Sommermärchen-Verfahren

Zwanziger scheitert mit Strafanzeige

Dr. Theo Zwanziger

Musste eine juristische Niederlage hinnehmen: Dr. Theo Zwanziger. picture alliance

"Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgelehnt, da kein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt", erklärte ein Sprecher der Behörde am Freitagnachmittag. Zwanziger hatte gegen die Ermittlerin Dr. Anna-Elisabeth Krause-Ablaß bereits im Mai Strafanzeige erstattet. Der Vorwurf: falsche Verdächtigung. Es habe bei der Vernehmung von Stefan Hans, der die Finanzen im WM-Organisationskomitee 2006 (OK) mitabwickelte, eine Pflichtverletzung gegeben. Konkret habe, so ist es im Schreiben von Zwanziger und dessen Anwalt Hans-Jörg Metz an die Ermittler formuliert, "die Staatsanwaltschaft indes seine Aussage (gemeint ist Hans, d. Red.), zurückhaltend formuliert, verändert". Der 74-Jährige rechtfertigte dieses Vorgehen damals so: "Man wirft uns Täuschung vor, verstehen Sie also bitte, dass ich extrem empfindlich reagiere, wenn die Gegenseite mit solchen Maßnahmen arbeitet."

Ein Fehlverhalten der Kollegen können nun ihrerseits die Ermittler in Darmstadt nicht erkennen. Der Behördensprecher führt aus: "Dass die angezeigte Staatsanwältin den Anzeigeerstatter wider besseren Wissens einer rechtswidrigen Tat bezichtigt hätte, konnte bereits deshalb ausgeschlossen werden, weil das Oberlandesgericht Frankfurt/Main durch nicht anfechtbaren Beschluss vom 16.08.2019 das Hauptverfahren gegen den Anzeigeerstatter eröffnet und die Anklage der Staatsanwaltschaft Frankfurt/ Main zugelassen hat, mithin festgestellt hat, dass ein hinreichender Tatverdacht gegen den Anzeigeerstatter besteht."

Die Eröffnung eines Verfahrens wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung respektive der Beihilfe dazu gegen die Ex-DFB-Präsidenten Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie die beiden früheren Generalsekretäre Horst R. Schmidt (DFB) und Urs Linsi (FIFA) war vom Landgericht Frankfurt zunächst abgelehnt worden. Das OLG hatte diesen Entscheid jüngst revidiert, mit Eröffnung ist aber erst 2020 zu rechnen.

Wofür waren die 6,7 Millionen Euro?

In dem Komplex geht es um die 2005 über die FIFA abgewickelte Rückzahlung eines Darlehens in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den mittlerweile verstorbenen Ex-adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus. Diese aus dem WM-OK angewiesene Rückzahlung war als Kostenbeteiligung an der später abgesagten WM-Eröffnungsfeier deklariert worden. Franz Beckenbauer stand bei Louis-Dreyfus in der Schuld, das WM-OK löste ihn aus. Bis heute ist unklar, wofür genau 2002 das Darlehen bei Louis-Dreyfus aufgenommen worden war. Die 6,7 Mio. Euro landeten letztlich bei einer Firma des später wegen Korruption lebenslang gesperrten ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Mohammed Bin Hammam (Katar).

Benni Hofmann