Nach Aussagen im kicker-Interview

Bierhoffs Reform-Ansatz: Vereine äußern sich kritisch

Sieht viel Gegenwind auf sich zukommen: Oliver Bierhoff

Sieht viel Gegenwind auf sich zukommen: Oliver Bierhoff. imago images

Nationalmannschafts-Sportdirektor Oliver Bierhoff hatte im kicker-Interview die Frage aufgeworfen , ob es helfen würde, die 3. Liga in Zukunft wieder zweigleisig oder gar dreigleisig laufen zu lassen. Dem 51-Jährigen fehle es aktuell an der "Auswahl an jungen deutschen Spielern, wie es zum Beispiel vor zehn Jahren der Fall war".

Uerdingens Geschäftsführer Nikolas Weinhart gab gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) zu bedenken: "Eine Zwei- oder gar Dreiteilung würde aus unserer Sicht die Attraktivität und die sportliche Qualität dieser Liga reduzieren." Mit der These Bierhoffs, dass nur noch wenige junge deutsche Profis den Weg in die Bundesliga schaffen , zeigte sich Weinhart nicht einverstanden, da die Talente besser werden würden, wenn sie sich möglichst früh mit starken Spielern messen würden. In dieselbe Kerbe schlug auch Duisburgs Geschäftsführer Ivica Grlic. Die Liga hat sich "unter den aktuellen Rahmenbedingungen als adäquate Ausbildungsstation für Spieler der höheren Ligen erwiesen", so Grlic. Zudem sei "der Sprung zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga nicht allzu groß" und die Liga sportlich "sehr homogen, was sowohl der Attraktivität für Zuschauer als auch den Spielern zugutekommt".

Vor allem aber zeigte man sich auf Seiten der Vereine über den Zeitpunkt der Aussage irritiert. Denn von der Idee habe Grlic beispielsweise von den Medien erfahren, noch bevor sich Vereine und Verband bezüglich eines Konzepts zusammengesetzt hatten. Da am Mittwoch die alljährliche Pressekonferenz zur Situation und Entwicklung der 3. Liga ansteht, war Rostocks Vorstandschef Marien mindestens genauso über den Zeitpunkt der Aussage irritiert, ja sogar sauer: "Zwei Tage vorher kommt da so eine Breitseite aus dem eigenen Haus! Da frage ich mich, ob beim DFB überhaupt miteinander gesprochen wird", so der 38-Jährige gegenüber der "Ostsee-Zeitung".

Einfall Bierhoffs "völlig deplatziert"

Er sei darüber erstaunt, "dass beim DFB ständig irgendeine Idee rausgehauen werden kann, ohne sich der daraus resultierenden Konsequenzen bewusst zu sein", kritisierte der Vorstandsvorsitzende der Rostocker Bierhoffs Vorschlag sehr scharf. Der Einfall des Nationalmannschafts-Sportdirektors sei des Weiteren "völlig deplatziert". Laut Marien sei Bierhoff außerdem nie bei einer Managertagung der 3. Liga gewesen, "spricht aber öffentlich über eine mögliche zukünftige Ausrichtung dieser Liga."

Bierhoffs Argumentation bezüglich der 3. Liga treffe Marien zufolge außerdem nicht den Kern der Probleme. Es wäre eher "ein bisschen dünn und fraglich", wie eine mehrgleisige 3. Liga Nachwuchsprobleme im deutschen Fußball lösen solle. Die "abgeschottete Nationalmannschaft" mit ihrer geplanten millionenschweren DFB-Akademie sei außerdem "weit, weit weg vom Fußball unterhalb der 2. Bundesliga".

kon