Politdebatte schwappt in den eSport

eSportler setzt sich für Hongkong ein und wird gesperrt

blitzchungDesaster: Seit 2017 spielt 'blitzchung' kompetitiv Hearthstone.

blitzchungDesaster: Seit 2017 spielt 'blitzchung' kompetitiv Hearthstone. Blizzard

Eigentlich hätte es ein ganz normales Interview werden sollen. Nach einem Sieg beim Hearthstone-Wettbewerb GrandMasters zeigte sich der erfolgreiche Spieler, Ng Wai 'blitzchung' Chung, jedoch maskiert im Stream und rief: "Befreit Hongkong, Revolution unseres Zeitalters". Ein Aufruf gegen die zunehmende politische Einflussnahme von China in Hongkong. Wenige Sekunden später ging die Übertragung in eine Werbeüberblendung und beendete das Interview.

Während der Vorfall noch vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhielt, eskalierte die Situation nach Blizzards Reaktion. Der Entwickler und Veranstalter hatte 'blitzchung' sein Preisgeld in Höhe von 3.000 US-Dollar entzogen und ihn für ein Jahr von jeglichen Hearthstone-eSport-Turnieren gesperrt. Grund sei ein Verstoß gegen das Regelbuch: Teilnehmern ist es verboten, Gruppen oder Teile der Gesellschaft öffentlich in Verruf zu bringen und damit Blizzards Image zu schaden. Das Unternehmen beendete zudem die Zusammenarbeit mit beiden Kommentatoren, die beim Interview zugegen waren und 'blitzchung' gewähren ließen.

Community stellt sich gegen Blizzard

Die Maßnahmen stießen auf heftige Reaktionen in Internetforen und sozialen Medien. In dem Zusammenhang wird Blizzard vorgeworfen, sich der chinesischen Macht auf Kosten der Meinungsfreiheit zu beugen, um möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen zu entgehen. Viele Spieler kündigten an, Blizzard-Titel fortan zu meiden. Einige Mitarbeiter demonstrierten zudem vor dem Unternehmensgebäude und ein US-amerikanisches Universitätsteam ging bei einem eigenen Turnier-Auftritt sogar so weit, ein Plakat mit der Aufschrift "Befreit Hongkong, boykottiert Blizzard" in die Kamera zu halten.

Beim koreanischen eSport-Portal Inven äußerte sich 'blitzchung' zu dem Vorfall: "Ich weiß, was mein Auftritt im Stream bedeutet. Es kann für viel Ärger sorgen, auch mit Blick auf meine persönliche Sicherheit. Aber ich sehe es als meine Pflicht, mich zu der Angelegenheit zu äußern."

Christian Mittweg