Schalkes Trainer nach dem guten Start

Wagner bremst wieder: Europa "im Prinzip unmöglich"

David Wagner

Verfällt nicht in Euphorie: David Wagner. imago images

Ein Wasserflugzeug auf den Malediven, und "der Pilot hat mich beim Namen begrüßt". Schon vorher, am Flughafen, hatte der Zollbeamte gelächelt. "Hallo, Herr Wagner, schön, dass Sie bei uns Urlaub machen." Es war der Urlaub mit seiner Frau nach dem Ende der Zeit in Huddersfield, als David Wagner vor Augen geführt worden war, "was diese Liga", also die Premier League, "weltweit für eine Vermarktung und eine Wucht hat". Und das, obwohl er ja in England "nur ein kleines Licht" gewesen sei.

Mit dem kleinen Klub Huddersfield Town, diese Geschichte ist inzwischen auserzählt, hatte Wagner erst den Aufstieg in die Premier League geschafft und dann auch noch die Klasse gehalten. Huddersfield sei laut Wagners eigener Beschreibung eine Arbeiterstadt mit leerstehenden Gebäuden und verhältnismäßig weniger Einkommen. "Das ist krass", sagt der Schalke-Trainer nun im "SID"-Interview über die Parallele zu seinem jetzigen Arbeitsplatz in Gelsenkirchen. "Es ist genauso."

"Die Tabellenführung ist mir aktuell wirklich total egal"

Seit wenigen Monaten leitet der 47-Jährige nun die Geschicke beim FC Schalke und hat Königsblau dabei schnell wieder in die Spur gebracht. Nach dem Albtraumstart im Vorjahr mit fünf Niederlagen aus fünf Spielen ist S04 nun, nach sieben Partien, Sechster mit zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Gladbach.

Für ein paar Minuten hatten die Gelsenkirchener am späten Samstagabend selbst von Platz eins gegrüßt, mussten sich aufgrund eines Kopfballtores von Jonas Hector in der Nachspielzeit aber mit einem Punkt gegen Aufsteiger Köln begnügen (1:1). Wagner nimmt's gelassen. "Die Tabellenführung ist mir aktuell wirklich total egal, denn der Fokus liegt auf der Weiterentwicklung des Teams."

Das hat er, bis jetzt, gut hinbekommen. Wagner führt "viele Sachen" als Ursache an, warum die personell nur marginal veränderte Schalker Mannschaft plötzlich zu funktionieren scheint. "Vor allem möchte ich einen Aspekt dabei betonen: Ich bin auf eine Mannschaft getroffen, die total offen für den neuen Input, total arbeitswillig war, sicher auch ein Stück weit geläutert und geerdet durch die letzte Saison. Sie will beweisen, dass sie viel besser ist, als alle Leute von ihr denken und sagen - auch charakterlich."

Huddersfields Aufstieg oder Schalkes Europacup-Rückkehr?

Trotzdem hebt auf Schalke niemand ab, ganz sicher nicht Wagner, der schon nach dem Überraschungscoup in Leipzig (3:1) gemahnt hatte. "Alle die nach sechs Spieltagen und einem Auswärtssieg in Leipzig in Euphorie verfallen: Bitte gebt denen Tabletten!"

Ein Prinzip, das er beibehält. Zwar hätte Wagner nichts dagegen, wenn "wir nicht vielleicht sogar überperformen", aber eine sofortige Rückkehr in den Europapokal? "Im Prinzip unmöglich." So wie damals der Aufstieg mit Huddersfield.

mkr

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