Ironman 2019 auf Hawaii

Kein Profit trotz Profi: Top-Triathletinnen an der Grenze

Anne Haug

Anne Haug bei ihrem Sieg in Kopenhagen. Getty Images

Deutsche Rekordhalterin über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Silber (2012) und Bronze (2013) auf der Kurzstrecke und damit noch immer die einzige deutsche Triathletin, die im Einzel eine WM-Medaille über die Olympische Distanz gewann. Dritte auf Hawaii vor einem Jahr bei ihrer ersten Teilnahme bei der Ironman-WM. Reichlich Erfolge, reich haben sie Anne Haug bisher aber nicht gemacht. «Ich kann überleben, aber nichts weglegen», sagt die Profi-Triathletin in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Ihr Preisgeld von ihrem ersten Ironman-Sieg Mitte August in Kopenhagen, als sie trotz langer vorheriger Verletzungspause in deutscher Rekordzeit von 8:31:32 Stunden ins Ziel gestürmt war, ging für die Reise nach Hawaii drauf. Ein bisschen Zuzahlen inklusive. Haug reiste knapp zwei Wochen vor dem Rennen der Rennen für jeden Triathleten auf die Trauminsel im Pazifik. Vom Trainingslager auf Lanzarote flog sie via Deutschland, um noch ein Rad abzuholen, nach Hawaii.

Haug: "Meine Ausgaben sind nicht vergleichbar mit vielen anderen Sportlern"

Der Trip zum erhofften erneuten Edelmetall kostet die gebürtige Oberfränkin nach eigenen Angaben insgesamt rund 10.000 Euro. "Das ist schon happig. Meine Ausgaben sind nicht vergleichbar mit vielen anderen Sportlern", erzählt Haug. Nicht klagend, sie stellt es lediglich fest.

Haug, die an der TU München Sportwissenschaften mit Diplomabschluss studiert hat, liebt, was sie jetzt macht. Dass sie nicht so im Fokus steht wie die deutschen Weltmeister-Männer oder ihre Schweizer Konkurrentin Daniela Ryf, die in Kailua-Kona in den vergangenen vier Jahren gewann, stört Haug auch nicht besonders. "Ich strebe nicht danach, groß wahrgenommen zu werden. Ich lebe gern zurückgezogen und mache mein Ding. Wenn ich in die verrückte Triathlon-Blase springe, mache ich das für eine Woche und bin wieder froh, wenn ich meine Ruhe habe", sagt sie.

Ein Sieg auf Hawaii würde diese Ruhe erheblich durcheinanderbringen. Patrick Lange kennt das. Er stand Anfang 2016 vor dem Ende einer bis dahin eher durchschnittlichen Triathlon-Karriere. Lange hatte keine Sponsoren. Er entschied sich, es dennoch weiter zu versuchen. Mittlerweile ist Lange einer der Superstars der Szene und gefragter Werbepartner.

Eine deutsche Siegerin gibt es noch nicht. 2004 kam Nina Kraft zwar als Erste ins Ziel, wegen Dopings wurde sie anschließend aber disqualifiziert und gesperrt. Sechs deutsche Profi-Triathletinnen haben sich diesmal für Hawaii qualifiziert. Neben Haug zählt vor allen auch Laura Philipp trotz ebenfalls längerer Verletzungspause zu den größten deutschen Hoffnungen. Zudem dabei: Daniela Bleymehl, Mareen Hufe, Kristin Liepold und Svenja Thoes. "Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt, sich zu sehr mit Zielzeiten und so etwas unter Druck zu setzen", sagt Haug zu ihren Aussichten. Im Medaillenkampf setzt sie vor allem auf ihre Laufstärke beim abschließenden Marathon.

Siegerin winken wie Sieger 109.000 Euro

Ein Sieg würde sich auf jeden Fall auszahlen. Der Siegerin winken wie dem Sieger umgerechnet rund 109.000 Euro (120.000 US-Dollar). Rund 55.000 Euro (60.000 US-Dollar) gibt es für Rang zwei, rund 36.500 Euro (40.000 US-Dollar) für den Bronze-Platz. Verteilt werden die insgesamt rund 593.000 Euro (650.000 US-Dollar) auf die Top Ten bei den Frauen und den Männern.

Generell sind die Gesamtpreisgelder bei den Ironman-Rennen aber deutlich geringer - sprich im knappen sechsstelligen oder sogar nur fünfstelligen Bereich. Geld verdienen die Stars der Szene vor allem mit Sponsoren und Antrittsprämien. "Ich glaube, dass es viele Athleten gibt, die extrem viel investieren, aber immer gerade so an der Grenze leben", sagte die seit Jahren dominierende Ryf in diesem Jahr in einem Interview der Zeitung 'Die Welt': "Das ist schon hart."

dpa