Stimmen aus der Bundesliga zur Leichtathletik-WM mit Blick auf 2022

"Katar? Eine unter allen Aspekten falsche Entscheidung"

Max Eberl, Markus Krösche und Armin Veh (v.l.)

Kritik an der WM-Vergabe nach Katar: Max Eberl, Markus Krösche und Armin Veh (v.l.). imago images

Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach: "Unter den aktuellen Gegebenheiten mache ich mir vor allem um die Zuschauerzahlen Sorgen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass 2022 alle WM-Spiele gut besucht sein werden. Eine schöne Atmosphäre mit vielen Fußballfans gehört einfach zu einer WM dazu und ich fürchte, dass wir in dieser Beziehung viele Abstriche werden machen müssen." Und auf die Frage, ob die WM 2022 noch heute an einen anderen Ort vergeben werden müsste: "Ja, aber ich bin nicht naiv, das wird nicht machbar sein."

Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball beim 1. FC Union Berlin: "Ich habe von Anfang an gesagt: Ich kann nicht verstehen, warum es nach dorthin geht. Das ist für den Fußball sicherlich keine gute Entscheidung. Das hat sich jetzt nochmal herauskristallisiert, aber das ist auch nichts Unerwartetes. Das kannst du jede Woche neu diskutieren, aber es bleibt ein Ort, an dem die WM sehr schwierig wird - zu der Zeit, zu der sie stattfindet, und mit der Atmosphäre, die dort herrschen wird. Vor allem, wenn man mal die Rahmenbedingungen bedenkt: ein Bier für 15 Euro und alles drumherum. Das spielt ja auch eine Rolle für die Fans."

Ich halte es für eine absolut falsche, eine irre Entscheidung. Das hat mit dem Sport nicht viel zu tun.

Michael Zorc

Michael Zorc, Sportdirektor von Borussia Dortmund: "Ich sehe (bei der Leichtathletik-WM, d.Red.) auch das leere Stadion, und das selbst bei Topdisziplinen, die sonst immer gut besucht sind. Wir können nur darüber spekulieren, warum die Fußball-WM nach Katar vergeben wurde. Sportliche Gründe haben offensichtlich bei dieser Entscheidung keine große Rolle gespielt. Ich halte es für eine absolut falsche, eine irre Entscheidung. Das hat mit dem Sport nicht viel zu tun."

Sandro Schwarz, Trainer des 1. FSV Mainz 05: "Es ist gewissermaßen eine Vorwarnung. Welche Rolle die klimatischen Bedingungen dort gespielt haben, haben wir insbesondere bei den Marathon-Wettbewerben erfahren. Das dies nicht sinnvoll ist für den Körper, wissen wir auch. Ich bin aber nicht sehr tief in diesem Thema drin. Dementsprechend kann ich nicht beurteilen, was die letzte Konsequenz oder Schlussfolgerung hinsichtlich der Fußball-Weltmeisterschaft sein muss."

Ich habe die Leichtathletik-Weltmeisterschaften am TV verfolgt und dabei Bauchschmerzen bekommen.

Markus Krösche

Armin Veh, Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln: "Ich finde es aberwitzig, dass man in Katar eine WM veranstaltet. Diese Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar. Sie kann nur mit kommerziellen Dingen zu tun haben. Die Temperaturen im Winter - wenn die Fußball-WM 2022 ausgetragen wird - sehe ich nicht als problematisch an, schon eher, dass wegen der Winter-WM alle Termine in den Ligen umgebaut werden müssen."

Markus Krösche, Sportdirektor bei RB Leipzig: "Katar ist nicht der optimale Standort für eine WM. Ich habe die Leichtathletik-Weltmeisterschaften am TV verfolgt und dabei ein bisschen Bauchschmerzen bekommen. Es war keine kluge Entscheidung, eine WM nach Katar zu vergeben, es ist eine unter allen Aspekten - auch mit Blick auf die Zuschauer - falsche Entscheidung."

Bierhoff sieht "gleiche Herausforderungen und Umstände" für alle

Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Nationalmannschaft: "Ich habe riesigen Respekt vor den Leistungen der Athleten bei der Leichtathletik-WM. Bei diesen Bedingungen bewegt sich der eine oder andere physisch wie mental sicher in einem Grenzbereich. Schon bei vorherigen Fußball-Weltmeisterschaften, wie 1986 in Mexiko, 1994 in den USA oder auch in Brasilien 2014 mussten die Spieler teilweise unter sehr schwierigen klimatischen Bedingungen mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit spielen, auch in der Mittagszeit. Das ist sicher nicht optimal, aber wir müssen diese Entscheidung der FIFA akzeptieren und uns darauf einstellen. Alle Mannschaften müssen ja mit den gleichen Herausforderungen und Umständen umgehen. Wir verlassen uns auf die Zusagen der Organisatoren, die Temperaturen in den Stadien entsprechend zu regulieren und auch ansonsten alles dafür zu tun, die Rahmenbedingungen für die Mannschaften so angenehm wie möglich zu machen. Aktuell aber konzentrieren wir uns auf die laufende EM-Qualifikation. Denn noch sind wir weder für die Europameisterschaft im nächsten Jahr noch für die WM in Katar qualifiziert."

Kommentar: Auch der Fußball verkauft seine Seele

kon