Daten und Fakten

Sonntagsfahrer René Rast: Die DTM-Saison 2019 in Zahlen

Überragende Saison, belohnt mit dem zweiten DTM-Titel: Audi-Pilot René Rast.

Überragende Saison, belohnt mit dem zweiten DTM-Titel: Audi-Pilot René Rast. picture alliance

Gehamstert: Gleich fünfmal gelangen Konstrukteurs-Champion Audi mehr als 70 Punkte an einem Wochenende, dazu noch weitere viermal mehr als 60 Punkte. Der BMW-Topwert hingegen bleibt bei 54 Punkten (Hockenheim-1, Zolder-1) zu Beginn der Saison hängen. Im Endergebnis bedeutet das: Audi gewinnt mit 1132 Punkten die Herstellerwertung, BMW kommt mit 550 Zählern noch nicht einmal auf 50 Prozent dieses Werts. Maximal 48 Punkte kann ein aus zwei Fahrern bestehendes Team pro Rennen erzielen (Sieg, 2. Platz plus die beiden ersten Plätze im Qualifying). Diesem Traumwert am nächsten kam das in dieser Wertung am Ende beste Team, die Audi-Rosberg-Mannschaft aus Neustadt an der Weinstraße, die im zweiten Nürburgring-Rennen 45 Zähler einfuhr (Sieg für Jamie Green, 3. Platz für René Rast, dazu die Startplätze 1 und 2).

Gehämmert: Den klarsten Sieg des Jahres mit 34,498 Sekunden Vorsprung auf den Zweiten erzielte Rast im ersten Norisring-Rennen. Das ist gleich doppelt bemerkenswert, denn der Norisring produziert nicht selten mit die engsten Rennausgänge überhaupt. Im diesem Fall aber noch erstaunlicher war, dass Sieger Rast nach verschlafenem Start erst einmal auf den letzten Platz zurückfiel, dann eine glückliche Safety-Car-Phase nutzen konnte und danach dem Feld eine Lektion in selten gesehener Überlegenheit erteilte. Das knappste Rennen des Jahres gewann? Natürlich, möchte man sagen, ebenfalls Rast, als er im zweiten Lauf von Brands Hatch 0,240 Sekunden vor Markenkollege Nico Müller den Zielstrich überquerte. Rast vor Müller - allein diesen Zieleinlauf gab es im Jahr 2019 viermal.

Geflohen: Start-Ziel-Siege, mithin nur ein einziger Führender, sind in der DTM eine absolute Rarität - im Gegensatz zur Formel 1 etwa. Den einzigen des Jahres besorgte Marco Wittmann gleich im Auftaktrennen zur neuen Saison in Hockenheim. Nicht weniger als sechs Fahrer an der Spitze (Sieger Nico Müller, dazu Robin Frijns, Jake Dennis, René Rast, Bruno Spengler und Ferdinand von Habsburg) erlebten die Fans beim zweiten Rennen von Misano.

Geführt: Wer sich von Rasts Überlegenheit ein Bild machen möchte, kann dazu die Anzahl seiner Führungsrunden im Jahr 2019 heranziehen. Nicht weniger als 261 Umläufe sahen ihn als Rennführenden, erst mit großem Abstand folgen Wittmann (110) und Müller (85). Zwei Piloten hatten zu keiner Zeit das gesamte Feld hinter sich: Joel Eriksson (BMW) und Pietro Fittipaldi (Audi). Alle vier Aston-Martin-Piloten führten aufgrund ihrer meist lange herausgezogenen Pflichtboxenstopps irgendwann das Feld mal an.

Geklettert: Rast sammelte in 13 der 18 Rennen Führungsrunden, ihm am nächsten kommt in dieser Kategorie Wittmann (8). Auch hinsichtlich der Anzahl an Podiumsplätzen enteilte Rast meilenweit: 13-mal kletterte er nach dem Rennen aufs Treppchen, starke elf Auftritte dort hatte auch "Vize" Müller.

Gemessen: Aufgrund der neuen Motoren und der veränderten Aerodynamik galt vor Saisonbeginn die Schallmauer von 300 km/h in der Spitze als möglich. Erreicht wurde sie am Ende dann doch nicht ganz. Ihr am nächsten kam mit gemessenen 291 km/h Mike Rockenfeller (Audi) im zweiten Rennen am Hockenheimring.

Gestoppt: Nicht immer sind Höchstwerte auch Bestwerte, so etwa beim Thema Ausfälle. Pannenkönig 2019 muss sich der Schotte Paul Di Resta (Aston Martin) nennen lassen, der in neun von 18 Rennen nicht die Zielflagge sah, zu dreien sogar nicht einmal antreten konnte wegen diverser Gebrechen an seinem Auto. Ein einziger Fahrer schaffte es in allen 18 Rennen bis zur schwarz-weiß karierten Flagge: Nico Müller.

Geflogen: Die schnellste Rennrunde des Jahres lieferte BMW-Pilot Philipp Eng ab, als er mit einem gefahrenen Durchschnitt von 186,347 km/h im Sonntagsrennen von Assen die Topmarke 2019 aufstellte. Müllers schnellste Rennrunde im Dauerregen des vierten Hockenheimrennens mag mit 147,003 km/h langsam erscheinen - auf dem überfluteten Asphalt war sie eine Meisterleistung.

Gewertet: Sechsmal pro Wochenende erstellt die DTM eine Zeitenliste, nach den beiden Freien Trainings, den beiden Qualifyings und den beiden Rennen. Fast schon logisch, dass Rasts Name am häufigsten ganz oben zu finden war (17-mal), gefolgt von Wittmann (11). Gleich sieben der Stammfahrer schafften es kein einziges Mal auf die Topposition.

Gewartet: Elf der 18 Stammfahrer haben es in der DTM schon zu Siegen gebracht. Die meisten im aktuellen Fahrerfeld (jeweils 17) gehen aufs Konto der Audi-Piloten Rast und Green. Wofür Rast nur drei Saisons genügten, benötigte Green 15 Jahre. Ihnen am nächsten kommen zwei BMW-Asse, Norisring-Überraschungssieger Bruno Spengler (16) und Wittmann (15). Am längsten sieglos ist der 2019 von allen Glücksgöttern verlassen gewesene Timo Glock. Seit 37 Rennen wartet der beliebte BMW-Kutscher schon auf den sechsten DTM-Erfolg seiner Laufbahn.

Gesammelt: Drei, zwei und einen Punkt gibt es in der DTM für die drei Trainingsschnellsten. Auch hier ragt Rast weit heraus: 35 Zusatzpunkte sammelte er 2019 in den Qualifyings. Seine ärgsten Verfolger im Titelrennen, Müller (11) und Wittmann (16), hinken deutlich hinterher.

Gewundert: Böse Geister oder pures Pech? Meisterschafts-Dritter Wittmann war in den neun Samstagsrennen sogar erfolgreicher als Champion Rast. Hier sammelte der BMW-Pilot aus Fürth mächtige 169 Punkte. Ganz anderes Bild an den Sonntagen: Nur 33 Zähler kamen da für Wittmann noch hinzu, während Sonntagsfahrer Rast nicht mehr zu bremsen war (177 Punkte, beinahe unglaubliche 19,6 im Schnitt je Rennen).

Geteilt: Die Überlegenheit von Audi manifestiert sich in der Anzahl an Siegen. Zwölf Erfolge gehen aufs Konto der Ingolstädter (Rast/7, Müller/3, Green/1, Rockenfeller/1), lediglich deren sechs auf das von BMW (Wittmann/4, Eng/1, Spengler/1). Erwartungsgemäß leer ging Neuling Aston Martin aus, zwei 6. Plätze von Jake Dennis in Zolder und Daniel Juncadella am Norisring sind die Top-Ergebnisse für das deutsch-schweizerische Rennprojekt.

Gefunden: Rasts klarer Sieg über seinen Markenkollegen Müller (322:250 nach Punkten) hat eine Parallele in der Formel 1. Dort führt vor dem Großen Preis von Japan am Wochenende Lewis Hamilton mit 322:249 Punkten gegen seinen Mercedes-Teampartner Valtteri Bottas.

Stefan Bomhard