Insolvenzverwalterin muss kurzfristig Sponsorengelder auftreiben

"5 Sekunden vor 12": Wattenscheids Lage ist dramatisch

SG Wattenscheid 09

Gehen bei der SG Wattenscheid 09 bald die Lichter aus? Die Lage ist dramatisch. imago images

"Es ist nicht mehr fünf Minuten, sondern eher schon fünf Sekunden vor 12 Uhr", sagte die Bochumer Rechtsanwältin Dr. Anja Commandeur, die am 1. Oktober als Insolvenzverwalterin eingesetzt wurde, dem kicker. Die Zeit drängt für die SGW.

Das Problem: Der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bochum wurde erst gestellt, als der Verein nach dem Rücktritt seines Aufsichtsratsvorsitzenden und Hauptgeldgebers Oguzhan Can schon mit zwei Monatsgehältern (Juli/August) für Spieler, Trainer und Angestellte im Rückstand war. Durch das Insolvenzgeld, das für drei Monate vom Arbeitsamt finanziert wird, war somit nur noch der September abgesichert. Heißt: Die Insolvenzverwalterin darf den Spiel- und Geschäftsbetrieb ab jetzt nur noch fortsetzen, wenn ausreichend Sponsorengelder oder entsprechende verbindliche Zusagen vorliegen.

Bis zum Saisonende wären mindestens 600.000 bis 700.000 Euro nötig, um die laufenden Kosten zu decken. Nur wenn dieses Geld durch Sponsoren aufgebracht werden kann, lassen sich die kurzfristige Einstellung des Spielbetriebs sowie ordentliche Kündigungen und Freistellungen für sämtliche Arbeitnehmer verhindern. "Viele ehrenamtliche Mitarbeiter und Fans stecken so viel Herzblut und Engagement in den Verein, dass ich eine solche Entwicklung sehr bedauern würde", sagt Commandeur.

Nach einer ersten Sponsorenveranstaltung, bei der sie ihr Konzept eines Insolvenzplanverfahrens vorgestellt hatte, hielten sich die Zusagen allerdings stark in Grenzen. Auch bei einem zweiten Treffen in dieser Woche blieb der erhoffte Durchbruch aus.

Einige Gespräche stehen in den nächsten Tagen noch an, lange warten kann Commandeur aber nicht mehr. "Wir benötigen kurzfristig Klarheit", sagt sie. Sonst sei es unvermeidlich, wegen fehlender Liquidität die sogenannte "Masseunzulänglichkeit" anzuzeigen und als Folge die 1. Mannschaft zurückzuziehen. In diesem Fall würden sämtliche Spiele der Wattenscheider aus der Wertung genommen und der Verein stünde als erster Absteiger aus der Regionalliga West fest.

Ralf Debat/ski