Kommentar von kicker-Reporter Matthias Dersch

Löws Not-Elf liefert wichtige Erkenntnisse

Can, ter Stegen und Co: Deutschland zeigte zwei Gesichter.

Can, ter Stegen und Co: Deutschland zeigte zwei Gesichter. picture alliance

13 Absagen, dazu die angeschlagenen Marco Reus und Ilkay Gündogan nur auf der Bank - der Unmut Joachims Löws über den gebremsten Neuaufbau seiner umstrukturierten Mannschaft im Vorfeld des Duells gegen Argentinien war mehr als verständlich. Doch der Bundestrainer bewies Flexibilität, als er den Test kurzerhand als persönliche Bewährungschance für seine zusammengewürfelte Not-Elf einordnete - und nicht als Härtetest seines Umbruch-Kollektivs.

Heraus kam ein Unentschieden, das insgesamt Mut machte, auch wenn es nach der Halbzeitpause zum Bruch im bis dahin herrlich erfrischenden deutschen Spiel kam. In den ersten 45 Minuten zeigte sich die DFB-Elf mutig und klar in den Aktionen, sie war sichtlich um spielerische Lösungen bemüht, suchte den direkten Weg nach vorne - immer mit Tempo, immer mit Druck. Es war eine Hälfte, die wohlige Erinnerungen weckte an die junge und frische deutsche Mannschaft, die 2017 in Russland den Confed-Cup gewann und in der sich Löw in seinem vor einem Jahr eingeschlagenen Verjüngungskurs bestätigt sehen durfte. Die 45.197 Zuschauer im nur zu zwei Dritteln gefüllten Dortmunder Stadion quittierten die engagierte Vorstellung nachvollziehbar mit Applaus.

Wie von Löw angekündigt zählten diesmal die individuellen Eindrücke mehr als das blanke Ergebnis: Der unermüdliche Spieltrieb Serge Gnabrys, das Tempo und die Zielstrebigkeit Lukas Klostermanns, die erstaunliche Ruhe des Debütanten Robin Koch, die Robustheit Emre Cans - all das lieferte Löw Erkenntnisse, die ihm bei der Auswahl seines Kaders für die Europameisterschaft 2020 behilflich sein werden.

Argentinier offenbaren Fragilität des deutschen Gebildes

Als die ohne den gesperrten Superstar Lionel Messi angetretenen und insgesamt ebenfalls stark ersatzgeschwächten Argentinier nach dem Seitenwechsel dann umstellten und das Zentrum abdichteten, verlor der deutsche Auftritt merklich an Schwung. Später, durch die Hereinnahmen der sichtlich nervösen Debütanten Nadiem Amiri und Suat Serdar, auch an Sicherheit. Es folgten zwei Gegentore, die die in allen bisher erprobten Konstellationen nach wie vor vorhandene Fragilität des deutschen Gebildes offenlegten. Es fehlen noch die Abwehrkräfte, die Souveränität, die Abgeklärtheit, die eine Spitzenmannschaft auszeichnen. Erst recht natürlich in dieser Zusammenstellung, die so allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein weiteres Mal vorkommen wird.

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