Wolfsburg: Ginczek in dieser Woche auf dem Platz

"Am Ende dann wie Ibrahimovic..."

Daniel Ginczek

Startet nach OP wieder mit individuellem Balltraining: Daniel Ginczek. imago images

Der Muskelkater gehört auch irgendwie dazu. Daniel Ginczek kennt dieses Gefühl zur Genüge, leider. Zur Abwechslung, auf die er freilich gerne komplett verzichtet hätte, erwischte es Wolfsburgs Angreifer in diesem Sommer nicht am Fuß oder Knie, sondern am Rücken. Nach einer unabdingbaren Operation steuert er in der Reha inzwischen auf die Zielgerade zu.

"Sechs Wochen durfte ich fast gar nichts machen. Die ersten Läufe waren dann dreimal fünf Minuten - Pause", schildert der 28-Jährige den positiven und vor allem schnellen Verlauf seines Comebacks. "Innerhalb von sieben bis zehn Tagen konnten wir es auf 40 Minuten steigern, der Rücken hat nicht reagiert."

Spielersteckbrief Ginczek

Ginczek Daniel

Trainersteckbrief Glasner

Glasner Oliver

VfL Wolfsburg - Vereinsdaten

Gründungsdatum

12.09.1945

Vereinsfarben

Grün-Weiß

Die vielen Verletzungen, sagt er, hätten ihn auch als Mensch verändert. "Ich habe mehr Demut bekommen, ich gehe anders mit gewissen Situationen um." Auch diesmal sei er ob des abermaligen Rückschlags natürlich geschockt gewesen. "Doch es geht weiter. Ich will auf den Platz, vielleicht schon Ende dieser Woche, mit individuellem Balltraining."

Ich kann es nicht ändern. Ich hoffe, dass ich später alles am Ende dranhängen kann. Wie so ein Ibrahimovic. Dass ich dann einfach noch ein paar Jahre mehr habe.

Daniel Ginczek über seine vielen Verletzungen

Im Laufe der Zeit hat Ginczek eine gewisse Routine im Umgang mit den Blessuren entwickelt. Und sogar Vorteile aus dem Nachteil gezogen. "Wenn man fit ist, hat man nicht die Zeit, individuell an seinem Körper zu arbeiten. Diese Phasen nutze ich dafür. Einerseits um Abstand zu gewinnen, auf der anderen Seite, um mich optimal aufs Mannschaftstraining vorzubereiten."

Dass es gerade ihn so oft trifft, "ist beschissen", sagt Wolfsburgs Pechvogel Nummer eins. "Aber ich kann es nicht ändern. Ich hoffe, dass ich später alles am Ende dranhängen kann. Wie so ein Ibrahimovic. Dass ich dann einfach noch ein paar Jahre mehr habe." Verändert hat er dafür nicht nur den Umgang mit dem eigenen Körper, sondern etwa auch die Ernährung und das Schlafverhalten. "Man lernt nie aus. Ich war früher immer Langschläfer. Jetzt stehe ich um 6.30 Uhr, spätestens um 7 Uhr auf und gehe abends entsprechend früher Schlafen. Ich habe da einen neuen Rhythmus entwickelt. In der Frühe bin ich am aufnahmefähigsten, deshalb fange ich um 7.45 Uhr mit der Reha an."

Die bisherigen Spiele der Wölfe hat Ginczek von außen aufmerksam verfolgt. "Wichtig ist, dass wir uns wieder entwickeln. Wie im letzten Jahr. Wir sind Zweiter und ungeschlagen, also auf einem guten Weg." In Oliver Glasners neuem 3-4-3 fände er sich gut aufgehoben. "Ich habe schon im Mai mit dem Trainer gesprochen, er hat mir meine Rolle aufgezeigt. Sie passt mir gut. Ich arbeite darin viel für die Mannschaft, suche die tiefen Läufe, die wir brauchen, um schnell nach vorne und zum Torabschluss zu kommen. Das habe ich in Stuttgart schon bei Alex Zorniger so gespielt, ich mag diesen Stil."

Ab Platz vier ist alles möglich. Wir wollen wieder international spielen.

Daniel Ginczek über seine Ziele mit dem VfL

Das Verhältnis zu Top-Stürmer Wout Weghorst sieht er einerseits als Konkurrenzkampf. "Wout ist aber noch ein anderer Spielertyp, der mehr die Bälle hält und mit dem Rücken zum Gegner besser ist als ich. Ich brauche eher ein bisschen Platz. Letztes Jahr habe ich auch hinter ihm gespielt, das ist wieder denkbar, auch wenn es die anderen Jungs dort gerade sehr gut machen."

Den weiteren Ablauf seiner schrittweisen Rückkehr hat Ginczek klar vor Augen. "Am liebsten würde ich im November nach der nächsten Länderspielpause wieder spielen. Mal gucken, wie es sich weiter entwickelt. Derzeit bin ich dem Zeitplan etwas voraus. Ich hoffe, dass es dann vor dem Winter noch zu ein paar Kurzeinsätzen reicht." Und danach? Ist Ginczek für den weiteren Saisonverlauf heiß darauf, hohe Ziele mit dem VfL zu erreichen, die relativ ausgeglichene Liga gibt es für ihn her. "Wenn Dortmund und Bayern wieder einen Flow bekommen, werden sie wohl vorweggehen. Auch in Leipzig passt es mit Nagelsmann gut", sagt er zwar. "Aber ab Platz vier ist alles möglich. Wir wollen wieder international spielen, unser Kader ist dafür breit genug aufgestellt."

Michael Richter