Vom kleinen Basti zum Fußballgott

Wie am Hang alles begann: Schweinsteiger - eine Würdigung

Bastian Schweinsteiger 2003 in Marbella

Die Mühen haben sich gelohnt: Bastian Schweinsteiger 2003 in Marbella imago images

Große Karrieren müssen ganz klein anfangen. Und früh. Also stand der Bub Bastian Schweinsteiger in aller Herrgottsfrüh, 5 Uhr, auf und zog los - nicht auf einen Fußballplatz, sondern hinauf auf den Berg, um bis nachts um zehn Uhr kernig die Steilhänge runter zu donnern. Schweinsteiger hätte also - frag' nach bei Felix Neureuther! - ebenso ein grandioser Skifahrer werden können. Doch schon in jenen Kindertagen klebte genauso der Ball immer und überall an seinen Füßen.

Im heimischen Wohnzimmer in Oberaudorf forderte er den drei Jahre älteren Bruder Tobias zum direkten Duell; im Garten wurde eigens eine zuvor einen Skilift erhellende Flutlichtanlage aufgestellt, damit bis spät in die Nacht gekickt werden konnte, auf rot - für den FC Bayern - und blau - für den TSV 1860 München - angepinselte Holztore. Linien waren selbstverständlich auf dem eigenhändig geschnittenen Gras gezogen.

Um 6 Uhr raus, gegen 22.30 Uhr zurück, fünfmal pro Woche

Der 14-jährige Basti musste dann fünfmal pro Woche um 6 Uhr raus, zehn Minuten Fußweg zum Bahnhof, dann mit dem Zug zur Schule nach Brannenburg, um 13 Uhr mit dem Bus nach München, dort Training an der Säbener Straße, die gleiche Tour zurück, Heimkehr gegen 22.30 Uhr.

Viele Kinder und Jugendliche investieren sehr viel Lebenszeit in ihren Traum vom Fußballprofi, bei Schweinsteiger haben sich die Mühen gelohnt. Er wurde - die Abfolge seiner Erfolge von oben nach unten - Weltmeister, Gewinner der Champions League, achtmal deutscher Meister, siebenmal Pokalsieger, je einmal Gewinner des Liga-Pokals sowie des Supercups mit dem FC Bayern. Dazu gewann er mit Manchester United die Europa League, je einmal den League Cup und den FA Cup.

Im Umgang mit der Öffentlichkeit war er zurückhaltend, zuweilen gar sperrig-schrullig

Im Dienste der deutschen Nationalmannschaft absolvierte er 121 Länderspiele, trug auch da die Kapitänsbinde. Was am 6. Juni 2004 in Kaiserslautern im Freundschaftsspiel gegen Ungarn, 0:2, mit der Einwechslung in der 46. Minute begonnen hatte, endete im Nationaldress am 31. August 2016 in Mönchengladbach mit einem 2:0 gegen Finnland. Schweinsteiger, im Umgang mit der Öffentlichkeit zurückhaltend, zuweilen gar sperrig-schrullig, verneigte und bedankte sich mit Tränen in den Augen bei den deutschen Fans: "Es war eine große Ehre, für Deutschland zu spielen."

Mit noch mehr Pathos sagte er in der Münchner Allianz-Arena seinem Herzensklub FC Bayern offiziell Servus, im August 2018, als er mit seinem letzten Verein, Chicago Fire, antrat. Das ausverkaufte Stadion war an einem Dienstagabend kurz vor Mitternacht und eine Stunde nach dem Abpfiff noch immer nahezu proppenvoll, wo sonst Meisterschaftsfeiern nach einer Dreiviertelstunde kühl beendet sind.

Für die Bayern-Familie ist er immer ein Bayern-Spieler geblieben

Diese herzenswarme Szenerie damals sagte alles aus über "Bastian Schweinsteiger Fußballgott", wie er von seinem Anhang ehrfurchtsvoll beschallt wurde, sie war mindestens so viel wert wie die vielen Titel und das viele Geld, das Schweinsteiger in seiner Karriere gesammelt hat: Dieser Fußballspieler stand für ehrliche Arbeit, schonungslosen Einsatz, Kampfeswille, Authentizität, Natürlichkeit, Vereinstreue. Auch wenn ihn der FC Bayern und der damalige Trainer Pep Guardiola 2015 gerne zu Manchester United ziehen ließen, ist Schweinsteiger für die Bayern-Familie immer eine Identifikationsfigur, ein Bayer und Bayern-Spieler geblieben. Mit 35 Jahren hat er nun einigermaßen zurückgezogen in den USA seine große Karriere beendet.

Karlheinz Wild

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