Mangelnde Konzentration kostet zwei Zähler gegen Bremen

Eintracht Frankfurt: Wo geht die Reise hin?

Enttäuschung? Zufriedenheit? Bei Eintracht Frankfurt und Trainer Adi Hütter (Mitte) herrschten gemischte Gefühle.

Enttäuschung? Zufriedenheit? Bei Eintracht Frankfurt und Trainer Adi Hütter (Mitte) herrschten gemischte Gefühle. imago images

Bas Dost hätte sich sicher gefreut, hätte er die Partie am komplett verregneten Sonntagabend nicht wegen muskulärer Probleme verpasst. Das Spiel der Eintracht war wie zugeschnitten auf den kopfballstarken 1,96-Meter-Sturmtank. Ganze 40 Flanken - der bisherige Spitzenwert dieser Bundesliga-Saison - schlugen die Kollegen vors Tor. Doch der Niederländer war eben nicht mit von der Partie und fiel somit als Abnehmer aus.

Hütter: "Top-Leistung im physischen Bereich"

In erster Linie waren Gonzalo Paciencia und André Silva für das Verwerten der Hereingaben zuständig. Beiden fehlte häufig die letzte Wucht, die nötige Durchschlagskraft, um sich gegen die robuste Werder-Defensive durchzusetzen. Nur zehn Hereingaben fanden tatsächlich einen Empfänger. "Wir haben auch deswegen viel über die Außen gespielt, weil wir den Gegner so analysiert haben", erklärte Trainer Adi Hütter, der den aus seiner Sicht "stärksten Auftritt" in dieser Saison mit einer "Top-Leistung im physischen Bereich" sah.

"Mit elf Zählern müssen wir uns nicht verstecken"

Die Statistik untermauert den betriebenen Aufwand. Ob bei den Torschüssen (25 - 11), dem Ballbesitz (62% - 38%), den Eckbällen (10 - 1) oder den bereits angesprochenen Flanken (40 - 5). Doch am Ende sprang nur ein Zähler heraus. Für Hütter jedoch noch kein Grund zur Sorge. "Wenn wir heute gewonnen hätten, könnte ich aus unserer Sicht von einem Top-Start sprechen. Die Topmannschaften sind tabellarisch alle vorne platziert, aber auch mit elf Zählern müssen wir uns nicht verstecken", sagte der Österreicher. Das druckvolle Gegenpressing der Eintracht ging auf, doch spielerisch muss die Hütter-Elf im vorderen Drittel zulegen. Natürlich, Flanken über außen sind ein probates Mittel, aber nicht das ausschließliche. Gerade bei spielerischen Lösungen durch die Mitte zeigten sich die Werderaner bei ihren wenigen Offensivaktionen deutlich gradliniger.

Nachdem Sebastian Rode, als unermüdlicher Antreiber in der Zentrale bester Frankfurter, mit einem sehenswerten Treffer (55.) den angesichts der Spielanteile etwas schmeichelhaften Führungstreffer des Bremer Kapitäns Davy Klaassen (27.) egalisierte, lief es am Ende auf ein Unentschieden heraus. Bis dann doch noch eine Flanke saß: Almany Touré legte für Paciencia auf, den Abpraller verwertete Silva (88.). Doch am Ende fehlte die Konzentration. "Das ist Fußball, auch einem Spieler wie Hasebe kann so etwas passieren. Es war ein klarer Elfmeter, da brauchen wir nicht diskutieren. Das wird ihm auch in diesem Alter noch eine Lehre sein. Das weiß er nämlich auch, dass er in dieser Situation nicht grätschen darf", sprach Hütter über die Szene, die letztlich den Dreier kostete. Makoto Hasebe foulte Klaassen im Strafraum. Milot Rashica verwandelte zum Endstand (90.+1).

Es stehen die Wochen der Wahrheit bevor

"Es ist noch sehr viel Luft nach oben. Wir werden noch Zeit brauchen, bis alles klappt", erklärte Mittelfeldspieler Djibril Sow. Doch viel Zeit bleibt den Hessen nicht mehr für ihre Findungsphase. Nach der anstehenden Länderspielpause stehen die Wochen der Wahrheit bevor. Mit Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach, Bayern München, Überraschungsteam SC Freiburg und dem VfL Wolfsburg warten die aktuellen Spitzenteams der Liga. Zudem stehen die für das Weiterkommen in der Europa League entscheidenden Spiele gegen Standard Lüttich auf dem Programm. Bei entsprechenden Erfolgen dürfte erneut eine Euphoriewelle rund um den Klub entstehen, von der die Mannschaft getragen werden kann. Doch auch das graue Mittelmaß ist nicht weit entfernt. Wo steht die Eintracht also? Das harte Programm der kommenden Wochen gerät zur Standortbestimmung und wird eine Aussicht darauf geben, in welchen Gefilden sich die Adlerträger in dieser Spielzeit bewegen werden.

Moritz Kreilinger

Bilder zur Partie Eintracht Frankfurt - Werder Bremen