Warum der Meister gerade nicht mit Liverpool mithalten kann

ManCity bestätigt Ede Geyer - und wirft eine unerhörte Frage auf

Pep Guardiola

Der Rückstand wächst: Pep Guardiola am Sonntag beim 0:2 gegen Wolverhampton. picture alliance

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Joao Cancelo Eduard Geyer ein Geschenk zum Geburtstag machen wollte, er kennt ihn ja mutmaßlich gar nicht. Doch immerhin bewies Manchester Citys Außenverteidiger, dass Geyer auch mit 75 Jahren noch ein bisschen was versteht vom Fußball. "Heute haben Trainer tausend Parameter", kritisierte der nämlich gerade im kicker-Interview (Montagausgabe) die zunehmende Verwissenschaftlichung, "und dann rutscht der Nachtwächter im entscheidenden Moment aus, weil er die falschen Schuhe anhat."

Rund 40 Personen soll allein die Analyseabteilung bei ManCity umfassen, und Pep Guardiola bekannte nach dem Heimspiel gegen Wolverhampton am Sonntag, dass man schon genau gewusst habe, dass der Gegner "gut organisiert, physisch stark, stark in der Luft und unglaublich schnell im Konter" auftreten würde. Trotzdem verlor der Meister gegen den Tabellen-13. mit 0:2 - weil Joao Cancelo in einer Szene gleich zwei böse Fehlpässe spielte.

Gündogan vermisst das Selbstvertrauen - Guardiola wohl vor allem Laporte

Es wäre ganz schön unerhört, einem Kader, der Kevin De Bruyne, David Silva oder Sergio Aguero enthält, fehlende Qualität zu unterstellen. Und doch könnte es stimmen: Manchester City liegt auch deshalb nach acht Spieltagen bereits acht Punkte hinter Spitzenreiter Liverpool, weil die aktuelle, von Verletzungen gehandicapte Mannschaft nicht besser ist.

Sie macht Fehler, die in den letzten Jahren nicht vorkamen, und wenn doch, gab es da meistens jemanden, der sie ungeschehen machte. "Wir waren nicht organisiert", klagte Guardiola. "Wenn wir es nicht schaffen, das erste Tor zu schießen, werden wir vielleicht etwas nervös, haben nicht mehr das 100-prozentige Selbstvertrauen", diagnostizierte Ilkay Gündogan.

Warum ersetzte ManCity Kompany im Sommer einfach nicht?

Dass ManCity auch nach dem 2:3 in Norwich das zweite Ligaspiel verlor, in dem Topvorbereiter Kevin De Bruyne (acht Assists, dazu zwei Tore) nicht in der Startelf stand - diesmal wegen einer Leistenverletzung -, ist sicher kein Zufall. Und Leroy Sanés Dribblings hätte Guardiola gegen die Wolves sicher auch gut gebrauchen können. Viel schwerer scheint jedoch ein anderer Ausfall zu wiegen.

Innenverteidiger Aymeric Laporte fehlt wegen eines Knorpel- und Meniskusschadens noch etwa fünf Monate, was die Frage aufwirft, wie sich ManCity das im Sommer eigentlich vorgestellt hat: Obwohl John Stones verletzungs- und Nicolas Otamendi fehleranfällig ist, verpflichtete der durchaus flüssige Titelverteidiger keinen Nachfolger für Kapitän Vincent Kompany.

Liverpools Vorsprung ist ein neuer Rekord

Ohne Laporte steht Guardiola im Abwehrzentrum kein Linksfuß mehr zur Verfügung und keiner mit einer annähernd so herausragenden Spieleröffnung. Und wenn wie zuletzt neben Otamendi der unverwüstliche Fernandinho (34) aushilft, fehlt dessen Abräumer-Attitüde im defensiven Mittelfeld, was schon in der Vorsaison Punkte kostete. 2018/19 kassierten die Citizens ihr neuntes Gegentor erst am 16. Spieltag.

Nun ist ManCity immer noch mit einem Torschnitt von 3,4 Tabellenzweiter; aber trotz aller Expertise rund um dieses Milliardenprojekt hat eine schwere Verletzung offenbar ausgereicht, um Guardiolas so oft so perfekte Elf in ein kleines, aber doch merkliches Ungleichgewicht zu bringen. Und das ist vielleicht entscheidend, schon jetzt.

Wir sollten lieber nicht darüber nachdenken, dass eine Mannschaft acht Punkte vorne liegt.

Pep Guardiola

ManCity erlebt gerade den schlechtesten Saisonstart seit 2013/14 (unter Manuel Pellegrini), gab zuhause bereits mehr Punkte ab als in der gesamten Vorsaison, blieb im Etihad erstmals unter Guardiola bei einer Niederlage auch noch torlos. Gleichzeitig ist Liverpools Vorsprung der größte nach acht Spieltagen in der Premier-League-Geschichte. Chelsea lag 2014/15 mal fünf Punkte vor dem Zweiten und wurde souverän Meister.

Guardiola hat den dritten Titel in Folge noch nicht abgeschrieben

"Der Rückstand ist groß, aus vielen Gründen lassen sie keine Punkte liegen", seufzte Guardiola am Sonntag mit Blick auf die Reds, die bislang auch gewinnen, wenn mal nicht alles nach Plan läuft. "Wir sollten lieber nicht darüber nachdenken, dass eine Mannschaft acht Punkte vorne liegt."

Liverpool wirkt noch gefestigter als letztes Jahr, noch hungriger sowieso. Aber "ich kenne meine Jungs, sie können es schaffen. Wir haben erst Oktober", sagt Guardiola. Er weiß: In der Vorsaison reichte ManCity die Rückrunde, um sieben Zähler wettzumachen, und tatsächlich steht ja noch etwas aus in dieser Saison: 30 Spiele respektive 90 Punkte, zwei Duelle mit Liverpool (10. November in Anfield und Anfang April in Manchester) - und eine Transferperiode.

jpe

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