst eingegangene Risiko könne gefährlich sein.

Ähnlicher Trend in Italien

Und im Ausland? Wie in der Bundesliga lässt sich auch in Italien ein Auswärtstrend erkennen - und das bereits seit einigen Jahren. In den vergangenen sieben Spielzeiten gab es in der Serie A in 380 Partien jeweils mehr als 100 Auswärtssiege. Dabei wurden mehrfach neue Rekorde aufgestellt: Zuletzt 2017/18 mit 133 Siegen in der Fremde - bei 164 Heimsiegen. Aktuell liegt der Anteil von Auswärtssiegen in Italien bei 40,6 Prozent und damit sogar höher als in der Bundesliga.

Ganz anders sieht das Bild allerdings in den anderen großen Ligen aus. In England (30 Prozent Auswärtssiege), Frankreich (26,7) und Spanien (25) gibt es deutlich weniger Auswärtssiege. Und auch in der 2. Bundesliga (29,6) und der 3. Liga (31,8) liegt die Quote deutlich niedriger.

Georg Holzner/tru

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