Bierhoff-Vorschlag zur Liga-Teilung erntet keine Zustimmung

Traditionsvereine in der 3. Liga: Fluch oder Segen?

Traditionsvereine wie Braunschweig, 1860 und der FCK halten auch das mediale Interesse hoch.

Traditionsvereine wie Braunschweig, 1860 und der FCK halten auch das mediale Interesse hoch. imago images

"Primäres Ziel der Klubs ist sicherlich der sportliche Erfolg. Es ist sicherlich nicht das Ziel, alleine den Ausbildungszweck zu suchen. Ob wir hier die Weltmeister von morgen ausbilden, dass muss sich erst noch zeigen", sagte Tom Eilers, Lizenzspiel-Chef beim SV Darmstadt 98 und Vorsitzender des neu gegründeten Ausschusses der 3. Liga, bei einer DFB-Presserunde am Mittwoch.

Der 49-Jährige reagiert damit auf den Vorstoß von Oliver Bierhoff, der für eine bessere Nachwuchsförderung junger Talente einen zwei- oder gar dreigleisigen Unterbau der beiden ersten deutschen Spielklasse ins Spiel brachte. Zuvor hatten sich bereits Vereinsvertreter kritisch geäußert.

Das klare Ziel muss es sein, mehr Erlöse zu generieren. Das kann aber nur in einer eingleisigen Liga umgesetzt werden.

Mario Kallnik, Geschäftsführer Magdeburg

Auch Mario Kallnik, Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg, vertritt eine ähnliche Position. Der als Vereinsvertreter ebenfalls zum neu gegründeten 3.Liga-Ausschuss gehörende Funktionär sieht die Liga in ihrer jetzigen Form gut aufgestellt. "Es ist - zumindest sportlich gesehen - ein funktionierendes Modell", betonte der 44-Jährige. Gerade die schwierige finanzielle Situation vieler Drittligisten würde sich in einem mehrgleisigen Modell weiter zuspitzen, fügte Eilers an: "Das klare Ziel muss es sein, mehr Erlöse zu generieren. Das kann aber nur in einer eingleisigen Liga umgesetzt werden."

Mediales Interesse nicht gesunken

Auch die mediale Berichterstattung trägt dazu bei, den jetzigen Zustand aufrecht erhalten zu wollen. Auch wenn die Reichweite in der TV-Berichterstattung im Vergleich zur Vorsaison rückläufig ist. Der Rückgang von 27 Prozent ist jedoch auf die veränderte Medienrechte-Konstellation zurückzuführen, nicht auf ein gesunkenes Interesse. "Medial ist die 3.Liga für die Klubs sehr gut, dank des hohen Präsens in den öffentlich-rechtlichen Sendern sowie im Pay-TV", erklärte auch Kallnik. "Wie würde sich das bei einer Teilung der Liga entwickeln?", stellte er zudem als Frage in dem Raum und ließ dabei erkennen, dass eine Aufteilung der Liga in dieser Hinsicht wohl kaum positive Aspekte mit sich bringen würden.

Spitzenreiter bei der Reichweite, sei es im TV, in der Print- und Onlineberichterstattung oder in den sozialen Netzwerken sind - wenig überraschend - die Traditionsvereine. Der 1. FC Kaiserslautern, 1860 München, Eintracht Braunschweig, Karlsruher SC und Hansa Rostock - um die reichweitenstärksten Vertreter zu nennen.

Viele "gefühlte" Erstligisten

Doch die namhaften, vermeintlich großen Klubs sorgen nicht nur für positive Schlagzeilen. Sie steuern den Großteil zur finanziellen Problematik bei. Zwar sind die Erträge aller Klubs um 20 Prozent auf 185 Millionen Euro gestiegen. Doch zum neunten Mal in elf Jahren wird im Durchschnitt ein Jahresfehlbetrag ausgewiesen. Mit über 1,5 Millionen Euro im Schnitt pro Verein sogar der höchste seit Gründung der Liga.

Und den Mammutanteil der Verluste tragen die großen Namen dazu bei. "Da sind viele Klubs, die von ihrer Struktur, dem Stadion und dem ganzem Umfeld in der 1. oder 2. Liga spielen müssten. Die Fixkosten lassen sich nach einem Abstieg nicht vom einen auf den anderen Tag herunterschrauben", erklärte Manuel Hartmann, Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen und Wettbewerbe beim DFB, die Problematik.

Die Liga sei weiterhin ein "schwieriges Spannungsfeld zwischen der 2. Liga und der Regionalliga", so Hartmann weiter. Viele Vereine müssen ein hohes Risiko bei der Kaderzusammenstellung gehen, um den strukturellen Problemen mit dem Aufstieg wieder aus dem Weg gehen zu können. Doch maximal drei Teams dürfen die Liga verlassen, Ambitionen haben wesentlich mehr.

Verbindlichkeiten verdoppelt auf 113 Millionen Euro

Verdeutlicht wird die brisante Lage durch den drastischen Anstieg der summierten Verbindlichkeiten. Beliefen sich diese zuletzt über Jahre auf einem ähnlichen Niveau (2017: 65 Millionen), verdoppelte sich der Betrag binnen eines Jahres fast auf nun 113 Millionen Euro. Auch hier geht der Blick wieder auf die Traditionsvereine. Alleine der 1. FC Kaiserslautern brachte bei seinem Abstieg im Sommer 2018 einen Schuldenberg in Höhe von 17 Millionen Euro mit. In diesem Sommer musste der viermalige deutsche Meister erneut rund zehn Millionen Euro aufnehmen, um die Insolvenz abzuwenden.

Eines verdeutlicht dieses Beispiel: Der erstmalige Abstieg in die 3. Liga ist für größere Vereine existenzbedrohend und ohne strukturelle Veränderungen auf Dauer nicht zu stemmen. Selbst ein oder zweijähriges Intermezzo gerät zum Drahtseilakt. Der DFB mahnt zur "wirtschaftlichen Vernunft". Ob das auf Dauer reicht, um mögliche Insolvenzverfahren zu verhindern, bleibt abzuwarten.

Moritz Kreilinger