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Quak! Quak! Bei den Pittsburgh Steelers übernimmt nun ein Entenruf-Champion - Nach dem Aus von "Big Ben" Roethlisberger und nach dem Aus von Mason Rudolph wird ab sofort Undrafted Agent Devlin Hodges "Steel City" anführen

Nach Aus von Roethlisberger und nach Aus von Rudolph

Quak! Quak! Bei den Steelers übernimmt nun ein Entenruf-Champion

Devlin Hodges

Undrafted Agent der NFL - und plötzlich im Rampenlicht bei den Pittsburgh Steelers: Quarterback Devlin Hodges. imago images

Devlin Hodges hat noch nicht ein Spiel in der großen National Football League absolviert - und darf sich trotzdem schon Weltmeister nennen. Allerdings in einer anderen Sportart: Denn der 23-jährige Junge aus Kimberly/Alabama ist tatsächlich Champion in der in den Vereinigten Staaten verbreiteten, kuriosen wie eigenwilligen Disziplin des Enten-Lockrufs.

Im Jahre 2009 gewinnt Hodges, der mit seinem jüngeren Bruder und Vater seit Kindestagen an auf Entenpirsch geht, nach Trainingsstunden in Stuttgart/Arkansas bei Entenruf-Legende Butch Richenback den sogenannten "Junior World Duck Calling Contest". Und obwohl der früher auch auf Schlittschuhen im Eishockey höchst begabte Sport-Fanatiker aufgrund seiner zwischenzeitlich dazukommenden Passion für Football in den letzten Jahren etwas weniger Entenrufe trainiert (Mutter Amy: "Es ist bei uns immer extrem laut gewesen"), so gewinnt er im vergangenen Jahr auch noch die "Alabama State Duck Calling Championship".

"Er kann Monate damit verbringen, nicht einen Entenruf zu praktizieren, um am Ende doch einen Wettbewerb zu gewinnen", so seine Mutter Amy jüngst gegenüber "ESPN". "Ich vergleiche das gern mit einem Musikinstrument. Entweder du kannst es - oder eben nicht."

Die "Ente" erhält einen Anruf aus der NFL

Und ihr Sprössling kann es - und zwar auch im American Football. Im Alter von fünf Jahren betritt er erstmals das Feld und wirft direkt einen Touchdown-Pass. Über die Mortimer Jordan High School in Kimberly/Alabama kommt er später auf der Samford University für die Bulldogs zum Zuge und stellt Rekorde auf, wirft in 45 Spielen unter anderem für ganze 111 Touchdowns und 14.584 Yards (interner Rekord). Zwischenzeitlich bekommt der heute 23-Jährige von seinem Trainer Chris Hatcher schnell den Spitznamen "Duck" verpasst, den sämtliche Team- und Klassenkameraden schnell übernehmen. "Wenn du hier bei uns Devlin schreist, wissen die Leute nicht, wen du meinst", sagt Samfords Offensive Coordinator Russ Callaway, der auf seinen früheren Schützling große Stück hält: "Er ist vielleicht der beste Spieler der FCS-Geschichte. Er hat vielleicht nicht den unglaublichen Arm wie Goff (Los Angeles Rams; Anm.d.Red.), aber er ist nicht weit davon entfernt."

Deswegen sucht Hodges auch die Chance in der NFL, geht in den diesjährigen Draft - und wird nicht gezogen. Doch Pittsburgh will sich den Spieler näher ansehen und lädt ihn zum Training ein, händigt außerdem am 13. Mai einen Vorvertrag aus - nur um den Akteur am 31. August wieder zu streichen. Die erste Chance scheint vertan - und Hodges befindet sich auf dem Weg für ein Probetraining bei den New York Jets. Doch dann ruft sein Agent an und teilt ihm mit, dass die Steelers ihren dritten Spielmacher Josh Dobbs zu den Jaguars ziehen lassen und ihn zurück wollen. Und weil zu diesem Zeitpunkt Star-Quarterback Ben Roethlisberger schon mit einer Ellenbogenverletzung samt Operation für den Rest dieser Saison ausfällt, steigt Hodges direkt zum zweiten Mann hinter Mason Rudolph auf.

Plötzlich Pittsburghs Nummer 1

Devlin Hodges

Ab sofort von Beginn an bei den Pittsburgh Steelers gefragt: Quarterback und Entenruf-Experte Devlin Hodges. imago images

Doch nicht nur das: Nach vier Einsätzen für "Steel City" und mehr als ordentlichen 646 Yards sowie sieben Touchdowns (zwei Interceptions) bricht Pittsburgh vergangenen Sonntag auch noch Rudolph, dem nach einem frontalen Tackling von Baltimores Earl Thomas kurz die Lichter komplett ausgehen, mit einer Gehirnerschütterung weg. Und plötzlich steht Hodges nicht mehr nur vor einer Hand voll Leute bei einem Entenruf-Wettbewerb, sondern auf der Weltbühne NFL - und damit im Rampenlicht der größten US-Sportart. Er bringt dabei sieben seiner neun Pässe für 68 Yards an (kein TD, keine Int.), kann die 23:26-Niederlage nach Overtime gegen die Ravens und das Abstürzen auf die 1:4-Bilanz zwar nicht mehr verhindern, deutet sein Können aber allemal an.

Das bewegt die stolzen Steelers, immerhin sechsmaliger Super-Bowl-Sieger, nun zu folgendem Schritt: Nachdem die Franchise aus Pennsylvania am Samstag offiziell das vorübergehende Aus von Rudolph (Gehirnerschütterung) verkündet hat, dürfte nun aller Voraussicht nach Hodges beim Gastspiel bei den Los Angeles Chargers (Sunday Night Game, 2.20 Uhr MESZ) erstmals von Beginn an übernehmen. Obwohl das Team auch noch Paxton Lynch (früher in Denver, zuletzt ohne Einsatz in Seattle) an Land gezogen hat.

Hodges: "Ich habe großes Zutrauen in mich selbst"

Überzeugt sind die Steelers auf jeden Fall vom Entenruf-Experten aus Kimberly/Alabama. Davon zeugt auch schon die Maßnahme von Head Coach Mike Tomlin, der Hodges einfach nur "Duck Dynasty" nennt - oder auch die Aussagen von Freund Adam McCurry ("Er ist mutig und ohne Furcht) oder Pittsburghs Wide Receiver JuJu Smith-Schuster: "Du kannst sehen, was er kann. Wir haben keine Angst." Das unterstreicht im Übrigen auch die "Duck Hodges" selbst: "Ich bereite mich immer so vor, als wäre ich selbst der Starter. Deswegen war ich auch nicht nervös, als ich letzte Woche rausgeschickt wurde. Ich war selbstbewusst. Denn ich habe großes Zutrauen in mich selbst."

Über Twitter hat Devlin Hodges übrigens selbst noch etwas ganz Brandaktuelles mitzuteilen: "Quak".

mag

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