Vorschau auf die MLS-Play-offs 2019

Meister gesucht: Warum "Ibras" Versprechen auf wackligen Füßen steht

Zlatan Ibrahimovic

Traf in der regulären Saison 30-mal: Zlatan Ibrahimovic. Getty Images

Der Meister zuerst, so wie sich das gehört. Hinter Atlanta United liegt eine Saison, die holprig begann und fast verheerend endete. Nach Startschwierigkeiten unter dem neuen Trainer Frank de Boer hatte der Titelverteidiger peu à peu in die Spur gefunden und das Ticket für die Play-offs letztlich doch sehr souverän gelöst.

Wie auch im letzten Jahr traf Torschützenkönig Josef Martinez (er wurde inzwischen vom Thron verdrängt, mehr dazu gleich) wie er wollte, und vor allem 15 Spiele in Folge. Für ein paar Beinahe-Atemstillstände sorgte seine Ende September erlittene Knieverletzung, die letztlich nicht so schlimm war wie befürchtet. Martinez ist ebenso einsatzbereit wie Julian Gressel, der seine persönlich beste Saison auf den Rasen gebracht hat. In 33 Einsätzen steuerte der 25-jährige Franke sechs Tore und elf Vorlagen bei.

Atlanta bekommt es wie schon im abschließendes Regular-Season-Spiel (3:1) mit New England Revolution zu tun. Das Team aus Massachusetts hat sich nach einem fürchterlichen Start und der Entlassung von Brad Friedel unter Nachfolger und Trainer-Ikone Bruce Arena deutlich gesteigert und von den restlichen 22 Saisonspielen nur noch drei verloren.

Der Los Angeles FC ist offiziell das beste Team der MLS-Geschichte

Jetzt zum besten Team der MLS-Geschichte: Der Los Angeles FC hat den Punkterekord der New York Red Bulls aus der vergangenen Saison (71) überboten und ist mit 72 Zählern souverän Supporters-Shield-Sieger geworden; die offizielle Krönung des besten Teams der Regular Season. Vor allem aber hat die Mannschaft von Coach Bob Bradley einen begeisternden Fußball geboten und mit 85 Treffern die mit großem Abstand beste Offensive der Liga gestellt. Zum Vergleich: Das nächstbeste Team ist Eastern-Conference-Primus New York City FC - mit 63 Toren.

Carlos Vela, der offiziell erste Spieler des 2017 an den Start gegangenen Klubs, wird mit ziemlicher Sicherheit neuer MVP werden - die Torjäger-Kanone hat er Josef Martinez schon geklaut und auch dessen Tor-Rekord aus der Vorsaison (31) mit 34 Treffern überboten. Der Mexikaner kann, so wie er das nicht selten getan hat in diesem Jahr, Spiele alleine entscheiden. Für den Anfang darf der LAFC aber die wohlverdiente "Bye-Week" genießen und zuschauen, wer der Gegner in den Conference-Halbfinals sein wird.

Ibrahimovic kündigte den Titel an - es könnte schon im ersten Spiel schiefgehen

Und Zlatan? Der hat vor der Saison versprochen, Galaxy in seinem zweiten Jahr in Los Angeles den Titel zu bringen. Das Team von Coach Guillermo Schelotto hat bisher allerdings nicht unbedingt anmuten lassen, dass aus diesem Versprechen etwas wird. Defensiv zu wacklig und offensiv mit zu vielen Leistungsschwankungen kommt der fünfmalige Champion daher.

In den USA wird vermutet, Ibrahimovic, der bemerkenswerte 30 Tore erzielte, hebe sich das Beste noch für die Play-offs auf. Unterstützung erhält der Schwede vom hochkarätigen Sommer-Neuzugang Christian Pavon. Der Argentinier, der nach der WM 2018 auch bei Europas Elite im Gespräch gewesen war, fügte sich in elf Spielen mit drei Toren und sechs Vorlagen ein.

Viel wird erwartet von "Ibra" & Co, doch die Aufgabe in Minnesota hat es gleich mal in sich. Von den 20 Pflichtspielen im nagelneuen Allianz Field verlor Pokalfinalist United nur ein einziges. Seit dieser Saison entscheidet sich das Schicksal jedes Teams in einer Partie statt wie bisher in zwei. Ein schlechter Tag reicht also, und Zlatans Versprechen löst sich in Luft auf.

Philadelphia, NYCFC oder Seattle: Wer trumpft auf?

Und sonst so? Philadelphia Union, Tabellendritter im Osten, bekommt es mit den Red Bulls, Sechster zu tun. Toronto und DC United - mit Wayne Rooney letzten Schritten in der MLS - komplettieren das Feld auf der rechten Halbseite, der NYCFC darf als Erster zuschauen. Im Westen sind die Seattle Sounders abgeklärt genug, um die Aufgabe FC Dallas in Runde eins zu lösen. Und der Dritte, Real Salt Lake, rechnet sich im Heimspiel gegen zuletzt wacklige Portland Timbers Chancen aus.

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mkr

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