Historisches Duell in Pjöngjang

Nordkorea gegen Südkorea - und so gut wie niemand sieht's

Heung-Min Son

Zu Gast in Nordkorea: Südkoreas Stürmer Heung-Min Son. imago images

Lange Zeit hielt sich der nordkoreanische Verband bedeckt im Hinblick auf drängende Fragen wie die Anreise von Zuschauern, Journalisten oder Fernsehteams. Inzwischen weiß man: Das alles wird es nicht geben, denn Gäste-Fans und Journalisten erhielten keine Visa, werden als nicht da sein - und von einer TV-Übertragung wird auch abgesehen.

Zumindest die aus 55 Personen bestehende südkoreanische Delegation (Spieler, Trainer, Betreuer) wird aber vor Ort sein. Der Tross musste jedoch einen größeren Umweg nehmen, um nach Nordkoreas Hauptstadt zu kommen. Einen Direktflug aus Seoul gibt es nicht, sodass die Südkoreaner über Peking fliegen mussten. Und die Rückreise könnte sich auch ein wenig hinziehen, denn planmäßig startet der nächste Flug nach Peking erst wieder am Donnerstag.

Nordkoreas einziger Heimsieg

Zuvor dreht sich aber alles um den Fußball - und das erste Duell dieser beiden Nationen auf nordkoreanischem Boden seit 29 Jahren: Am 11. November 1990 gewann der Norden in einem Freundschaftsspiel mit 2:1 - bis heute der einzige Sieg des Nordens über den Süden. In den Folgejahren gab es zwar immer wieder Aufeinandertreffen dieser beiden Nationen, allerdings wurden die Heimspiele der Nordkoreaner in China ausgetragen.

Schwere Vorwürfe und schöne Szenen

Am 1. April 2009 gab es übrigens das letzte Pflichtspiel dieser beiden Nationen auf südkoreanischem Boden. Damals gewannen die Taeguk Warriors in Seoul im Rahmen der WM-Qualifikation mit 1:0. Das Spiel blieb weniger ob des Resultates in Erinnerung, sondern eher wegen besonders schwerer Beschuldigungen, die der damalige nordkoreanische Trainer Kim Jong-Hun erhoben hatte. Dieser hatte behauptet, seine Spieler wären im Vorfeld der Partie vergiftet worden und hatte die Pressekonferenz nach dem Spiel wutentbrannt verlassen. Südkoreanische Ärzte vor Ort hatten jedoch nichts Ungewöhnliches festgestellt. Und weil Nordkorea detaillierte Untersuchungen wie Blutproben verweigerte, blieb es bei den unbestätigten Beschuldigungen.

Das Rückspiel damals fand in Shanghai statt - und bot schönere Bilder: Sowohl nord- als auch südkoreanische Zuschauer waren zugegen und sorgten beim 1:1 für eine gute Atmosphäre. Nach Abpfiff wurden beide Teams auch noch warmherzig von Fans beider Lager verabschiedet.

Ist Sicherheit die oberste Devise?

Und auch diesmal dürfte die Hoffnung groß sein, dass alles friedlich bleibt - ein volles Stadion wird dann doch erwartet. Die "Glücklichen" vor Ort werden dann wohl auch die einzigen Personen sein, die das Spiel sehen werden. Sportlich ist dabei nicht unbedingt ein Torfestival zu erwarten. So fielen in den letzten vier Duellen dieser beiden Verbände gerade mal vier Tore, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass hüben wie drüben eine Niederlage tunlichst vermieden werden soll und infolgedessen eine sicherheitsorientierte Spielweise präferiert wird.

Ein Sieg hätte für beide große Bedeutung

Das könnte auch diesmal so werden, denn tabellarisch sieht es für beide Mannschaften gut aus. Mit zwei Siegen aus zwei Spielen und sechs Punkten führen Nord- und Südkorea die Staffel H vor Turkmenistan (3), Libanon (3) und Sri Lanka (0) an. Beide haben folglich gute Aussichten auf die 3. Runde der asiatischen WM-Qualifikation. Allerdings kommen nur die acht Gruppensieger und die vier besten -zweiten weiter, sodass ein Sieg im Spitzenspiel für beide nicht nur aus Prestigegründen bedeutend ist.

Südkoreas Stürmerstar Heung-Min Son dürfte das ebenso klar sein, der ehemalige Bundesliga-Profi wird in der Startelf erwartet. Beim Gegner ruhen die Hoffnungen übrigens auf Kwang-Song Han, der in Italien bei Juventus Turin unter Vertrag steht - dort kommt der 21-Jährige allerdings nur in der zweiten Mannschaft bislang zum Einsatz.

drm